Widerstand formiert sich neu

Gegen A14: Autobahngegner aus Arendsee wollen weiteren Verlust von Wald und Arten verhindern

Wald statt Asphalt fordern die Gegner der A14 auf ihren Transparenten.
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Wald statt Asphalt fordern die Gegner der A14 auf ihren Transparenten.
  • vonBeate Achilles
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„Es ist ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Gegend, dass es hier eben keine Autobahn gibt“, meint Melanie Neu, Ortschaftsrätin in Kaulitz. „Hier ist der letzte große autobahnfreie Raum der Bundesrepublik, wenn nicht gar Zentraleuropas.

Kaulitz – Deshalb liegen hier viele Biosphärenreservate. Es ist erstaunlich, wie leicht der Naturschutz im vermeintlichen Interesse der Allgemeinheit beiseitegeschoben wird“, ergänzt Mario Peine aus Stendal, der gemeinsam mit Neu Mitglied der Bürgerinitiative „Keine A14“ ist.

Schon vor 15 Jahren gab es Proteste gegen die Autobahn. Jetzt flammen sie wieder auf. Warum? „Weil jetzt den Leuten erst klar wird, dass dieses Teilstück hier gebaut wird“, erklärt Melanie Neu.

Zerstückelung der Landschaft

„Geschätzt, eine Million Bäume sind auf dem Abschnitt zwischen Colbitz und Lüderitz bereits abgeholzt worden“, hat Mario Peine errechnet. „Der Slogan ,A14 - die grünste Autobahn Deutschlands’ ist eine große Lüge“, meint Peine. „Die Autobahn bekommt links und rechts einen Zaun. Bisherige Verbände von Wildtieren werden getrennt“, so der Umweltingenieur. „Inzucht und alle damit verbundenen Probleme, wie zum Beispiel Seuchen, werden die Folge sein“, warnt die Stendaler Stadträtin Susanne Bohlander (Bündnis 90/die Grünen), die sich ebenfalls gegen den Autobahnbau engagiert. „Selbst mit den bisher eingeplanten Grünbrücken lässt sich die Barrierewirkung der A 39 und A14 für den Großteil aller betroffenen Arten nicht verhindern“, heißt es in einer Resolution, die unter anderem der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der BUND Sachsen-Anhalt und der Deutsche Naturschutzring bereits 2011 unterzeichnet haben.

Mehr Verkehr und Lärm befürchtet

In Arendsee könnte sich der Ausbau der A14 nicht nur in Form einer schnelleren Autoanbindung, sondern auch mit der geplanten Bundesstraße B 190n bemerkbar machen, die die A14 mit der A39 als sogenannter „Hosenträger“ verbinden soll. Für Kaulitz und Binde erwarten die Protestierenden dann mehr Straßenlärm. „Wie verträgt sich das alles mit einem Luftkurort Arendsee?“, fragt Ortschaftsrätin Melanie Neu. Sie habe bei Bürgermeister Klebe einen Termin für eine Stellungnahme angefragt.

Für sie sei unverständlich, warum stattdessen nicht der Schienenverkehr endlich ausgebaut wird. „Spätestens seit dem Extrem-Sommer 2018 wissen wir, dass die Treibhausgase und damit der Autoverkehr reduziert werden müssen. Die A 14 wird aber den Autoverkehr mehr als verdoppeln. Große Waldflächen vom Seehäuser Forst werden dafür gerodet. Dabei ist inzwischen offensichtlich, wie sehr die Wälder unter der Klimaveränderung leiden und wie kostbar sie sind“, ist auch Susanne Bohlander fassungslos. 15 Jahre lang, bis 2019, hat sie gemeinsam mit Mitstreitern für den vierspurigen Ausbau der B189 als Alternative zur A14 gekämpft. Zwei weitere Fahrspuren auf der ohnehin vorhandenen Trasse hatten die Umweltschützer vorgeschlagen. Vom 2. bis 15. Februar liegt in den Rathäusern Osterburg und Seehausen nun der Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau der A14 zwischen Osterburg und Vielbaum aus. Bürger können Einsicht nehmen und noch bis zum 15. März 2021 dagegen klagen. Heute ab 14 Uhr protestiert die Initiative „Keine A14“ (https://www.keinea14.de) vor dem Rathaus in Seehausen.

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