Preisgekrönter Hobby-Drechsler aus Kiel lässt ökologischen Eigenbau rotieren

Büttnershof: „Das alte Handwerk zeigen“

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Unikum in Büttnershof: Die selbstgebaute Fuß-Drechselbank.

Büttnershof/Kiel – Mit der Kraft der Füße lässt Hartwig Rades sein Freizeitgerät der Marke Eigenbau nach dem Nahmäschinenpedal-Prinzip surren.

Der zuletzt in seiner Heimatregion Norddeutschland urkundlich als „Hobby-Künstler des Jahres“ ausgezeichnete Tüftler braucht für seinen Auftritt vor Publikum deswegen auch keine Steckdose.

„Ich will altes Handwerk zeigen“, sagt der 78-Jährige aus Kiel am Donnerstagvormittag auf bereits gepacktem Koffer der AZ, während im VW-Bus schon die schicke Hauptattraktion verstaut ist.

Der pensionierte Postbeamte aus der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins hat sich vor etwa zwei Jahrzehnten nach einer Skizze von 1850 ein Drechselbank-Unikum aus Holz gebaut, um für seine Leidenschaft für den nachwachsenden Rohstoff das passende Werkzeug zu erschaffen. Mit der Eigenkreation nach historischem Vorbild demonstriert der agile Pensionär interessierten Zuschauern, wie vor mehr als 150 Jahren Holz gedrechselt wurde.

Für seine Maschine seien die Bestandteile etwa aus Esche, Rüster (Ulme), Lärche und Robinie gefertigt worden, erläutert Rades kurz vor seinem Aufbruch in die Ostaltmark. Das Ziel der Reise des unternehmungslustigen Freizeit-Handwerkers ist das Gutshaus Büttnershof, wo er am Sonntag, 4. August, beim Trödelmarkt sein Können demonstrieren will. Und wo der Norddeutsche auf Inhaber Bernd Prüfert trifft, seinen früheren Nachbarn.

Wenn der 78-Jährige in zwei Tagen voraussichtlich vormittags ab etwa 10 Uhr das hölzerne Ungetüm mit Spindelstock, Riemen und Reitstock an zentraler Stelle direkt neben dem Gasthaus in Position bringt, wird auch ein Teil seiner Produkte angeboten. So etwa Schalen aus Kirsche, Eiche oder Ahorn, kündigt Rades an.

Wer dem Hobby-Künstler über die Schulter schauen will, sei jedenfalls herzlich willkommen. Aber beim Zuschauen müsse es bleiben, verweist der Kieler auf seine Erfahrung mit Publikum. Oft wollten Interessenten an der Holzdrechselbank des Norddeutschen am liebsten auch selbst Hand anlegen. Dies aber sei unmöglich, weil das Drechseln mit der Nachbaumaschine jede Menge Fingerspitzengefühl und auch Fachwissen verlange.

„Das Wesentliche ist die richtige Schneidhaltung“, erläutert der Hobby-Handwerker. Der Umgang mit Meißel und Röhre, wie die Werkzeuge des Drechslers heißen, müsse erlernt werden. Aus dem Grund könne es für Laien gefährlich sein, mit den spitzen Gerätschaften zu hantieren.

Im Schlepptau mit seiner Fuß-Holzdrechselbank kommt Rades viel herum. So zählte er beim „Norddeutschen Handwerkermarkt“ im Ostseebad Eckernförde (Landkreis Rendsburg-Eckernförde) zu den Attraktionen unter mehr 40 Kunsthandwerk-Ausstellern. Der Kieler hatte sich auf dieser Großveranstaltung von seiner Enkelin Helena begleiten lassen. Bei seiner Stippvisite vor Büttnershofer Trödelmarkt-Publikum am Sonntag sei das Mädchen aber nicht dabei, erklärt der Großvater. Die Enkelin habe keine Zeit.

Als Gastgeber sind auch Bernd und Elke Prüfert gespannt darauf, wie die Holzmaschine beim Publikum ankommt. Im Besitz des Paars befindet sich eine niedliche Mini-Maus, die der ehemalige Nachbar gedrechselt hat.

VON ANTJE MAHRHOLD

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