Willy Born ist bei den Arendseer Brandbekämpfern wieder aktiv

Zurück aus dem kurzen Feuerwehrruhestand

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Beim 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Arendsee im vergangenen Jahr kümmerte sich Willy Born (r.) um den reibungslosen Ablauf des Festumzuges durch die Innenstadt.

Arendsee. Eindeutige und kurze Ansagen, damit auch jeder Feuerwehrmann weiß, was der Einsatzleiter von ihm erwartet: Dafür ist Willy Born in der Region bekannt. Im März war zunächst nach 47 Jahren aktiven Dienstes Schluss.

Der Oberbrandmeister wurde von seinen Kameraden in die Alters- und Ehrenabteilung verabschiedet. Doch nur für eine kurze Zeit. Denn durch das Ändern von Gesetzen müssen Ehrenamtliche in Sachsen-Anhalt seit einigen Monaten nicht mehr mit 65 Jahren ihre Einsatzkleidung an den Nagel hängen.

Willy Born rückt im Ernstfall wieder mit aus.

In Zeiten von Mangel an Aktiven war für Willy Born klar: Es geht weiter. Er gehört zu den ersten Kameraden in Sachsen-Anhalt, die diese freiwillige Möglichkeit nutzen. Bürgermeister Norman Klebe setzte ihn wieder in den Einsatzdienst ein. Am 1. September erreichte den Arendseer nach einem Anruf ein Schreiben. Darin zollte das Stadtoberhaupt Respekt für die Entscheidung des erfahrenen Ehrenamtlichen.

Willy Born setzt sich auch darüber hinaus nicht zur Ruhe. Der Tischlermeister betreibt seinen Betrieb an der Mühlenstraße weiter und freut sich auf berufliche Herausforderungen. Diesen stellt er sich zudem im Ehrenamt. Denn wenige Stunden, nachdem ihn das Schreiben vom Bürgermeister am 1. September erreicht hatte, war seine große Erfahrung bei einem Einsatz an der Bahnhofstraße gefragt. Genauso wie nach dem schweren Sturm „Xavier“ vor wenigen Wochen.

Willy Born ist wieder im aktiven Dienst. Der 65-Jährige setzt sich allerdings Grenzen. Seinen Lkw-Führerschein hat er nicht verlängern lassen, steht also nicht mehr als Maschinist zur Verfügung. Aber Einsätze wird er auch künftig leiten. Besonders am Tag ist der Mangel an Freiwilligen im Luftkurort groß, weil etliche Mitglieder außerhalb arbeiten. „Ich habe wieder einen Pieper“, erzählt Willy Born, dass er, wie seit Jahrzehnten gewohnt, zu Hilfe gerufen werden kann. Mit Blick auf den Einsatzkräftemangel kann sich der Arendseer vorstellen, dass Anreize die Not lindern. Konkret schwebt ihm vor: Ehrenamtliche Feuerwehrmänner sollten für ihre Tätigkeit vom Staat Rentenpunkte angerechnet bekommen.

Seit Jahrzehnten ist der Arendseer im Ernstfall zur Stelle. 1970 begann seine aktive Zeit. Der Oberbrandmeister war von 1991 bis 1994 Wehrleiter der Feuerwehr des Luftkurortes. Gerade kurz nach der Wende gab es eine Vielzahl von Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten und Toten, die dem Ehrenamtlichen in Erinnerung geblieben sind.

Die Arendseer Wehr war die erste im damaligen Landkreis Osterburg, die Schere und Spreizer bekam. Mit der modernen Technik können eingeklemmte Kinder, Frauen und Männer schneller aus Autos befreit werden. „Ein großer Vorteil war und ist, dass wir direkt in der Stadt eine Rettungswache haben“, unterstrich der Oberbrandmeister im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Dadurch ist medizinische Hilfe schnell vor Ort, die Feuerwehr könne sich auf anderen Aufgaben konzentrieren. Denn die Erstversorgung wird durch die Spezialisten der Johanniter abgesichert.

Von Christian Ziems

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