Grundschule Iden probiert Corona-Luftreiniger aus

„Virenfilter kostenlos im Testlauf“

Zwei Virenfilter sind ab April 2021 in der Grundschule Iden im Probe-Einsatz.
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Mobiler Luftreiniger gegen Corona in Grundschule Iden im Testlauf
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Iden – In einer der ersten Bildungsstätten der Region durchwirbeln jetzt zwei Corona-Filter die Luft von zwei Klassenzimmern der Grundschule Iden.

Dabei handele es sich um einen „kostenlosen Testlauf“, berichtet Arneburg-Goldbecks Verbandsgemeinde-Chef am Mittwochmittag auf AZ-Anfrage. Mit Hilfe eines in Stendal ansässigen Unternehmens sind zwei verschiedene Geräte im Einsatz. Mit dem Test solle ermittelt werden, welcher Typ für den möglichst flüsterleisen Einsatz im Unterrichtsraum geeignet sei. Das System solle „nicht zu laut sein für den Schulbetrieb“, begründet René Schernikau (parteilos).

UV-Licht

bestrahlt Filter

Der Familienvater aus Möllendorf hatte sich in seiner Funktion als Vize-Chef des Kreistags-Ausschusses für Ordnung, Umwelt und Landschaftsschutz bereits für den Einsatz von Virenfiltern starkgemacht (AZ berichtete). Dennoch wolle er die Erwartungen an die neuen Geräte bremsen. Obwohl die im Wischeort gerade frisch rotierenden Luftreiniger sogar mit UV-Licht den eingebauten Filter möglichst keimfrei machten, müssten dennoch weiterhin geltende Lüftungsregeln per Fensteröffnen umgesetzt werden. Diese Vorgaben seien etwa vom Robert-Koch-Institut verfasst worden, wonach in Klassenräumen dennoch gelüftet werden müsse, auch wenn dort Luftreiniger eingesetzt würden.

Während Luftfilter etwa für die im Herbst frisch bezogene Grundschule Goldbeck nicht nötig seien, da das an der Friedrich-Ebert-Straße neuerrichtete Gebäude über eine Außenluftanlage verfüge, sei Iden für den Testlauf bewusst ausgewählt worden, weil die Lehrstätte „ein kleiner Standort“ sei. Falls der Test gut verlaufe, sollen vier Geräte für die Schule mit insgesamt 64 Kindern angeschafft werden. Eine Ausgabe über 9000 Euro ist im Investitionsteil des noch nicht beschlossenen Verbandsgemeinde-Nachtragshaushalts 2021 bereits eingeplant.

Kinder mit Allergien

könnten profitieren

„Es ist aber nicht so, dass durch Luftfilter keine Ansteckungsgefahr mehr im Klassenzimmer herrscht“, betont Schernikau. Dennoch wirkten die mit speziellen Sensoren ausgestatteten Luftwächter im Kampf gegen Viren, Bakterien und Aerosole gesundheitsfördernd. Außerdem könnten sie auch dazu beitragen, das Lernvergnügen der Mädchen und Jungen zu steigern, die unter Allergien leiden. Dies zumindest habe Idens kommissarischer Schulleiter Jens-Uwe Marquardt bei der Vorstellung der Geräte vermutet, berichtet Schernikau.

Die Idener Test-Coronafilter seien dank angeschraubter Rollen mobil einsetzbar. Damit könnten die Geräte bei größeren Veranstaltungen bequem vom Klassenzimmer in die Mensa geschoben werden, verweist der Verbandsgemeinde-Bürgermeister auf einen praktischen Vorteil der mobilen Lüfter. Ebenso gut sei, dass sie eingesetzt werden können, ohne dass ein „Eingriff in die Bausubstanz“ nötig sei. Dies sei bei vielen anderen Reinigungssystemen der Fall. Der Probeeinsatz soll laut Schernikau voraussichtlich bis Herbst dauern.

Bundesprogramm

nutzt dem Bestand

Immerhin 500 Millionen Euro stehen seit dem vorigen Herbst im Bundesprogramm „Corona-gerechte Um- und Aufrüstung von raumlufttechnischen Anlagen in öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten“ bereit. 40 Prozent der Investitionskosten können seit Oktober erstattet werden. Förderfähig sind aber nur Bestandsanlagen, die schon Lüftungssysteme haben. Doch nach Angaben des Branchenverbands Gebäude und Klima verfügt republikweit nur etwa jede zehnte Schule über eine Klimaanlage. Dabei sind gerade stromsparende Luftreiniger nicht erst in Pandemiezeiten gefragt. Sie waren schon Teil einer Ausstellung, als der 34. G8-Gipfel ein Jahr nach Heiligendamm im Juli 2008 im japanischen Tokaya getagt hatte. Damals legten sich die großen Chefs auf eine Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050 fest.

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