Kur für maritimen Anlandebereich soll mindestens 364 000 Euro kosten

Arneburg: Gierseil braucht die andere Seite

Handlungsbedarf am Anleger: Weil Arneburgs Gierseilfähre wegen Hochwasser pausiert, hat das Gütermotorschiff „Rosa Paula“ Mittwochmittag freie Fahrt.
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Handlungsbedarf am Anleger: Weil Arneburgs Gierseilfähre wegen Hochwasser pausiert, hat das Gütermotorschiff „Rosa Paula“ Mittwochmittag freie Fahrt.

Arneburg – „Das kannst du doch keinem erzählen“, versteht Fährmann Frank Schumacher angesichts derartiger Kostendimensionen die Welt nicht mehr.

Dass für 20 Zentimeter Beton auf einer Länge von etwa elf Metern sechsstellige Beträge verlangt würden, könne der elbstädtische Gierseil-Kapitän nicht nachvollziehen, raunt er als Mitglied der Stadtratsfraktion Bürgerinitiative Arneburg (BI A) am Dienstagabend kopfschüttelnd in die Runde, als im Sitzungssaal an der Breiten Straße der Finanz- und der Hauptausschuss geplante Großvorhaben bespricht.

„Müssen uns einig werden“

Beim Blick auf das künftige Investitionsgeschehen steht auch die Sanierung des Fähranlegers auf der Agenda. „Wir müssen uns erst mal einig werden“, richtet Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU) in diesem Zusammenhang dann auch den Blick nach Osten, weil angesichts der immensen Kosten „Gespräche mit der anderen Seite“ am Fluss dringend angezeigt seien. Laut einer aktuellen Kalkulation soll die Herrichtung des maritimen Anlandebereichs für die zwischen Arneburg und Neuermark-Lübars pendelnde Fähre allein am westlichen Ufer rund 102 000 Euro kosten. Wesentlich teurer werden die Arbeiten auf ostelbischer Seite. Es sei auch „ein Stück Straße“ nötig, weshalb dort weitere rund 195 000 Euro ausgegeben werden müssten. Hinzu kommen Kosten für die Planung, welche mit etwa 67 000 Euro zu Buche schlagen, wie das Doppelgremium erstaunt zur Kenntnis nehmen musste.

Ob Ausgaben in dieser Höhe überhaupt finanzierbar sind, müsse der Stadtrat erst noch entscheiden, zumal der Bürgermeister darauf verweist, dass bereits in knapp drei Jahren für das aus 1975 stammende Schiff wieder eine Landrevision fällig sei. Die Generalreparatur werde deutlich teurer als die letzte, weiß Arneburgs Fährmann.

Anders als die Schiffe der Nachbarschaft in Sandau und Werben verfügt die Arneburger Fähre nicht über den Status, ein sogenanntes straßenverbindendes Verkehrsmittel zu sein. Damit profitiert sie auch nicht von den derzeit durch Land und Landkreis geplanten Verbesserungen für die Finanzierung maritimer Kommunaltechnik.

Bundesprogramm „Blaues Band“

Fördergeld aus einem Tourismustopf der Investitionsbank komme auch nicht in Frage, weil mit dem Schiff „auch normaler Verkehr“ fließt, hören die Ausschussmitglieder von Eigenbetriebschef Kay Lindemann. Womöglich sei eine Unterstützung durch das Bundesprogramm „Blaues Band“ möglich, wollen die Verantwortlichen prüfen.

Aktuell ruht der Betrieb an Bord – wegen Hochwasser. So hat das Gütermotorschiff „Rosa Paula““ am Mittwochmittag freie Fahrt. Als das unter deutscher Flagge fahrende Transporter den Arneburger Fähranleger passiert, hat die Crew beste Sicht auch auf den etwa zwei Kilometer entfernt liegenden Ort Neuermark-Lübars, der ein Ortsteil von Klietz ist. In Klietz befindet sich wegen Bauarbeiten in der Sandauer Nebenstelle derzeit der Dienstsitz des Bauamts der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land, wo Ulf Wabbel sein Büro hat. Mit dem Amtsleiter jedenfalls wollen sich die Arneburger über die geplante Herrichtung des Fähranlegers alsbald näher abstimmen. Erste positive Signale für eine Beteiligung an den Kosten habe es vom anderen Ufer bereits gegeben, teilt Lindemann mit.

Jubiläum im Corona-Jahr

Die Arneburger Fähre hätte mitten im Corona-Jahr Jubiläum feiern können, da sie um 1420 erstmals urkundlich erwähnt worden ist. Vor sechs Jahrhunderten verkehrte eine Vorgängerin noch von der Rosspforte aus, ist in den Annalen der Stadt nachzulesen. In der Chronik der Gierseilfähre steht auch, dass im Jahr 1932 eine neugebaute Fähre in Dienst gestellt worden ist. Diese war fast 20 Meter lang und etwa viereinhalb Meter breit. Ihr Tiefgang betrug rund einen halben Meter.

Das bis heute auf der Elbe schippernde Gierseil-Exemplar ist bereits im 46. Dienstjahr auf der Elbe im Einsatz – für Berufspendler und Altmarkgäste genauso wie für Naturfans, Ausflügler und Elberadwegtouristen.

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