Mit nur 43 Jahren erlag sie einem Krebsleiden

Zum 25. Todestag von Tamara Danz – Wodka-Cola mit der Silly-Frontfrau

Silly-Sängerin Tamara Danz bei einem Konzert am 11. Januar 1986 im Ost-Berliner „Palast der Republik“.
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Silly-Sängerin Tamara Danz bei einem Konzert am 11. Januar 1986 im Ost-Berliner „Palast der Republik“.

Genau 25 Jahre ist das nun her. Damals, im Juli 1996, sieben Jahre nach der politischen Wende, hörte ich vom Tod der damaligen Silly-Frontfrau. Mit nur 43 Jahren erlag sie einem Krebsleiden.

Arendsee / Berlin – Tamara Danz war in der DDR eine, wenn nicht die Rocksängerin schlechthin. Meine Begegnung mit der Frau, die diese markante Löwenmähne und extrem enge Hosen trug, fand im damaligen „Haus der Jungen Talente“ (HdJT) in Ostberlin statt. An der Klosterstraße, nahe des Alexanderplatzes, war das Haus eine Adresse für gute Live-Musik auch mitten in der Woche.

Und dort traf ich sie damals: Wir tranken Wodka-Cola, ich weiß noch, sie bezahlte mir den Drink, was eine großartige Freude in mir auslöste. Und sie fragte mich, ob ich aus Berlin komme. Ja, sagte ich, aber eigentlich wohne ich in Salzwedel. Wohlwissend, dass ich bei der Antwort Arendsee Erklärungen abgeben müsste.

Wir saßen auf einer Art Couch, und wenn Sie mich heute fragen, welche Band im HdJT gastierte – ich weiß es nicht mehr. Es könnte Freygang gewesen sein. Es war noch tiefste DDR-Zeit. Abseits aller Wendegeschichten, die später auf die Hauptstadt einprasselten. Auch wenn die Texte schon damals manche Sehnsüchte ausdrückten. Bei so vielen Bands.

Die Begegnung mit Tamara Danz war kurz, aber doch so einprägend, dass ich in der Folge immer, wenn von ihr oder Silly die Rede war, an diese Frau denken musste. Ich hatte auch ein Poster von ihr an der Wand, klar. Mit Löwenmähne und engen Hosen. Ohne störende Männer.

Ob ich verliebt war in sie? Nein, so weit mag ich nicht gehen. Ich hatte ein wenig Manschetten vor der Frau, die auch dafür bekannt war, so manchen Männern den Kopf zu verdrehen. Den Mut, in einen Kampf gegen die Nebenbuhler einzusteigen, hätte ich trotz strotzendem Selbstvertrauen dann doch nicht gehabt. Eine weise Entscheidung. Aber ich hatte mit ihr Wodka-Cola getrunken. Und das konnte keiner meiner Kumpels sagen. Das hatte ich mit ihr allein.

Ach so: In dem rund einstündigen Gespräch mit ihr erklärte sie mir, dass sie Salzwedel kenne. Und das „Hanseat“. Das machte mich stolz.

Warum ich mich gerade 25 Jahre nach ihrem Tod erinnern möchte, liegt daran, dass ich sie zeit meines Lebens gern erlebte und verehrte. Klar, die Westmusik jaulte auch aus meinem Kofferradio, wenn ich sonnabends meinen Trabant putzte. Aber Lieder wie „Bataillon d‘Amour“, „Mont Klamott“ oder „Keiner tanzt Boogie“ waren Lieder meines Lebens. Und sind es heute noch.

Tamara Danz erfuhr 1995 von ihrem Brustkrebs, sie lehnte jegliche Bestrahlung ab, hörte ich im Radio. Ob sie auch deshalb eine starke Frau für mich war und ist, weiß ich nicht so genau. Aber mutig fand ich es.

Als sie starb, gab es die DDR nicht mehr. Mein damaliger Kumpel in Westberlin lud mich ein, wir tranken Wodka-Cola. Das fand ich stark von ihm. Er kannte die Geschichte.

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