Letzter Strommeister hat Hafenhistorie verfasst / 60 Zentimeter Kerneis vor 22 Jahren

Arneburger Kleinod feiert Jubiläum

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Wenn die Fähre pausiert, dient der Hafen zu Füßen des Burgbergs dem Verkehrsmittel als Winterquartier. Das ausgebaute Hafenbecken kann von Schiffen mit einem Tiefgang von bis zu 1,40 Meter gefahrlos genutzt werden. Das Areal war auch der Heimathafen für Eisbrecher.

Arneburg. „Da braucht man ganz viel Zeit“, sagt der letzte Strommeister von Arneburg. Alfred Pichottki liegt die Historie des Hafens der Elbestadt ganz besonders am Herzen und deshalb weiß er auch, dass die Anlegestelle für Boote, Yachten und Schlepper in diesem Jahr ihrem 40-jährigen Bestehen entgegensieht.

Seit 2004 verfügt der Arneburger Hafen über 50 Liegeplätze. Der Sportboothafen zählt zuletzt rund 190 Besucher pro Saison.

Weil all die Ereignisse am grünen Strom zwar kaum in knappen Worten zu schildern seien, aber nicht verloren gehen sollen, hat der Arneburger die Geschichte des maritimen Kleinods zu Füßen des Burgbergs inmitten der Elbaue literarisch verarbeitet. Pichottkis Hafen-Bericht wird Teil der Neuauflage des ersten Bandes der Buchreihe „Wissen der Region“ des Kulturfördervereins „Östliche Altmark“, der die Vergangenheit, aber auch ein Stück weit die Moderne der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck aufschlussreich und unterhaltsam vorstellt. Für den Erfolg der Neuauflage hat sich Pichottki bei der Lesereihe im vorigen Jahr maßgeblich um Spendengeld eingesetzt. Der Arneburger hatte dafür sogar ein fröhliches Sparschweinchen zur Verfügung gestellt.

Auch die Petrijünger kommen am westlichen Ufer des grünen Stroms in idyllischer Umgebung auf ihre Kosten.

Und auch mit seinem Wissen über Eisbrecher kann der einstige Strommeister Bände füllen. Pichottki war bis zum Jahr 1999 in seinem Beruf tätig, hatte den Verkehr auf dem Fluss überwacht, er nahm die Buhnen unter die Lupe und er kontrollierte die Wasserstände. Als einer der größten Einsätze eines Eisbrechers namens „Bär“, dessen Heimathafen Arneburg gewesen ist, ist im Winter 1996 in die Statistik eingegangen. Damals war die Elbe komplett zugefroren. Nötig war seinerzeit der Einsatz einer größeren Flotte, die nicht nur in der Elbe das Eis brach, sondern mit Hilfe von weiteren Spezialschiffen auch den Mittellandkanal wieder freigelegt hatte. Bis zu 60 Zentimeter Kerneis hatten in der Frostperiode vor 22 Jahren geherrscht.

Alfred Pichottki

Fernab vom gefrorenen Nass der Elbe zieht der Fluss besonders aber in den wärmeren Jahreszeiten Wassersportler und Freizeitkapitäne in den Bann. Mit der Eröffnung des Sportboothafens vor bald 14 Jahren nahm das maritime Treiben am westlichen Ufer kräftig Fahrt auf. Seitdem verfügt das Areal über 40 Liegeplätze und der nötigen Infrastruktur für die Bootseigner. Sie können zu Füßen der historischen Burganlage und der im April 2015 eröffneten Aussichtsplattform ihre Wasserfahrzeuge auftanken und das Schmutzwasser mittels Absauganlage von Bord befördern. Die Einfahrt im ausgebauten Hafenbecken ist für Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 1,40 Meter gefahrlos bis zum Anleger möglich.

Knapp die Hälfte der Liegeplätze war zuletzt dauerhaft vergeben. Die Zahl der Besucher im Sportboothafen lag in den vergangenen Jahren bei etwa 190 pro Saison. Die Wiese neben dem Sportboothafen wird nicht nur von Schiffsbesitzern, sondern auch von Gästen mit Wohnmobil sowie von Radtouristen genutzt. Camper schätzen den Platz als einen der idyllischsten an der Elbe, hört das Arneburger Hafenteam immer wieder.

All das hört der letzte Strommeister der Elbestadt gern. Alfred Pichottki wurde 1938 in Groß Rüppertswalde in Ostpreußen geboren. Er betreute von 1975 an einen Streckenabschnitt über 30 Kilometer – und zwar ohne moderne Technik, wie Funk oder Telefon. Es mussten Schifffahrtsorientierungen für Lastkähne gesetzt werden, und der durchgängige Schiffsverkehr musste bei Niedrigwasser genauso organisiert werden wie bei Hochwasser und Eisgang – wofür bekanntlich die Eisbrecher im Einsatz waren. „Dieses Thema populärer machen“, darum kämpft Pichottki seit Jahren – denn von der Elbe kann der Mann einfach nicht lassen.

Von Antje Mahrhold

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