Personalwandel an historischer Stätte zur Corona-Zeit fordert Inhaber heraus

Büttnershof: „Zum Frühjahr brauchen wir Ersatz“

„Die angenehmen Gäste werde ich vermissen“, quittiert Restaurantleiterin Karola Marschall nach fast 17 Jahren ihren Dienst. Jetzt hat sie mehr Zeit für ihre Familie.
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„Die angenehmen Gäste werde ich vermissen“, quittiert Restaurantleiterin Karola Marschall nach fast 17 Jahren ihren Dienst. Jetzt hat sie mehr Zeit für ihre Familie.

Büttnershof – Erst Corona, dann Karin, jetzt Karola: 2020 fordert Büttnershofs Guthaus-Inhaber wie nie zuvor. „Was wir durchlebt haben“, lässt Bernd Prüfert seinen Tränen vor versammelter Mannschaft freien Lauf, als wie bei einem Appell die fast komplette Mannschaft an diesem Donnerstagnachmittag von der Restaurantleiterin feierlich Abschied nimmt.

„Es war alles schön“, schimmern auch in Karola Marschalls Augen Tränen, während ihre neuen Ex-Kollegen an frisch gebrühtem Kaffee nippen. Im beliebten Ausflugslokal am Elberadeweg inmitten des Naturschutzgebiets „Alte Elbe“ nimmt der Service eine neue Stufe im Wandel des Personals.

„Zum Frühjahr brauchen wir Ersatz“, wisse Prüfert um die anscheinende Unlösbarkeit dieser Notwendigkeit, denn Mitarbeiter wie die 63-Jährige seien nicht mehr zu haben. Marschall verabschiedet sich nach fast 17 Jahren aus dem Dienst für die Kulinarik. „Die angenehmen Gäste werde ich vermissen.“

Die fast komplette Gutshaus-Mannschaft hat sich zum Abschied der 63-Jährigen aus Stendal im Idener Ortsteil versammelt.

Erst im Juli hatte der Gutshaus-Chef mit seiner Frau Elke eine langjährig verdiente Mitarbeiterin in den Ruhestand ziehen lassen müssen. Köchin Karin Missenberger war in der Gastlichkeit des Idener Ortsteils seit 21 Jahren tätig. Für den Ersatz der 72-Jährigen brauchte es mit den Biesestädtern Alexander Wilke (25) und Sven Leidel (40) gleich zwei Köche, scherzt ihr Ex-Chef beim Abschiedstreffen im Kerzenschein, das sich die Osterburgerin nicht entgehen lässt. „So etwas wird nicht noch einmal geboren“, lobt er sein scheidendes Personal – mit Blick auf die internationale Nachwuchsabteilung aus Fernost. „Unsere vietnamesischen Azubis bringen ja eine Grundfreundlichkeit mit“, hebt Elke Prüfert hervor. Ob die jungen Kräfte jedoch eine derartige „Belastbarkeit“ wie Marschall an den Tag legen könnten, das werde sich erst zeigen.

Und so ist der festliche Fortgang der Restaurantchefin auch eine Art Lehrstunde für Thuy, Phuong, Mai und Kollegen, als der Hausherr zur „Philosophie“ des Unternehmens spricht. „Wir möchten unseren Gästen etwas geben“, verweist er darauf, dass der Einsatz am Gutshaus-Publikum „nicht nur ein Job“ sei, sondern dieser „mit ganzem Herzen“ zu erledigen sei. Persönliche Interessen müssten dabei oft „hinten an stehen“, so zumindest habe es die Ex-Restaurantleiterin gehandhabt. Das habe sich etwa auch daran gezeigt, dass die Stendalerin stets mindestens etwa 30 Minuten vor Dienstbeginn um 11 Uhr eingeparkt habe. Selbst als sie auf der Fahrt zur Arbeit einen Wildunfall erlitt, habe sie beim Abschleppunternehmen gleich aus Sorge um ihre Gäste einen Ersatzwagen geordert – nennt Prüfert seinen Azubis ein Beispiel, das Marschalls „Loyalität dem Betrieb gegenüber“ verdeutliche.

Das Rüstzeug für ihr Berufsleben hat die 63-Jährige in der seinerzeit rund 1,3-Millionen-Einwohner zählenden Hauptstadt des DDR-Bezirks Magdeburg erworben. Eine Facharbeiterausbildung zur Kellnerin absolvierte die Ostaltmärkerin bei der damaligen Handelsorganisation (HO) in der Gaststätte „Ratskeller“. Später war sie etwa zehn Jahre lang in der Gastronomie in Stendal tätig, bis sie im April 2004 das Vorstellungsgespräch in Büttnershof für sich entschied. VON ANTJE MAHRHOLD

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