Nicht alle Geschädigten können auf Versicherung setzen

Brandserie Arneburg: Zeugin bemerkte verdächtiges Auto

Drei Feuerwehrleute löschen einen Brand.
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Bei den Brandereignissen in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck ist ein sechsstelliger Schaden entstanden. Nicht immer sind die Betroffenen versichert.
  • Stefan Hartmann
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Bei der Brandserie in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck ist ein sechsstelliger Schadenswert entstanden. Nicht alle Opfer sind versichert.

Arneburg-Goldbeck/Stendal – Zum dritten Verhandlungstag im Brandstifterprozess im Bereich Arneburg waren viele Zeugen geladen. Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen zwischen 2018 und 2020 in insgesamt 18 Fällen Brände gelegt zu haben. Hinzu kommen Bedrohung und Beleidigung (AZ berichtete).

Die erste geladene Zeugin M. berichtete von einem Erlebnis im März. Sie war gemeinsam mit ihrem Partner von Stendal aus auf dem Weg nach Klein Ellingen, als ihr ein Fahrzeug auffiel. Dieses hatte sie im Wald bemerkt, an einer Stelle, an der sonst wenige unterwegs seien. Sie habe wissen wollen, wer das ist, erklärte die Jägerin im Zeugenstand. In dem Gebiet habe es bereits Probleme mit Wilderei und illegalen Müllablagerungen gegeben.

Dass das im Dunkeln schwer erkennbare Fahrzeug, das vermutlich blau-grünlich gewesen sei, etwas mit den Bränden zu tun haben könnte, sei ihr in diesem Moment nicht in den Sinn gekommen. Da man als Jäger einen gewissen Überblick über die Autos der anderen hätte, wollte sie dem nachgehen. „Unter Jägern weiß man, wer welches Auto fährt“, gab sie an. Für eine gewisse Zeit verlor sie das Fahrzeug, das im Wald auch sein Licht ausschaltete, aus den Augen. Etwas später seien sie und ihr Partner dem Fahrzeug wieder begegnet, als es sie überholte.

Dabei seien zwei Personen erkennbar gewesen, jedoch nicht genau genug, um zu diesen Angaben zu machen. Allerdings habe ihr Partner das Kennzeichen notiert und ihr zugesendet. Die Nachricht stammt von 22.53 Uhr. Die erste Begegnung sei ungefähr fünf bis zehn Minuten vorher gewesen. Kurz darauf sei ihnen dann die Arneburger Feuerwehr entgegengekommen. Erst da habe sie realisiert, dass auch eine Beteiligung am Brandgeschehen möglich sei. So habe es sich auch herausgestellt, dass das Fahrzeug aus Richtung des späteren Brandortes gekommen sei. Deshalb habe sie auch die Polizei informiert.

In mehreren Fällen sind die Geschädigten der Brandserie versichert und haben einen finanziellen Ausgleich für ihre Verluste erhalten. Nicht so bei dem ebenfalls als Zeugen geladenen Z., der vor rund zehn Jahren das alte Fährhaus in Arneburg gekauft hat. In Folge des Brandes, das auch Dachschäden verursacht hat, sei Wasser in das Gebäude eingedrungen. „Ich bin zwar kein Gutachter“, erklärte er, jedoch schätze er, dass man mit weniger als 100 000 Euro die Schäden nicht beheben können werde. Versichert ist das Gebäude nicht gewesen. Eigentlich habe er in diesem, so wie es vorher bereits der Fall gewesen sei, Ferienwohnungen einrichten wollen. Diese Pläne hätten sich mit dem Brand vermutlich zerschlagen.

Zu dem Brandgeschehen konnte er nur wenige Angaben machen. Während des Vorfalls sei er nicht in Deutschland gewesen und habe auch selbst von der Polizei, wegen des laufenden Verfahrens, nur wenige Informationen erhalten. Nachdem er vom Brand erfahren hatte, war er noch einmal in das Haus zurückgekehrt. Ein Teil des Dachstuhles sei eingebrochen und Wasser in die Mauern eingedrungen. „Es ist wohl nicht mehr zu retten“, sagte er.

Der geständige Angeklagte R. machte weitere Angaben zu dem Brand: Sowohl er als auch der andere Angeklagte Z. hätten eine Flasche mit Brandbeschleuniger aus dessen Schuppen mitgenommen. In dem Fährhaus hätten sie dann ein wenig Material gesammelt und angezündet. Von der Aussichtsplattform am Burgberg hätten sie dann die Vorgänge beobachtet.

Für den Zeugen Z. bedeutet die Situation viel Unsicherheit. Gerne hätte er noch Fragen gestellt, wie er später vor der Presse berichtet. Besonders gern hätte er gewusst, ob sich die Brandstiftung gegen ihn persönlich gerichtet hatte. Dazu habe er bisher keine Informationen erhalten und auch im Gerichtssaal bestand für ihn keine Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dass zwei Männer der Tat angeklagt wurden und seither die Brandreihe geendet hat, kann für ihn zumindest eine kleine Beruhigung sein.

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