Mathias Goyer führt Tradition weiter / Seine Kinder unterstützen das Projekt

Zeiten ändern sich: Die Wundertüte bleibt

Für Johannes (9, l.) und Paul (6) ist es ein großer Spaß. Sie helfen, den Bedarf an Wundertüten zu befriedigen. Im Arendseer Familienunternehmen war diese Art der Überraschungen schon zu DDR-Zeiten ein Kracher.
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Für Johannes (9, l.) und Paul (6) ist es ein großer Spaß. Sie helfen, den Bedarf an Wundertüten zu befriedigen. Im Arendseer Familienunternehmen war diese Art der Überraschungen schon zu DDR-Zeiten ein Kracher.

Arendsee. Sie sind braun, groß, kosten drei oder fünf Euro und werden getrennt für Jungen oder Mädchen vertrieben: die Wundertüten. Mathias Goyer, Geschäftsinhaber in Arendsee, glaubt, dass sein Vater Otto F. Goyer diesen Klassiker erfunden hat.

Damals, für das Strandgeschäft. Fakt ist: Die Wundertüte lebt. Und was drin ist, ist natürlich geheim. Nur einen Hinweis gibt es auf der Tüte: In jeder ist garantiert ein Original-DDR-Artikel. „Diese Wundertüten sind der Kracher. Wir kommen nicht nach, müssen abends produzieren“, so der Spielwarenhändler. Auch mittels Kinderarbeit. Denn seine Jungs lassen es sich nicht nehmen, die Tüten mitzupacken. „Etwas aufpassen muss ich schon, sonst machen sie mich arm“, scherzt der Familienvater.

Während sich die Wundertüten am Markt beständig halten, haben sich die Wünsche der Kinder doch geändert. „Es wird vermehrt High-Tech gewünscht, so auch Drohnen für die ganze Familie“, erfährt die AZ. Aber auch die Puppe, diese blonde Schlanke, ist weiter auf dem Wunschzettel. Und ein anderes Exemplar hat eine große Schwester bekommen. Auch die wandert unter den Weihnachtsbaum. Bausteine, Bagger, Traktoren für die Wohnstube oder den Sandkasten sind heiß begehrt. Aber auch im Kreativbereich haben die Produkte Hochkonjunktur. Taschen zum Selbstgestalten, Malutensilien, Knete, die magnetisch ist oder im Dunkeln leuchtet – das Angebot scheint riesig. Experimentierkästen sollen wissenschaftliches Denken fördern – und so können Kinder tatsächlich einen Teich anlegen und Urzeittiere züchten. Wahnsinn.

Dass das Spiel mit den bunten Steinen nicht an Reiz verloren hat, erfährt die AZ beim Gang entlang der Regale. Es gibt ihn noch, den kleinen Baukasten, der immer erweitert werden kann. Aber es gibt dann auch das Spielzeug eher für den Familienvater und für mehrere hundert Euro zu haben: einen Porsche aus hunderten Bauteilen.

In Zeiten des Internets und des Einkaufs vom Sofa aus müssen sich auch die Spielwarenhändler umstellen. Doch ihnen kommt zugute, dass Eltern mit ihren Kindern in die Geschäfte kommen, um auszuloten, was das Kind denn gern haben will. „Wir Einzelhändler profitieren davon, dass man das Produkt weiterhin anfassen, ausprobieren kann. Schon allein das Spielzeug in wahrer Größe und in Details zu sehen, verschafft uns Einzelhändlern doch einen kleinen Vorteil“, glaubt Mathias Goyer.

Bei dem großen Angebot kommt die AZ noch einmal auf die Wundertüte zu sprechen. Was denn da so drin sei, will der Redakteur wissen. „Erst kaufen, dann schauen. Es ist ja eine Wundertüte“, sagte Mathias Goyer. Und unterstreicht das, was einen Kaufmann auszeichnet. Und schließlich war sein Vater sein bester Lehrer.

Von Harry Güssefeld

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