Angeklage widersprechen sich

Arneburger Brandserie: Prozessauftakt im Landgericht

Die beiden Angeklagten im Prozess um die Brandserie in der Verbandsgemeinde Arneburg sitzen mit ihrern Verteidigern im Gerichtsaal.
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Im Gerichtssaal sitzen die beiden Angeklagten nebeneinander. Während Z. (l.) die Tatvorwürfe zur Brandstiftung bestreitet, gibt R. einen Teil davon zu – und belastet Z., in mehreren Fällen beteiligt gewesen zu sein oder sogar alleine gehandelt zu haben.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Über zwei Jahre erstreckte sich die Brandserie in der Verbandsgemeinde. Gestern standen die beiden Beschuldigten vor Gericht. Während einer die Taten zugibt, weist der andere die Schuld von sich.

Arneburg-Goldbeck/Stendal – Von 2018 bis 2020 zog sich die Brandserie quer durch die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Beschuldigt und seit gestern vor dem Landgericht Stendal angeklagt sind zwei Männer aus Arneburg. Während der Beschuldigte Z., Jahrgang 1986, die Brandstiftungsvorwürfe von sich weist, gibt der mutmaßliche Täter R., Jahrgang 1989, die Vorwürfe per Einlassung, die von seiner Rechtsanwältin Heidrun Ahlfeld verlesen wurde, zu. Allerdings sei er nicht in allen Fällen, die von der Staatsanwaltschaft dargelegt wurden, der Täter gewesen. In einigen Fällen habe Z. alleine oder gemeinsam mit ihm gehandelt.

Es nimmt einige Zeit in Anspruch, bis die Staatsanwältin alle Vorwürfe formuliert hat. In 19 Punkten wird den Angeklagten vorgeworfen, mehrere Brände gelegt zu haben. Opfer der Flammen wurden dabei landwirtschaftliche Einrichtungen und Erzeugnisse, meist Strohballen und -mieten, Häuser und Waldstücke. Außerdem werden die Angeklagten des Diebstahls und Einbruchs beschuldigt. Nur Z. muss sich zusätzlich wegen Beleidigung und Bedrohung verantworten. Diesen Vorwurf gab er per Einlassung auch zu. Privatleute hätten gegen ihn „ermittelt“, um ihm die Brandstiftungen, an denen er nicht beteiligt gewesen sei, nachzuweisen. Gegen diese habe er sich telefonisch und über die sozialen Medien teils mit Beschimpfungen gewehrt. „Dass er dabei umgangssprachlich übers Ziel hinausgeschossen ist, sieht er ein“, erklärte seine Rechtsanwältin Sarah Eggestein. Dafür entschuldige er sich. Auch den Vorwurf des Diebstahls aus einem Bootsschuppen räumte er ein. Mit der darauf folgenden Brandstiftung habe Z. jedoch nichts zu tun.

Seinen Mitangeklagten R. kenne er bereits seit Kindheitstagen. In der vergangenen Zeit habe dieser sich jedoch stark verändert und die Freundschaft darunter gelitten. Zuvor hatten sie regelmäßig gemeinsam getrunken und Drogen, Marihuana und Crystal Meth, konsumiert. Auch seien sie abends gemeinsam in seinem Firmenwagen oder auch mal mit dem Fahrrad herumgefahren. Manchmal sei R. teilweise spätabends verschwitzt mit dem Fahrrad auf Z.s Grundstück aufgetaucht, wobei er sich gefragt hätte, woher R. gekommen sei. Ob dieser mit den Bränden etwas zu tun habe, könne er nicht sagen: Das entziehe sich seiner Kenntnis. Sehrwohl hätten sie jedoch in einigen Fällen die Löscharbeiten beobachtet. Außerdem habe er einige der Brände auch der Feuerwehr gemeldet. Das hätte er wohl nicht getan, wenn er die Feuer selbst gelegt hätte, erklärte seine Rechtsanwältin.

Aus R.s Perspektive stellen sich die jüngeren Vorgänge ganz anders dar. Die beiden Beschuldigten kennen sich seit schätzungsweise 25 oder 30 Jahren. Als R.s Freundin Schluss machte, habe für ihn eine schwierige Zeit begonnen. Öfter habe er sich mit Z. getroffen, gemeinsam getrunken und Drogen konsumiert. Er wolle jetzt, so wie auch bei seiner polizeilichen Vernehmung, aufrichtig sein. Eigentlich hätten die beiden Tatverdächtigen Verschwiegenheit vereinbart, aber die Zeit in der Haft habe ihn zum Nachdenken gebracht.

Recht detailliert ging seine Rechtsanwältin auf die 19 verschiedenen Vorwürfe ein. Teilweise erklärte R. seine alleinige Schuld, in anderen Fällen eine gemeinsame oder alleinige bei Z. Beispielsweise im Falle eines Strohballenbrandes habe er alleine gehandelt, während R. ebenso wie eine weitere Person im Auto gewesen sei. „Der hat nichts damit zu tun“, stellte Ahlfeld zum Dritten fest.

Auseinander gingen die Darstellungen unter anderem bei dem Diebstahlsvorwurf. Während beide Beschuldigten erklärten, dass sie eingebrochen waren, um sich zu bereichern, sagte R., dass Z. ihm später berichtet habe, dass er das Bootshaus angezündet habe, um Spuren zu verwischen.

Simone Henze-von Staden, Vorsitzende Richterin am Landgericht, stellte mehrere Fragen an den Beschuldigten Z. Wie oft und wie lange die beiden gemeinsam getrunken und dann noch unterwegs gewesen seien, konnte dieser nur schwer eingrenzen. Teilweise zweimal pro Woche, erklärte er jedoch. Zu vielen Fragen sagte er jedoch nur, dass er es nicht wisse oder nicht erklären könne. So unter anderem, wieso die beiden überhaupt unter Drogeneinfluss herumgefahren seien und wessen Idee das war.

Auch wieso ein kurzer Jobverlust mit zügiger Neuanstellung zu einem Jahr des Drogenkonsums führte. Eines konnte der Beschuldigte Z. jedoch beantworten: Ob er wusste, dass in dem Firmenwagen, mit dem sie unterwegs waren, ein GPS-Peilgerät eingebaut war. Ja, er habe versucht, es auszubauen.

Wieso er dies tun wollte, beantwortete er nach Ansicht der Richterin jedoch nicht schlüssig. Dass „andere Kollegen dies auch getan hätten“, sah sie nicht als befriedigende Erklärung an. „Das ist doch keine Rechtfertigung. Wieso haben Sie das gemacht?“, fragte sie. „Weiß nicht“, antwortete Z. der Richterin.

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