Kritik gegen neuen B-Plan für IGPA / Planungsverband tagt / BI debattiert

„Die Altmark wird keine Industrieregion werden“

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Die Großfabrik vor den Toren Arneburgs ist im Sommer 2004 ans Netz gegangen. Die Chefs der modernsten Markfaserzellstoff-Produktionsstätte in Mitteleuropa setzen auf eine „fortwährende Entwicklung“, um knapp 600 Arbeitsplätze zu sichern.

Arneburg. Knapp ein Jahr nach dem Protest gegen den Bau eines Müllheizkraftwerks im Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) befasst sich der Planungsverband am Donnerstag mit Kritik von der Basis.

Auf 92 DIN-A4-Blättern hat das in Berlin und Magdeburg ansässige Stadtplanungsbüro Westermann und Wallraf im Zuge der sechsten Änderung des Bebauungsplans für den größten Industrie- und Gewerbepark Sachsen-Anhalts alle von Februar bis März 2017 bei der Verbandsgemeinde eingereichten Einwände aufgelistet und bewertet. Die Sorgen der Bevölkerung kommen dabei nicht nur von Unterzeichnern aus Arneburg-Goldbeck, sondern auch von Privatpersonen und Unternehmern in Ostelbien, Tangermünde, Tangerhütte, der Westaltmark sowie Hannover und Berlin.

„Die Altmark ist keine Industrieregion und wird aufgrund ihrer Struktur auch keine werden“, glaubt darin ein Diplom-Bauingenieur aus Sanne. Nach Auffassung des Planungsbüros soll mit dem neuen B-Plan „eine industrielle Verwertung von Siedlungsmüll“ untersagt sein, wenn dieser „nicht aus den Trägergemeinden des Planungsverbands stammt“. Untersagt sein soll weiterhin die Verwertung von Sondermüll und toxischen Rückständen, die nicht aus den Produktionsanlagen vor Ort stammen. So könne auch eine weitergehende Einschränkung der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen nicht befürwortet werden, „da sie in die rechtsverbindlich genehmigten Produktionskreisläufe der bereits angesiedelten Unternehmen eingreifen“, empfiehlt das Planungsbüro. So sei die Nachnutzung von Industrieabfällen aus der eigenen Produktion vor Ort zur Energiegewinnung „zulässig und unter Nachhaltigkeitsaspekten sinnvoll“, listen die Planer auf.

Auch die Chefs der modernsten Markfaserzellstoff-Fabrik in Mitteleuropa haben sich in die Anhörung eingebracht. „Die Produktion und der Erhalt der damit verbundenen Arbeitsplätze sind auf eine fortwährende Entwicklung des Standorts und seiner Einrichtungen angewiesen“, teilt die Führungsspitze des Großbetriebs mit. So hat der Planungsverband, der unter Führung des Hohenberg-Krusemarkers Bürgermeisters Dirk Kautz tagt, am 25. Januar, ab 19 Uhr im Sitzungssaal in Arneburg viel zu entscheiden. Drei Tage später debattiert die Bürgerinitiative „Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg“ am 28. Januar, 15 Uhr, im Naturfreundehaus Ferchels/Schollene „Neues aus der Sitzung des Planungsverbandes IGPA“.

Von Antje Mahrhold

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