„Nur noch das Wasser reichen“

Erstmals seit Jahren legen wieder Fahrgastschiffe in Arneburg an

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Die himmelblaue Passagiersleiter empfängt die Gäste mit dem Blick auf die Skyline der Elbestadt.

Arneburg – Während im Norden der Verbandsgemeinde die Hansestadt Werben plant, ihren Landeplatz für Fahrgastschiffe am Buhnenhaken aufzugeben, hat die Stadt Arneburg ihre Anlegeplattform frisch am Elbufer unweit des Sportboothafens vertäut.

„Es gibt mehrere Anfragen“, begründet Bürgermeister Lothar Riedinger am Dienstag der AZ die arbeitsintensive Montage der massiven Stahlkonstruktion am Arneburger Pier.

Die himmelblaue Passagiersleiter fristete über viele Jahre ein unbeachtetes Dasein zu Füßen des Elbhangs neben der Zufahrtsstraße zur Fähre. Jetzt führt sie erwartete Gäste mit Blick auf die Aussichtsplattform in Richtung Hafenwiese.

Erstmals wieder besonders im Blickpunkt des Interesses steht Arneburgs Fahrgastschiffsanleger zum Fliederblütenfest am kommenden Wochenende. Dann wird er Teil der „Rotary World Convention“, einem Treffen von 30.000 Rotariern aus der ganzen Welt. Dafür gibt es die maritime Benefizaktion „Elbe-Charity-Boat-Tour“ mit Veranstaltungen entlang des Flusses zwischen Tschechien bis Hamburg.

An zehn Stützpunkten sind flussabwärts Staffelübergaben an jeweils beteiligte Nachbarclubs geplant. Der Erlös aus begleitenden Mittagessen und Grillfesten soll eine internationale Jugendbegegnungsstätte unterstützen. „Am Samstag, 18. Mai, werden Rotarier aus zahlreichen umliegenden Clubs die Strecke von Tangermünde bis Arneburg mit Kanus, Booten und einem Fahrgastschiff bewältigen“, kündigt Stendals Rotary-Club-Präsident Daniel Jircik an.

Eine weitere Gruppe interessierter Elbpassagiere aus Stendal werde Ende des Monats die Arneburger Anlegestelle nutzen, weiß Riedinger. Das Stadtoberhaupt rechne damit, dass der Anleger dieses Jahr voraussichtlich etwa ein halbes Dutzend mal angefahren werde.

Auch auf dem Fahrplan einer Tangermünder Reederei ist die Elbestadt neuerdings wieder gelistet. Demnach wird es am Sonntag, 19. Mai, von 12 bis 15 Uhr eine „Mittagsfahrt“ nach Arneburg geben. Die Reederei unterhält eine Flotte von drei Schiffen, wobei die MS „Elbkaiser“ Platz für 140 Passagiere hat, auf der MS „Präsident“ bis zu 400 Gäste mitschippern und auf der MS „Großer Kurfürst“ 500 Leute mitfahren können. Regulär startet die Flotte in Magdeburg am Schiffshebewerk, in Havelberg an der Uferstraße und in Tangermünde am Anleger nahe der Schlossfreiheit.

„Jetzt muss nur noch das Wasser reichen“, hofft Arneburgs Stadtoberhaupt auch weiterhin auf fahrgastschiffstaugliche Elbpegel. Die Kleinstadt im Süden der Verbandsgemeinde hat immer wieder darunter gelitten, dass ihr Hafen wegen Niedrigwassers für Boote und Schiffe unerreichbar gewesen ist. Auch aus dem Grund blieb der Anleger lange ungenutzt.

Er wurde im Jahr 1997 in einer Genthiner Werft „im Rahmen einer AB-Maßnahme“ hergestellt, wie das Betriebsschild an der himmelblauen Reling verkündet. Fachleute kritisieren die Bauart. Weil diese über keinen speziellen Schutz gegen Frost und Eis verfüge, müsse der Koloss über Winter stets an Land geholt werden.

VON ANTJE MAHRHOLD

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