1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Arendsee

Altmark muss Landesvorgaben umsetzen – Arendsee als Anschauungsbeispiel

Erstellt:

Von: Jens Heymann

Kommentare

Die Versammlung der Regionalen Planungsgemeinschaft Altmark im Salzwedeler Kreistagssaal
Die Versammlung der Regionalen Planungsgemeinschaft Altmark im Salzwedeler Kreistagssaal: Dort wurde über den Ausbau der Windkraft gesprochen. © Heymann, Jens

Im ganzen Gebiet der Einheitsgemeinde Arendsee ist aktuell der Ausbau von Solarenergie ein Thema. Doch gibt es auch noch eine andere regenerative Form – die Windkraft. Über deren weiteren Ausbau ist unter der Woche im Salzwedeler Landratsamt gesprochen worden; mit Arendsee als Anschauungsbeispiel.

Arendsee / Altmark – Der kurze, animierte Film der Regionalen Planungsgemeinschaft (RPG) Altmark, der federführenden Organisation in Sachen Windplanung, zeigte die Seestadt samt Gewässer und dazu ein hineingesetztes Windrad von 250 Metern Höhe. Nur ein Beispiel, aber die gewählten Abstände von 300 bzw. 500 Metern zum nächstgelegenen Wohngebäude dürften in der Realität kaum einem Anwohner – egal wo in der Altmark – gefallen.

Doch es gibt einen wichtigen Unterschied zur Solartechnik: Das Land Sachsen-Anhalt muss bis 2032 2,2 Prozent der Fläche für Windenergie reservieren, mit einer Zwischenstufe einige Jahre davor. Die Befürchtung, die auch bei der RPG zur Sprache kam: Die Altmark als flaches Gebiet werde einen höheren Anteil erfüllen müssen, um andere Gebiete wie etwa den Harz auszugleichen. Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel zeigte sich davon felsenfest überzeugt und kündigte sogleich an: Salzwedel werde diesbezüglich aufpassen.

Im Arendseer Gebiet ist Windenergie nichts Neues, die Windparks bei Fleetmark und Höwisch sind weit sichtbar, und Teile von deren Einnahmen werden für diverse Zwecke in der Region verwendet. Von insgesamt 0,9 Prozent vorhandener Windvorrangfläche in der Altmark war bei der RPG-Versammlung die Rede. Ein Teil des Weges ist also längst geschafft.

Während die Bemühungen im Arendseer Rathaus laufen, ein Konzept für Freiflächenphotovoltaik zügig aufzustellen, dauert dieser Prozess bei Windenergie deutlich länger. RPG-Geschäftsstellenleiter Steffen Kunert gab dem versammelten Gremium eine Vorausplanung bis ins Jahr 2026 mit auf den Weg. Was nach viel Zeit klingt, reicht geradeso, die gesetzliche Frist einzuhalten. Landrat Steve Kanitz, der die Versammlung stellvertretend für seinen verhinderten Stendaler Amtskollegen Patrick Puhlmann leitete, machte Druck, dass die Versammlung die Methodik zur Ausweisung von Windvorranggebieten beschließt, was sie mehrheitlich auch tat.

Einigen muss man sich in den kommenden Jahren auf die Bedingungen für die Windkraft. Soll der Abstand zu Wohngebieten 1000 oder wie von Salzwedel gefordert doch 1500 Meter betragen? Wie groß soll der Abstand zwischen den Windparks sein? Welche Einschränkungen gibt es durch den Schutz von Vögeln?

Egal, was nun festgelegt wird: Am Ende muss die Flächenvorgabe des Landes erfüllt werden. Sonst könnten einzelne Maßnahmen gekippt werden, hieß es in der Versammlung. Dazu zählen beispielsweise auch Höhenbegrenzungen, die für Windkraftanlagen bisher festgeschrieben sind. Ein prominentes Beispiel dafür ist das Gebiet zwischen Salzwedel und Pretzier, wo bei maximal 85,5 bzw. 150 Metern Schluss ist, was längst nicht mehr dem Stand der Technik und dem Wunsch von Investoren entspricht.

Steffen Kunert sprach von einem „iterativen Prozess“. Man werde also eine Weile an den Kriterien feilen müssen, so lange, bis alles zusammenpasst. Wie bei den Solaranlagen bleibt aber auch in diesem Fall die Bundespolitik die große Unbekannte. Denn 2025 wird wieder gewählt und in der Folge möglicherweise noch einmal an den Vorgaben gedreht.

Um den Kreis zur Solarthematik zu schließen: Über potenzielle Flächenkonflikte zwischen Windkraft und Photovoltaik ist bei der RPG nicht gesprochen worden.

Auch interessant

Kommentare