Feuerwehr Arneburg

Rache für viele kleine Gemeinheiten

Ein bunt verkleideter Mann zieht den einem Kinderfeuerwehrauto nachempfundenen Handwagen vor einer Gruppe feiernder Menschen.
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In Erwartung der Dinge, die da kommen, zieht „Sippi“ im Minikleid das Ausbildungsfahrzeug der „Löschräuber“ zum Rathaus.
  • VonUte Krug
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Wer 30 Jahre alt wird und noch nicht verheiratet ist, der muss die Rathaustreppe fegen, so will es die Tradition. Ein paar Eimer voller Kronkorken hat man sicher schnell aufgefegt. Das dachte sich Sebastian Sippert aus Arneburg auch, als er am Sonnabend von seinen Feuerwehrkameraden zu Hause abgeholt wurde.

Radlader übergießt Rathaustreppe mit Kronkorken.

Arneburg – „Wer austeilt muss auch einstecken können. Das ist die Gelegenheit, um dem stellvertretenden Stadtwehrleiter der Elbestadt ein paar Gemeinheiten zurückzuzahlen“, dachten sich Freunde und Kameraden der Feuerwehr. Viele Wochen zuvor hatten sich Freunde, Familie und Brandschützer zusammengetan, um dem jungen Mann einen unvergesslichen Tag zu bescheren. Im Feuerwehrdomizil an der Ellinger Chaussee wurde „Sippi“, wie er von allen liebevoll genannt wird, geschminkt, in ein Minikleid und Strumpfhose gesteckt. Mit Perücke und Sonnenbrille gestylt, zog er das Ausbildungsfahrzeug der Arneburger Löschräuber zum Rathaus. Vater Thomas, federführend für die Aktion vor dem Arneburger Rathaus zuständig, organisierte einen Radlader, die Mulde vollgeladen mit Kronkorken. Die Rathaustreppe wurde mit den unzähligen Metalldeckeln förmlich übergossen. Um die Deckel noch etwas zu verteilen, latschten Freunde und Kameraden noch einmal durch den klirrenden Metallberg. Hämisch grinsend prosteten sich die Initiatoren anschließend zu, warfen Nachschub Richtung Treppe und genossen ihre Rache.

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde: Kaum hatte das Geburtstagskind die Kronkorken zusammengefegt, kamen „böse Beine“ und schoben sie wieder auseinander.

Mit einer Zahnbürste bewaffnet durfte sich Sebastian ans Fegen machen. Alternativ gab es in Abständen einen Pinsel, Kinder-Kehrblech oder einen Schrubber mit wenig Borsten. Der 30-Jährige bewachte zwei Bananenkisten voller Kronkorken auf der Rathaustreppe, doch seine Freunde hatten kein Erbarmen. Sie zogen ihn von seinem Papp-Thron und alle Deckel klirrten erneut zu Boden. Und so fegte „Sippi“ weiter und weiter und weiter. Erst als der Jubilar die unterste Stufe erreicht hatte, erbarmte sich eine kleine Jungfrau des bereits erschöpften Fegers. Nach kurzer Verhandlung erlöste seine Tochter Emily ihn mit einem Kuss auf die Wange. Um die spätere Feier nicht zu gefährden, halfen alle Freunde und Kameraden mit, die Rathaustreppe von den Kronkorken zu befreien. Von seiner Verlobten Sarah erfuhr die AZ, dass bereits im kommenden Jahr die Hochzeitsglocken läuten werden.

Sebastian Sippert fegt mit Zahnbürste und Pinsel den Gehweg vor dem Rathaus, sammelt in Eimern die Deckel.

Der Brauch des Treppenfegens, um 1890 erstmals erwähnt, stammt eigentlich aus Bremen. Seit den 1950er-Jahren verbreitete er sich und ist heute in ganz Norddeutschland und sogar in Barcelona, Boston und Birmingham zu finden.

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