Nicht schöne Ecken, sondern Ideen zählen

Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: Arendseer Dörfer nicht unter den Teilnehmern

Die Bewertungskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ während ihres Rundgangs durch Brietz im Juni.
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Die Bewertungskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ während ihres Rundgangs durch Brietz im Juni. Ganz links Jens Reichardt. Aus dem Gebiet der Einheitsgemeinde Arendsee hatte kein Ort teilgenommen.
  • Jens Heymann
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Die Preise sind vergeben, der 11. Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ist vorbei. Insgesamt zehn Bewerbungen hatte es gegeben – aus den Gemeinden Beetzendorf-Diesdorf, Salzwedel und Gardelegen. Aber keine aus Arendsee.

Arendsee – In der Einheitsgemeinde ist dieses Thema, so der Eindruck der AZ, in den Ortschaftsräten seinerzeit recht schnell beiseitegelegt worden. Jens Reichardt, als Vertreter des Kreistags Mitglied der Bewertungskommission, sieht die Gründe dafür bei der Stadtverwaltung. Von dort habe es nämlich keine Infos gegeben. Die Orte, die sich zumindest zeitweise mit einer Teilnahme beschäftigten, hätten dies durch seinen Hinweis getan.

Wie dem auch sei – die Orte, die beim „Dorf“-Wettbewerb mitgemacht haben, können sich nun über ein Preisgeld von mindestens 1200 Euro freuen. Denn auch das Land ließ während der Siegerveranstaltung am Sonntag in Diesdorf die Kassen der Teilnehmer klingeln. Vor allem in der Gemeinde Jübar, die gleich mit fünf Dörfern mitgemacht hatte.

Das hätte vorher nicht festgestanden, gibt Jens Reichardt zu bedenken. Bei mehr Teilnehmern wäre der einzelne Betrag aufgrund des festen Budgets wohl geringer gewesen.

Nun muss sich Reichardt, immerhin Ortsbürgermeister von Sanne-Kerkuhn, zwangsläufig die Frage gefallen lassen, warum seine Ortschaft nicht dabei war. Obwohl in seinem Doppeldorf das nötige Potenzial vorhanden sei – aktive Vereine und Gruppierungen usw. – fehlten ihm noch klare Aussagen von anderer Stelle, begründet Reichardt. So habe sich die VR Plus noch nicht zu den Plänen mit der übernommenen Agrargenossenschaft geäußert und aus Arendsee fehlten die Impulse, Dinge wie den Flächennutzungsplan und das IGEK (Integrierte Gemeindliche Entwicklungskonzepte) voranzubringen. Jens Reichardts Fazit: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und alle mitziehen, wäre eine Teilnahme machbar. Aber: „Das habe ich nicht allein zu entscheiden.“

Dabei gebe es einige Dinge von den anderen Orten zu lernen, hat der Sanne-Kerkuhner als Mitglied der Bewertungskommission festgestellt. An erster Stelle: der Kommunikationsfluss mit der Verwaltung. Der sei in Arendsee unzureichend, ganz anders in Gardelegen, erklärt Jens Reichardt. Unter anderem habe er mit Lukas Kösterke, dem Ortsbürgermeister des Siegers Zichtau gesprochen. Antwort: Dort seien alle Dörfer, was Leader, IGEK und F-Pläne betrifft, voll eingebunden.

Zurück zum eigentlichen Wettbewerb: Bei Dauerteilnehmern wie Pretzier (mit Königstedt) hat sich in Bezug auf „Unser Dorf hat Zukunft“ eine gewisse Routine eingestellt. Und entsprechend gering ist die Scheu davor. Es scheint auch nicht verwunderlich, dass der Bürgermeister der eingangs erwähnten Gemeinde Jübar mit ihren fünf Teilnehmern Carsten Borchert heißt. Entweder diesen eigenen Antrieb oder aber die Unterstützung durch die Gemeinde nennt Jens Reichardt nicht umsonst als zwei klar zu erkennende Gründe hinter einer Wettbewerbsteilnahme.

Vielleicht gibt es auch falsche Vorstellungen von der Art von „Unser Dorf hat Zukunft“. Einem teilnehmenden Ort werde es heutzutage nicht mehr übel genommen, wenn es irgendwo leer stehende Gebäude oder unschöne Ecken gibt, sagt Jens Reichardt. Wichtiger sei, wohin die Reise geht. Heißt: Wie aktiv ist die Dorfgemeinschaft, wie wird sich baulich entwickelt, wie werden Gebäude umgenutzt? Es brauche also entsprechende Ideen, so das Bewertungskommissionsmitglied aus Sanne-Kerkuhn.

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