Menschen in Not haben dank der Telefonseelsorge einen Ansprechpartner

Wenn andere feiern, kommt oft die Traurigkeit

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Wenn es keinen Ausweg mehr gibt: Wenn die Traurigkeit einzieht und man keinen Menschen mehr findet, der einem zuhört, dann kann die Telefonseelsorge ein guter Helfer sein. Die Gespräche werden anonym geführt.

Arendsee / Magdeburg. „Sind die Lichter angezündet, Freude zieht in jedes Haus“ – dieses Lied beschreibt die Stimmung zur Weihnachtszeit. Die meisten Menschen freuen sich auf das Christkind oder nur den Weihnachtsmann, die Familie kommt zusammen, es wird aufgetischt.

Getrunken und gesungen. So sieht das Weihnachtsfest aus der Sicht der meisten Menschen aus. Doch eben nicht für alle.

Die, die das wissen, sind 24 Stunden, also den ganzen Tag, für Menschen da, die sich allein und traurig fühlen. Es sind die Männer und Frauen der Telefonseelsorge. Zu ihnen zählt auch Pastorin Anette Carstens aus Magdeburg. „Es sind alles Ehrenamtliche, die die wichtige Arbeit übernehmen“, erklärt sie gegenüber der AZ. Werktags und sonntags, auch über die Feiertage, warten diese Ehrenamtlichen der ökumenischen Telefonseelsorge auf Anrufe von wildfremden Menschen. Und dann heißt es zuhören, nicht werten. Kummer und Sorgen sind Inhalt der Gespräche des Anrufers, denn Menschen, denen es in dem Moment gut geht, rufen ja nicht an. Und jeder dieser Anrufer ist speziell.

Die Männer und Frauen, die die Anrufe entgegennehmen, werden für den Job geschult, erfährt die AZ. Wichtige Voraussetzungen dabei: der Wunsch, anderen Menschen eine Hilfe und selbst möglichst seelisch stabil zu sein. Es sind oft alleinstehende Menschen, inzwischen fast 50 Prozent, die die Nummer der Telefonseelsorge anrufen.

Das Themenfeld ist breit gestreut. Einsamkeit, auch Trennungsschmerz, Probleme mit Angehörigen. Und dann ist es noch die Verantwortung, die die Ehrenamtlichen übernehmen, wenn die Menschen am anderen Ende der Leitung depressiv oder sogar suizidgefährdet sind. „Behutsamer Umgang mit Hilfesuchenden ist dringend geboten“, so Anette Carstens.

Die Gespräche werden anonym geführt. Angaben machen die Anruferinnen und Anrufer oft nur am Rande der Telefonate. So erfahren die Ehrenamtlichen, dass die meisten der Anrufer zwischen 50 und 59 Jahren alt sind. Doch vermehrt sind es auch Jüngere. Die ökumenische Telefonseelsorge wird in Zukunft deshalb auch per E-Mail und Chat zu erreichen sein. Aus den Gesprächen heraus ergebe sich auch, hieß es gestern, dass Menschen aus der nördlichen Altmark prozentual weniger die Möglichkeit nutzen. „Wir möchten Mut machen, anzurufen und keine Scheu zu haben. Die Telefonnummer wird nicht angezeigt, Namen spielen keine Rolle“, hieß es.

25 Jahre gibt es die Einrichtung der Kirche schon. Die seelsorgerische Einrichtung feierte in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen. Und 65 ehrenamtliche Mitarbeiter freuen sich darüber.

Von Harry Güssefeld

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