Thomas Schlicke aus Arendsee kommt ohne eigene Schuld in Erklärungsnot

Wenn das Internet außer Kontrolle gerät

Thomas Schlicke ist fassungslos angesichts der Tatsache, dass Unbekannte, vermutlich aus Weißrussland, ihn benutzt haben, um Werbemails zu verschicken. Foto: Güssefeld

Arendsee. Internetspionage in Amerika, Großbritannien, China – keine aktuelle Nachrichtensendung vergeht ohne die angeregte Diskussion zum modernen Datenklau.

Alles ganz weit weg von häuslichem Internetanschluss, dem Computer, dem Handy, dem Laptop – oder doch nicht?

Diese Frage stellt sich aktuell Thomas Schlicke aus Arendsee. Wie schnell aus dem weltweiten world-wide-web ein häusliches Chaos werden kann, zeigt er gegenüber der AZ an seinem ganz speziellen Problem.

Kürzlich lag Post in dem E-Mail-Fach des Arendseers. Doch zu seiner Überraschung kein nettes Schreiben von einem Freund, sondern über 50 Mails von seinen gespeicherten Kontaktadressen, die sich über eine Mail von ihm mit einem angehängten Werbe-Link wunderten. Der Link beinhaltete eine Werbung für ein Mittel zum Abnehmen. „Einige meiner weiblichen Kontaktadressen fanden es bestimmt nicht nett, und fragten sich zu Recht, wie ich dazu komme, ihnen eine derartige Werbung zu schicken“, so Schlicke. Mit großer Verärgerung musste er feststellen, dass an alle seine Kontaktdaten (immerhin über 250) eine E-Mail mit einem angehängten Werbe-Link verschickt wurde. Allerdings nicht von ihm, wie er glaubhaft versichert.

Auf der Suche nach der Ursache stellte sich schnell heraus, dass seine E-Mailadresse Opfer von Computerhackern geworden ist. Sein Passwort wurde geknackt und die E-Mails in seinem Namen verschickt. (Interessanterweise aus Weißrussland, denn von dort hatte man sich über seine IP-Adresse Zugang zum Internet verschafft.)

Glücklicherweise hat der Provider sofort die E-Mailadresse gesperrt, erklärt Schlicke. Einerseits gut, denn damit war er vor weiterem Missbrauch geschützt. Andererseits blieb es ihm dadurch aber verwehrt, seine Internetfreunde und –kontakte über seine Unschuld zu informieren und vor dem Öffnen des Anhanges zu warnen, denn nicht nur Werbung kann sich darin befinden.

„Im schlimmsten Fall können sich auf diese Weise sehr schnell Viren und Trojaner verbreiten, die wiederum Informationen von weiteren Rechnern liefern oder ihn gänzlich lahm legen“, ist sich der Geschädigte sicher. Mit einer neuen E-Mailadresse hofft Thomas Schlicke nun seine Probleme gelöst zu haben. „Was bleibt, ist die Unsicherheit, dem weltweiten Zugriff von Computerspezialisten und Hackern ausgeliefert zu sein. Bei aller Vorsicht und der Verwendung von Antiviren-Software und sogenannten Firewalls macht uns das moderne Internet doch zu Sklaven der Technik und zunehmend durchschaubar“, klagt der Arendseer sein Leid. So würden Opfer schnell zu Tätern abgestempelt – und die eigentlichen Hintermänner seien nur sehr schwer ausfindig zu machen, so Schlicke.

Von Harry Güssefeld

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