Lebensgefährtin sagt zu Gunsten eines Angeklagten aus / Richterin Simone Henze-von Staden: „Wie kommt es, dass Sie sich erinnern?“

Brandstiftungsprozess Arneburg-Goldbeck: Richterin hinterfragt Gedächtnis der Lebensgefährtin

Der Eingangsbereich des Stendaler Landgerichts.
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Im Stendaler Landgericht werden weitere Zeugenaussagen zu den Bränden in der Verbandsgemeinde aufgenommen. 
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Der Prozess um die Brandstiftungen in Arneburg-Goldbeck wird fortgesetzt. Die Lebenspartnerin eines Angeklagten hat am Dienstag zu mehreren Bränden erklärt, dass er es nicht gewesen sein könne. 

Arneburg-Goldbeck/Stendal – Der Prozess um die Brandstiftungen, die sich zwischen 2018 und 2020 in der Verbandsgemeinde ereignet haben, ist gestern im Stendaler Landgericht fortgesetzt worden. Unter anderem im Zeugenstand war die Lebensgefährtin eines der Angeklagten. Sie könne bezeugen, dass Z. zumindest zu einigen Zeiten, in denen sich Brände ereigneten, zuhause gewesen sei, erklärte die 31-jährige Verkäuferin. Von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht wolle sie deshalb keinen Gebrauch machen. Während einer der Brände ausbrach, es müsse zwischen 1 und 2 Uhr morgens gewesen sein, habe sie gemeinsam mit ihm auf dem Sofa gelegen und ferngesehen. Genauere Nachfragen der Vorsitzenden Richterin am Landgericht, Simone Henze-von Staden, beispielsweise, was sie denn geguckt hätten, konnte die Zeugin jedoch nicht beantworten. Es sei jedoch nicht ungewöhnlich gewesen, dass sie um diese Zeit noch ferngesehen hätten.

Auch zu dem Brand, der sich in der Nacht zu Heiligabend 2019 ereignet hat, gebe es ein Alibi für den Angeklagten Z. Das Paar habe Besuch von ihrem Bruder bekommen. Es sei viel zu tun gewesen. Auch weil sie rund drei Wochen zuvor begonnen hätten, das Wohnzimmer zu renovieren, berichtet die Zeugin.

„Wie kommt es, dass Sie sich erinnern?“, fragte Henze-von Staden die 31-Jährige. Das könne sie nicht beantworten, erklärte diese. Hätte sie geahnt, was noch auf sie zukommt, hätte sie anders gehandelt und alle drei Minuten ein Foto von sich und ihrem Lebensgefährten gemacht, um seine Anwesenheit zu bezeugen. Deutlich ungenauer war jedoch ihre Erinnerung daran, was ihr Sohn an dem fraglichen Tag gemacht hat. Er habe wohl gespielt oder seine Oma besucht, erklärte sie.

Auch beim Brand am Bootshaus vor dem Jahreswechsel sei Z. die ganze Zeit zuhause gewesen, bis sie abends gemeinsam ins Bett gingen. Ob er dort die ganze Nacht gewesen sei, könne sie jedoch nicht sagen. Das er manchmal abends oder nachts verschwand, sei vorgekommen. Deswegen hätte das Paar auch Streit gehabt. In den meisten Fällen habe sie ihn dann versucht anzurufen, um herauszufinden, wo er ist.

Die 31-Jährige sagten außerdem zu den Beleidigungsvorwürfen gegen ihren Lebensgefährten aus. Er sei ein sehr aufbrausender Mensch. Sie hätten sich von der Familie M. belästigt gefühlt. Diese hätte sie beobachtet, um Z. der Brandstiftung zu überführen. Dabei seien Familienmitglieder teilweise auch nachts mit Schrittgeschwindigkeit am Haus vorbeigefahren. Gekannt habe man sich vorher bereits aus einer Streitigkeit. Dabei hätte Frau M. behauptet, dass die 31-Jährige vor Jahren mit ihrem Mann zusammen gewesen sei. Das stimme nicht, allerdings kenne man sich von früher, erklärte die Zeugin. Einen Rechtsanwalt oder die Polizei einzuschalten hätte das Paar erwogen, sich jedoch dagegen entschieden. Allerdings seien sie mit derartigen Anfragen zuvor bereits gescheitert und hätten die Situation aussitzen wollen.

Aus Sicht der Zeugin M. stellten sich die Vorgänge anders dar. Sie habe sich manchmal in der Nähe des Hauses des Angeklagten aufgehalten, weil ein Freund von ihr in der Nähe gewesen sei, berichtete sie. Vorbeigefahren sei sie mit ortstypischem Tempo 50. Dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Vorkommnissen und den Beleidigungen, die, ihr Mann und ihr Stiefsohn erdulden mussten, habe sie nicht angenommen, erklärte sie. Alle drei wurden per Facebook von einem Fremden angeschrieben, der sie beleidigte. Außerdem erhielt das Paar M. dutzende Anrufe, meistens am späten Abend.

In der Nacht zum 19. Mai 2020 habe sie außerdem mehrere Personen in der Nähe eines Brandortes beobachtet. Zunächst eine dünnere, mittelgroße Person mit hüpfendem Gang. Sie habe das Gesicht zwar nicht sehen können, meinte jedoch, den Gang des Angeklagten R. erkannt zu haben. Wenig später sei eine zweite Gestalt aufgetaucht, die gedrungener war. Beide hätten sich vom Brandort entfernt und in den Schatten gehalten.

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