790 Grabsteine in Verbandsgemeinde überprüft: 82 Prozent bestehen den Test

Arneburg-Goldbeck: Grabsteine stehen überwiegend sicher

Ein angekippter Grabstein. Der Verbindungsdübel fehlt.
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Mangelnde Standfestigkeit von Grabsteinen kann am Alter der Grabstelle liegen. In einigen Fällen fehlen jedoch einfache kritische Bauteile wie der Metalldübel. Fotos: Hartmann
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    vonStefan Hartmann
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Grabsteine müssen sicher stehen, sonst können sie in unglücklichen Fällen eine Gefahr darstellen. Vergangene Woche wurden die in der Verbandsgemeinde getestet – nicht alle konnten dabei überzeugen

Arneburg-Goldbeck – Vorsichtig geht Standfestigkeitsprüfer Björn Neumann über die Trittsteine einer Grabstelle und bringt sein Gerät in Stellung. Schnell sind die Gumminoppen am Grabstein in Position und einige Tastendrücke später kann es losgehen. Vorsichtig schiebt er mit dem Gestänge gegen den Stein – nach kurzer Zeit fängt der Apparat an zu piepen – ein nicht standsicherer Grabstein ist gefunden.

Bis zu 30 Kilogramm bringt Björn Neumann gegen den Stein auf. Aushalten müsste er 75 Kilogramm.

Zum ersten Mal wurden die Grabsteine auf den kommunalen Friedhöfen der Verbandsgemeinde in der vergangenen Woche auf ihre Standfestigkeit geprüft. Die Maßnahme ist aufgrund der Unfallverhütungsvorschrift nicht nur eine fixe Idee, sondern absolut notwendig. Schwere Un- oder sogar Todesfälle an unsicheren Grabstellen sind zwar eher selten, kommen aber vor, wie Neumann erklärt. Relevanter seien meistens Sachbeschädigungen, die von fallenden Steinen ausgelöst werden. Dabei müssten es keine schweren Stürme sein: Wenn ein Stein nicht mehr fest ist, können schon leichtere Belastungen ausreichen, um ihn umzustoßen. Beispielsweise wenn eine Person eine Grabstelle pflegt und sich danach, um wieder aufzustehen, an dem Grabstein abstützt. Schon wenn dieser nur nach hinten kippt und dabei die Dekoration eines anderen Grabes beschädigt oder sogar einen Grabstein zerschlägt, könne das schnell teuer werden.

Normalerweise müsste ein Grabstein einem Druck von 750 Newton, also 75 Kilogramm, standhalten. Getestet wird mit 300 Newton – nicht mal der Hälfte. Dass die Grabmähler trotzdem wackeln oder sogar komplett lose sind, kann mehrere Gründe haben. Teilweise ist es das Alter. Nach Jahrzehnten können auch hochwertige Steinkleber von der Witterung zerstört werden. In einigen Fällen steckt jedoch Nachlässigkeit oder sogar Absicht dahinter. Neben Kleber müssen Steine auch mit einem Metalldübel gesichert werden. An einigen Grabstellen fehlt dieser jedoch. Dass er sich, selbst nach vielen Jahren, rückstandsfrei auflöst, sei ausgeschlossen. Er wurde also entweder vergessen einzubauen oder aus Kostengründen weggelassen.

Rund 18 Prozent der Grabsteine in der Verbandsgemeinde sind nicht standsicher.

Insgesamt rund 790 Grabsteine wurden bei der Aktion in der Verbandsgemeinde überprüft, informiert Frau Aßmuß aus dem Einwohnermeldeamt. „Bei rund 82 Prozent der geprüften Steine wurde die Standfestigkeit bestätigt“, stellt sie fest. Wer nun einen grünen oder sogar roten Aufkleber auf einem Grabstein findet, sollte tätig werden. Sonst könnten im Schadenfall Kosten entstehen. Probleme an neueren Steinen könnten ein Garantiefall sein: Bis zu fünf Jahre haftet der Steinmetz bei Problemen, erklärt Neumann. Reparaturen sollten vom Fachmann und natürlich mit Rechnungsbeleg gemacht werden. Damit im Schadenfall alles nachweisbar ist.

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