Arendsee hat die ersten Stolpersteine zur Erinnerung und Mahnung verlegt

Zwei Messingplatten gegen das Vergessen

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Gunther Demnig (r.) beim Verlegen der beiden kubischen Betonsteine. Mit dabei sind Uwe Niemtschke vom Wirtschaftshof (l.) und Bauamtsleiter Gert Reckling als Vertreter der Verwaltung.

Arendsee. Arendsee ist seit gestern der 857. Ort, in dem mit so genannten Stolpersteinen an deportierte jüdische Bürger erinnert wird.

Zwei kleine Messingplatten, mit einem Betonblock in den Gehweg eingelassen, erinnern ab sofort vor der Polizeistation an Julius und Siegmund Rosenstein, die 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1943 83- bzw. 62-jährig dort umkamen.

Uwe Schlage aus Arendsee war der Initiator des Gedenkens, hatte recherchiert und die Ehefrau eines Neffen der beiden Deportierten in Verona besucht. Ihr Mann Tullio, vor zwei Jahren verstorben, hatte das Gebäude nach der Wende zurück erhalten und an die Volksbank verkauft, so Schlage gestern während des Gedenkens. Ein Brief der Frau, Bronislawa Rosenstein, wurde gestern von Schlages Enkel Theodor verlesen. Darin heißt es unter anderem: „Besonders für die Jugend sind diese Stolpersteine Mahnung für ihre Gegenwart und ihre Zukunft.“

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Er selbst war es gestern, der die beiden Steine mit Hilfe von Mitarbeitern des Wirtschaftshofes verlegte. Schlage bedankte sich bei den Sponsoren, bei der Stadt und der Volksbank für ihr Verständnis, die Steine vor dem Gebäude verlegen zu dürfen. Nicht alle Kommunen hätten so einem Projekt zugestimmt – unter anderem die Stadt München nicht.

Von Harry Güssefeld

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