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Zieht Wendland der Altmark das Grundwasser weg? Stadt bittet Land und Kreis um Hilfe

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Von: Jens Heymann

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Die Karte zeigt das Gebiet, das den Grundwasserkörper „Jeetzel Lockergestein rechts“ umfasst.
Die Karte zeigt das Gebiet, das den Grundwasserkörper „Jeetzel Lockergestein rechts“ umfasst. © Heymann, Jens

Manch einer wird sagen: Ich habe es ja schon immer gewusst – das Wasser der Altmark fließt insgeheim ins nördlich gelegene Wendland. Und vielleicht gibt es ja doch diesen ominösen Stöpsel unter dem Arendsee, der einer Badewanne gleich nördlich der Landesgrenze gezogen wurde.

Arendsee / Wendland – Seit September wird die Wasserproblematik verstärkt in Lüchow-Dannenberg diskutiert; spätestens nachdem die Soli-Kreistagsfraktion einen Fragenkatalog an die Verwaltung übermittelt hatte. Die achtseitige Antwort enthält dabei so manche Augenöffner. Allein die Grafik über die Grundwasserentnahme im Landkreis Lüchow-Dannenberg offenbart seit Dürrebeginn 2018 Werte (bis zu 37 Millionen Kubikmeter jährlich), gegen die selbst der „Jahrhundertsommer“ 2003 blass erscheint (13 Millionen Kubikmeter). Möglicherweise mit Folgen für die Nachbarn im Süden – die Altmark. Denn der Grundwasserkörper „Jeetzel Lockergestein rechts“ kennt keine Landesgrenzen. Laut niedersächsischer Umweltkarte erstreckt er sich zu 38 Prozent auf Sachsen-Anhalt und dort zum größten Teil auf Arendseer Areal.

Dort sind die Unterschiede zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt im Sommer auffällig geworden. Als die Umleitung im Zuge der B-190-Bauarbeiten zeitweise über Mechau, das Wendland und Schrampe führte, sah es auf den Feldern jenseits der Grenze deutlich besser aus als diesseits. Ein Grund, warum Arendsees Bürgermeister Norman Klebe nun reagieren und sich mit einem Schreiben an Land und Kreis wenden will, in dem er um Hilfe in der Angelegenheit bittet. Sinngemäß etwa, dass in der Altmark strikte Regularien über die Wasserentnahme herrschen und es anderswo kein Halten gebe. Diesen Eindruck verstärkten unter anderem Aussagen in dem angesprochenen achtseitigen Verwaltungsbericht, dass der Bedarf in der Landwirtschaft laut Umweltministerium noch wesentlich höher liege und dass die Beregnung aufgrund der Corona-Problematik in Lüchow-Dannenberg offenbar nur spärlich kontrolliert wurde.

Immerhin soll das Wassermanagement im Wendland deutlich schärfer reguliert werden, um „der Versteppung des Landkreises entgegenzuwirken“. Vor Veröffentlichung eines neuen Erlasses Anfang 2023 in Niedersachsen sollen die Behörden zudem keine neuen Genehmigungen für die Wasserentnahme im betroffenen Gebiet „Jeetzel Lockergestein rechts“ mehr erteilen.

Bei allen misstrauischen Blicken auf die Nachbarn im Norden ist aber auch die eigene Verantwortung gefragt. Trinkwasserentnahme und Wassermanagement für Gräben und Felder seien Dinge, die genauso gut altmarkseitig angegangen werden können, ohne mit dem Finger nach Niedersachsen zu zeigen, sagen Stimmen aus der Arendseer Politik. Im Land hat das Umdenken bereits eingesetzt: Wassererhalt statt -abfluss steht auf der Agenda der Unterhaltungsverbände.

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