Kleinauer Senioren loben ihre beiden Betreuerinnen / Seit 2008 im Dienste der Älteren

„Wir würden hier sonst versauern“

Michaela Franzl (kleines Bild, l.) und Iris Preuhs betreuen die älteren Bürger der Orte Kleinau, Lohne und Dessau seit 2008. Sie bekommen dafür kein Geld. Ihr Lohn ist das Lächeln und die Freude der Männer und Frauen, die sich einmal im Monat treffen. Gestern feierten alle zusammen Fasching.
+
Michaela Franzl (kleines Bild, l.) und Iris Preuhs betreuen die älteren Bürger der Orte Kleinau, Lohne und Dessau seit 2008. Sie bekommen dafür kein Geld. Ihr Lohn ist das Lächeln und die Freude der Männer und Frauen, die sich einmal im Monat treffen. Gestern feierten alle zusammen Fasching.

Kleinau. Ingrid Moussiauce aus Kleinau ist gestern die erste, die zum Seniorenfasching erscheint. Seit gut zwei Stunden sind bereits Iris Preuhs und Michaela Franzl da, schmieren Brote und schneiden Kuchen auf.

Seit 2008 betreuen beide die Senioren in den drei Ortsteilen Kleinau, Lohne und Dessau. Inzwischen völlig freiwillig und ohne einen Euro. „Begonnen hatte alles 2008 mit meinem fünfmonatigen Ein-Euro-Job“, schildert Iris Preuhs. „Betreuung der älteren Bürger“ hieß die Aufgabe. Und weil Michaela Franzl im Nebenraum die Chronik schrieb und ältere Leute immer wieder interviewte, wurde daraus ein Duo, das die älteren Menschen inzwischen mindestens einmal im Monat, immer am dritten Dienstag, zu einer Veranstaltung einlädt. „Zunächst bekamen wir noch ein Aufwandsentschädigung, aber inzwischen machen wir die Sache hier völlig freiwillig, aber ungemein gern“, so Michaela Franzl. Die Menschen ab Mitte 60, im Durchschnitt sind es immer so um die 20, haben sich an ihre beiden Frauen gewöhnt. „Ohne die beiden würden wir hier versauern“,sagt Ingrid Moussiance, die mittlerweile nicht mehr allein ist. Zehn Frauen und Männer, teils kostümiert, teils mit einem Hut versehen, freuen sich auf den Nachmittag. Auf die Gespräche, auf das Wiedersehen.

Dass es einen extra Raum gibt, einen Versammlungsraum, freut die beiden Betreuerinnen sehr. Mit Girlanden und Papierschlangen wurde er gestern dem Thema entsprechend geschmückt. Dass Aschermittwoch längst vorbei ist, stört die feierwilligen Rentner nicht. Schnell sind Tasse, Teller und das Glas für Bowle ausgepackt. Ja, Bowle gibts, sogar mit einem Schuss Sekt. „Was ist eigentlich der Lohn ihren Arbeit“, wollte die AZ von Michaela Franzl und Iris Preuhs wissen. „Das ist das Lächeln, die Freude, dass es uns gibt“, so die 38-jährige Michaela. Und ihre Kollegin Iris, inzwischen 48, ergänzt: „Es wäre schön, wenn wir mal alt sind und uns auch nette Menschen verwöhnen.“

Einmal im Jahr fahren die Senioren der drei Ortsteile, die einmal die Gemeinde Kleinau bildeten, etwas weiter weg. Die letzte Fahrt führte sie nach Hamburg, die Stadtrundfahrt führte auch über die Reeperbahn, erinnern sich die beiden Betreuerinnen. In diesem Jahr soll es wieder losgehen – wohin, das ist noch offen. Möglich sei auch Tangermünde, hieß es gestern. Mit der Fahrt auf der Elbe wollen die beiden versuchen, die Senioren auf die Fahrt in die Kaiserstadt einzustimmen.

Michaela Franzl ist derzeit als Bürgerarbeiterin beschäftigt, Iris Preuhs arbeitet in einem Unternehmen für Einbruchsschutz. Den Job als Seniorenbetreuerinnen machen sie aus Überzeugung, nebenbei und völlig ohne finanzielle Anerkennung. „Wir werden es weiter tun. Wir können uns nicht vorstellen, dass unsere älteren Freunde irgendwann vor verschlossenen Türen stehen“, sagen beide. Und gießen den Begrüßungskaffee ein.

Von Harry Güssefeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare