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Wolfssichtungen bei Neulingen

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Von: Detlef Güssefeld

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Diese drei Wolfswelpen wurden in der Nähe der Ortslage Neulingen gesichtet.
Diese drei Wolfswelpen wurden in der Nähe der Ortslage Neulingen gesichtet. Weil sich Sichtungen der Raubtiere zuletzt häuften, gab es am Dienstag eine Bürgerversammlung zu diesem Thema. Mit dabei waren auch Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums Iden. © Privat

Die kurzfristig anberaumte Versammlung am Dienstag in Neulingen versprach spannend zu werden: Ortsbürgermeister Axel Tiemann hatte Interessenten eingeladen, um über die jüngst aufgetretenen Wolfssichtungen im kleinen Dorf zu sprechen. Wölfe seien an und auf den Grundstücken gesehen worden, die Menschen würden eine Art Angst verspüren, vor allem die Kinder und älteren Bürger seien betroffen. Vorweg: Neulinger bestätigten die Vorfälle in mindestens fünf Fällen. Man sei den Tieren einige Male sehr nahegekommen.

Neulingen – Zur fachlichen Begleitung des Abends waren Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums Iden erschienen. Dass die Anwesenden einen rund einstündigen Einstieg in die Problematik Wolf bekamen, missfiel denen, die gekommen waren, um zu hören, was man gegen die Wölfe im Ort unternehmen könne.

„Sind wir hier im Biologieunterricht?“, fragte ein Anwesender. Doch Julia Kamp ließ sich nicht davon abhalten, über die Ausbreitung des Wolfes in Europa und Sachsen-Anhalt im Speziellen zu sprechen. Als sie erklärte, dass es schwierig sei, einen Wolf von einem Hund zu unterscheiden, glaubten einige, dass ihnen unterstellt werde, vielleicht Hunde statt Wölfe gesehen zu haben.

Doch schließlich wurde über Neulingen und die Wolfssichtungen geredet. Das Kompetenzzentrum in Iden spricht offiziell von drei Exemplaren in der Region.

Das sorgte wieder einmal für Unruhe im Raum, denn die Zahl habe überhaupt keinen Bestand, hieß es seitens der Besucher. Auf die Aussage, dass es Fotos von acht Wölfen auf einem Fleck geben würde, reagierte Julia Kamp weiterhin gelassen. Diese einmal zu dokumentieren, reiche nicht aus. Es könnte sich auch um das Gartower Wolfsrudel handeln, das vielleicht einmal die Landesgrenze überschritten hatte, hieß es. Aber man lasse sich von mehr Tieren überzeugen, wenn ausreichend Material zur Verfügung steht.

Die wichtigsten Aussagen des Abends folgten dann: Ein Spaziergang im Wald sei kein Problem. Mit den Wölfen werde man leben müssen, denn auch wenn der Wolf unter das Jagdrecht fiele, irgendwann, werde es diese Raubtiere geben. Essensreste, ebenso Kompost sollten nicht frei zugänglich sein. Auch Katzenfutter dürfe nicht liegen bleiben.

Das sorgte wieder für Gemurmel im Saal, und die Frage war zu hören, ob man sich nun dem Wolf anpassen müsse. Bei aller Beschwichtigung in der Situation sicherte sich Julia Kamp ab. „Sag niemals nie“, erklärte sie auf die Frage, ob der Wolf generell keine Menschen fressen möchte. Dass Wölfe auf ihrer Suche nach Futter und Wasser in die Dörfer gehen, sei mittlerweile nicht selten. Doch es könnten noch alle Einwohner in den Wald gehen. Pfefferspray sei möglich, hieß es. Oder eine Trillerpfeife. Steine und Knüppel auch – die Aufzählung der Mittel, mit denen man sich gegen einen Wolf wehren kann, war lang.

Die Angst, dass die Population der Wölfe derart wachse, dass es überhandnehme, bestimmte die Diskussion in Neulingen. Darauf hatte Julia Kamp keine Antwort, das sei eine politische Entscheidung.

Die Fachfrau aus Iden ging ebenfalls darauf ein, dass der Wolf dafür sorge, dass Muffelwild verschwunden sei. Dieses Muffelwild habe keine Chance gegen den Wolf. Wenn das Wild dezimiert werde, sei auch die Tafel für den Wolf nicht mehr reichlich gedeckt, hieß es aus dem Publikum. Doch Julia Kamp machte klar, dass es im Wald so einiges für den Wolf gebe.

Davon unabhängig: Noch immer gilt – wer einen Wolf vorsätzlich tötet oder verletzt, begeht eine Straftat. Und so werden weiter Wölfe durch die Gemarkung Neulingen spazieren, Nachwuchs bekommen und auch mal das Dorf besuchen. Es ist politisch gewollt.

„Der Schutz der Wölfe ist wichtiger als unsere Angst“, hieß es seitens der Besucher. Und noch eine Angst ging um: die Angst vor Touristen, die allein deshalb kommen, um den Wolf in der Region zu beobachten.

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