„In diese Tretmühle nicht zurück“

Einstige CDU-Größe Trumpf weist neue Ambitionen lieber von sich

Eike Trumpf (2.v.r.), damals Bürgermeister, und weitere Altmärker 2009 bei der Besichtigung einer RWE-Baustelle in Nordrhein-Westfalen. Die Pläne für ein Steinkohlekraftwerk bei Arneburg haben sich längst erledigt. Trumpf gestaltet andere Projekt dort nun als Prokurist mit, seine politische Laufbahn verläuft deutlich gemäßigter.
+
Eike Trumpf (2.v.r.), damals Bürgermeister, und weitere Altmärker 2009 bei der Besichtigung einer RWE-Baustelle in Nordrhein-Westfalen. Die Pläne für ein Steinkohlekraftwerk bei Arneburg haben sich längst erledigt. Trumpf gestaltet andere Projekt dort nun als Prokurist mit, seine politische Laufbahn verläuft deutlich gemäßigter.

Hohenberg-Krusemark – Landtag? Eike Trumpf winkt ab. Bundestag? Der 57-Jährige lächelt milde. Das Superwahljahr 2021 böte ihm gleich zwei Chancen, noch einmal anzugreifen.

Um den Stuhl des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, den er fast auf den Monat genau 2016 gegen einen Herausforderer verloren hat, geht es in knapp drei Jahren wieder.

Der einstige Platzhirsch der CDU mit Ambitionen für ein Landtagsmandat hört schon gar nicht mehr richtig hin. „In diese Tretmühle möchte ich nicht zurückkehren“, sagt der Hohenberg-Krusemarker der AZ ziemlich überzeugend. Wenngleich: Trumpf ist immerhin noch Vorsitzender des Ortsverbandes und Beisitzer im Kreisvorstand seiner Partei.

Den großen Strippenzieher für die CDU in Landkreis und Region scheint es momentan nicht zu geben. Dass es mindestens zwei Bewerber um die Direktkandidatur bei der Bundestagswahl gibt, könnte ein Beleg dafür sein, eine machtvolle Regie sieht wohl anders aus. Andere haben vielleicht genau diese relative Vielfalt vermisst, nichts bis wenig scheint ausgemacht und schon vorher festgelegt. Am 9. Oktober entscheiden die beiden altmärkischen Kreisverbände in Stendal über ihren gemeinsamen Kandidaten. Landtagsmitglied Uwe Harms (Gardelegen) und Bernd Prange (Seehausen) wollen direkt in das Berliner Bundesparlament. Mandatsinhaber Eckhard Gnodtke (Salzwedel) will nun doch nicht mehr antreten.

Dass noch der eine oder andere Bewerber mehr die Abstimmung in Stendal sucht, hält Trumpf für gar nicht so ausgeschlossen. Sein Ortsverband habe sich noch nicht abschließend mit dem Thema befasst. Ob ein bestimmter Parteifreund gefunden und von allen unterstützt werden kann, müsse sich zeigen. Eines stehe bereits so gut wie fest: „Einen eigenen Kandidaten des Ortsverbandes Arneburg-Goldbeck wird es nicht geben.“ So oder so: Die parteiinterne Vorauswahl Anfang Oktober dürfte spannend werden. Dabei können die Christdemokraten jede hausgemachte Vitaminspritze gut gebrauchen, gerade im Landkreis Stendal haben sie in jüngster Vergangenheit Federn lassen müssen.

Der Stendaler Wahlskandal von 2014 wirkt immer noch nach, auch juristisch. Die Hansestadt Stendal fordert vom verurteilten Wahlbetrüger Holger Gebhardt und auch vom einstigen CDU-Kreisvorsitzenden Wolfgang Kühnel Schadensersatz, der Zivilprozess soll heute fortgesetzt werden. An Einfluss hat die Partei sowieso verloren, sie ist nicht mehr die Großmacht in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel, bei der jüngsten Kreistagswahl gab es von Wählern eine Ohrfeige und dann ging auch noch der Landratsposten an die Konkurrenz. Trumpf will all das und mehr nicht kommentieren. Hohenberg-Krusemark schien für ihn schon vorher ausreichend weit weg von all dem Ärger in der knapp 20 Kilometer entfernten Kreisstadt.

Kreisvorsitzender seit April 2017 ist Chris Schulenburg aus Sandau, genau der Parteifreund, gegen den Trumpf zwei Jahre davor überraschend den Kampf um die CDU-Direktkandidatur für den Landtag verlor. Eine herbe Niederlage und in gewisser Weise Vorbote für das Aus als Bürgermeister ein Jahr später, daraus machte Trumpf selbst nie ein Hehl. Wie tief dieser Stachel noch sitzt, der Familienvater lässt einen das nicht so richtig nachspüren. Er verweist lieber auf seine Arbeit als Prokurist im Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) bei Arneburg. An der kürzlich avisierten Investition in dreistelliger Millionenhöhe eines Essener Konzerns soll er kräftig mitgewirkt haben. „Vielleicht ist das ja noch nicht das letzte Großprojekt.“ VON MARCO HERTZFELD  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare