Verbandsgemeinde kürzt Betreuungszeit

„Akuter Personalausfall“: Krankheitswelle in Klein Schwechten

Vorerst bis Freitag verkürzt offen ist die Tagesstätte „Wichtelhausen“. Zweieinhalb Stunden weniger am Tag seie „die einzig machbare Lösung“. 
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Vorerst bis Freitag verkürzt offen ist die Tagesstätte „Wichtelhausen“. Zweieinhalb Stunden weniger am Tag seie „die einzig machbare Lösung“.

Klein Schwechten – Erstmals in der Geschichte Arneburg-Goldbecks streicht die Verbandsgemeinde-Verwaltung krankheitsbedingt die Öffnungszeit in einer Kindertagesstätte zusammen. Betroffen sind Schützlinge und Familien der Einrichtung „Wichtelhausen“ in Klein Schwechten.

Dort gibt es seit Dienstag kurz nach Ende der Winterferien wegen „akuten krankheitsbedingten Personalausfällen“ zweieinhalb Stunden weniger Betreuung am Tag.

Die Regelung gilt laut einer Mitteilung vorerst insgesamt vier Werktage – bis Freitag, 21.  Februar. Die Information, die die Verbandsgemeinde auf der Startseite ihres Internetauftritts www. arneburg-goldbeck. de unter dem Titel „Geänderte Öffnungszeiten Kita“ veröffentlicht hat, ist von Sachgebietsleiter Ronny Gabel im Namen des Fachdienstes „Steuerungsunterstützung“ unterzeichnet worden.

Der Entschluss, den Betreuungsort von – laut Betriebserlaubnis – 15 Krippen-, 22 Kindergarten- und zehn Hortkindern „vorübergehend“ statt morgens um 6 erst um 7 Uhr zu öffnen, sei für die Verbandsgemeinde „die einzig machbare Lösung“. Nur so könne eine Betreuung „Ihrer Kinder“ überhaupt abgesichert werden, bittet der Verantwortliche betroffene Familien um Verständnis.

Statt wie bislang um 17 Uhr müssen die Mädchen und Jungen der Klein Schwechtener Einrichtung während der krankheitsbedingten Kurzöffnungszeit bereits spätestens 15.30 Uhr abgeholt werden – was vor allem für berufstätige Eltern eine große Schwierigkeit darstellen dürfte. Nach Angaben des Sachgebietsleiters sei der aktuelle Krankenstand derart akut, dass er auch nicht durch „Personalgestellungen“ aus anderen Einrichtungen „aufgefangen“ werden könne.

Über die seit Dienstagmorgen geltende „Kurzarbeit“ im Domizil von Leiterin Carola Tausch habe der Verantwortliche am Montagabend auch Klein Schwechtens einstige Ortsbürgermeisterin in Kenntnis gesetzt. Man könne sich neue Erzieher „nicht aus den Rippen schneiden“, habe Gabel am Telefon erklärt, berichtet Gabriele Andert am Dienstagmittag auf AZ-Anfrage. Die Vize-Bürgermeisterin des zur Gemeinde Rochau zählenden Ortes könne nachempfinden, welche Probleme der um eine Stunde spätere Betreuungsbeginn und die um eineinhalb Stunden frühere Schließzeit für viele Familien mit sich bringe. Die Einrichtung wird auch von Kindern aus Häsewig, Ziegenhagen, Rochau, Petersmark, Groß Schwechten und Goldbeck sowie aus Osterburg, Polkau und Stendal genutzt.

In den neun Kindertagesstätten des Gebiets hatte zuletzt zu Jahresbeginn 2018 akuter Personalmangel wegen einer Grippewelle geherrscht. Daraufhin war ein sogenanntes Tandem-System eingeführt worden, das eine Abstimmung des Personalaustauschs „auf kurzem Weg“ zwischen den Leiterinnen jeweils zweier Kindertagesstätten beinhalte. Das System habe sich „gut bewährt“, erklärte Verbandsgemeinde-Bürgermeister Renè Schernikau (parteilos) Anfang Januar. Viele Personalengpässe seien durch die Leiterinnen „bereits im Vorfeld“ „unbürokratisch“ gelöst worden.

Nur durch einen „hohen persönlichen Einsatz aller Erzieherinnen“ sei 2019 die Betreuung der rund 330 Mädchen und Jungen in den Kitas sowie der etwa 180 Erst- bis Viertklässler in den drei Horten abgesichert worden. Für 2020 gelte es, „die Überstunden weiter abzubauen“, kündigte Schernikau an. Es werde „immer schwieriger“, gut ausgebildete Erzieher zu gewinnen. Die Situation werde maßgeblich durch die „Ausschreibungsgestaltung des Bildungsministeriums“ für Pädagogische Mitarbeiter in den Schulen belastet. „Hier kann schon der Eindruck aufkommen, dass gezielt Kolleginnen aus den Einrichtungen der Kommunen abgeworben werden sollen“, bedankte sich der Möllendorfer ausdrücklich bei den „für die Koordinierung des Personaleinsatzes zuständigen Mitarbeiterinnen“ Nicole Ehrenberg, Kathleen Stamm und Juliane Stamm.

Große Hoffnung setzt der Verbandsgemeinde-Bürgermeister auch in ein neues Computerprogramm. Diese „Kita-Verwaltungssoftware“ sei für 2020 geplant. Es handele sich um ein „wesentliches Projekt“, weil damit ein „effizienteres Vertragsmanagement zwischen Eltern und Verwaltung“ möglich sei. Auch sei das Programm in der Lage, die personelle Belastung durch „immer mehr ausufernde Anforderungen“ wegen statistischen Meldungen an das Land und Landkreis „in den Griff zu bekommen“. Außerdem ermögliche es, eine „schnelle und datenschutzkonforme Kommunikation mit den Eltern“.

VON ANTJE MAHRHOLD

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