„Starke Tragfähigkeitsschäden“

Bahnbrücke halb gesperrt: „Lösung so schnell wie möglich“

Bis zu 800 Lkw befahren die aus drei Feldern bestehende Konstruktion am Tag.
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Bis zu 800 Lkw befahren die aus drei Feldern bestehende Konstruktion am Tag.

Chausseehaus Hassel – Jetzt wird es eng: Staugefahr nach Alarm sachkundiger Ingenieure bei Tempo 20 auf der halbgesperrten Bahnbrücke zwischen Chausseehaus Hassel und Stendals Ortsteil Jarchau.

Die Strecke als Teil der Landesstraße 16 ist hochfrequentierter Zubringer zum Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) bei Arneburg – und zugleich Pendelpiste zahlreicher Ostaltmärker. Pro Tag werden dort etwa 800 Lkw gezählt. „Autofahrer müssen sich auf Behinderungen einstellen“, teilt das Magdeburger Verkehrsministerium zum Herbstferienstart mit.

Die Bahnbrücke wurde 1975 im Zuge der Eröffnung der Kernkraftswerksbaustelle bei Arneburg errichtet.

Der Sprecher aus der Landeshauptstadt gibt bekannt, was Arneburgs Bürgermeister bereits Anfang voriger Woche im Verbandsgemeinderat mitgeteilt hat (AZ berichtete). „Wir wissen, was das bedeutet“, hatte Lothar Riedinger (CDU) auf das bevorstehende Nadelöhr hingewiesen. Und sein Amtskollege aus Hassel sorgt sich intensiv um den Erhalt der gerade erst im Sommer eingeweihten Kombi-Radwege. Auf diesen könnte es zum Ausweichverkehr massiv schädigender Art kommen, befürchtet Alf Diedrich (CDU).

Bis auf unbestimmte Zeit müsse sich der Verkehr nach dem Ergebnis einer vor einigen Tagen erfolgten Sonderprüfung den Lichtzeichen einer Ampel ergeben. Grund sei, dass die Brücke „starke Tragfähigkeitsschäden“ aufweise. Deswegen habe „kurzfristig“ gehandelt werden müssen, um eine „verkehrliche Entlastung“ des Bauwerks zu ermöglichen, wie Ministeriumssprecher Peter Mennicke erläutert. Demnach sei es derzeit nur mit einer halbseitigen Sperrung möglich, „die Brücke weiter nutzen zu können“. Der Verkehr werde über die Mitte des Bauwerks geführt, das Höchsttempo innerhalb dieses Sonderbereiches werde auf maximal 20 Stundenkilometer reduziert.

Den Angaben des Sprechers zufolge seien derzeit „Abstimmungen“ zwischen der Landesstraßenbaubehörde und der Bahn AG in Gange. Ziel dieser Gespräche sei es, den bereits seit längerer Zeit geplanten Ersatzbau „so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen“. Die vom Ministeriumsverantwortlichen als „geplante technische Lösung“ bezeichnete Neukonstruktion braucht allerdings eine Umleitung, über den Verlauf ebenfalls seit geraumer Zeit gestritten wird. Anfang des Jahres startete die Gemeinde Hassel deswegen eine eigenfinanzierte Protestplakataktion.

Schon seit eineinhalb Jahren ist bekannt, dass die neue Brücke mindestens eine Million Euro kosten wird. Sie soll die 1975 im Zuge der Eröffnung der Kernkraftwerksbaustelle errichtete Überführung über die Bahnstrecke 6426 von Borstel nach Niedergörne ersetzen. Das Altbauwerk hatte nach Ministeriumsangaben zuletzt die Zustandsnote 3,5 erreicht, womit Brückeninspektoren einen „ungenügenden Bauwerkszustand“ diagnostizieren. Amtlich bekannt sind Fugenschäden, freiliegende Bewehrungen durch Abplatzungen im Deckbeton sowie Risse in den Fertigteilen. Die aus drei Feldern bestehende Altbrücke soll durch ein einfeldriges Rahmenbauwerk verkleinernd ersetzt werden. Bei den Arbeiten, die mindestens voraussichtlich ein halbes Jahr dauern, sollen die Widerlager als Parallelbau entstehen und Fertigteile verbaut werden. Damit soll die Bauzeit möglichst kurz gehalten werden, hatten Verantwortliche zuletzt mitgeteilt. Der Beginn des Baus der neuen Bahnbrücke zwischen Chausseehaus Hassel und Jarchau war Magdeburger Verkehrsministerium erst vor wenigen Tagen als „frühestens im Jahr 2022 möglich“ angekündigt worden (AZ berichtete). VON ANTJE MAHRHOLD

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