Mitfahrbänke in Arendsee

Initiative mit wenig Unterstützung

Mitfahrbank in der Samtgemeinde Gartow
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Mitfahrbank in der Samtgemeinde Gartow
  • vonBeate Achilles
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Mitfahrbänke stoßen in den Ortschaften der Einheitsgemeinde Arendsee auf wenig Interesse. Mehrere Ortschaftsräte lehnten das Aufstellen solcher Bänke ab.

Nach der Vorstellung der Initiatoren um Melanie Neu aus Kaulitz sollen die Mitfahrbänke ein ergänzendes Angebot zum Rufbus auf den Dörfern sein: Wer von A nach B kommen will, setzt sich auf eine Mitfahrbank, wählt eines der dort verfügbaren Zielschilder aus, um dem Autofahrer das Fahrtziel anzuzeigen und wartet. Ein nahendes Auto, dessen Fahrer bei der Gemeinde als Teilnehmer des Mitfahrbank-Projekts registriert ist und an der Windschutzscheibe einen entsprechenden Aufkleber hat, hält an und nimmt die Person mit. Der Rückweg erfolgt auf die gleiche Weise.

Preiswertes Zusatzangebot für Mobilität auf dem Lande

Ein ebenso einfaches, wie preiswertes System, welches Autos besser auslasten, damit Umwelt und Klima schonen und zudem die Mobilität in der Region verbessern könnte, so die Befürworter.

Die Investitionen für eine Mitfahrbank inklusive Zielschildern bewegen sich zwischen 500 und 1500 Euro, je nachdem, ob bereits eine Bank zur Verfügung steht oder neu angeschafft werden muss. In dieser Größenordnung lagen nach Auskunft von Ratsherr Matthias Gallei jedenfalls die Investitionen in der Samtgemeinde Gartow im Wendland, die 2018 insgesamt 22 Mitfahrbänke angeschafft hat.

„Es ist ein zusätzliches Angebot, warum soll man das ablehnen?“, meint Bindes Ortsbürgermeister Kurt Gabriel. Er will das Thema nach Ostern im Ortschaftsrat besprechen, wie er gestern der AZ mitteilte. In anderen Ortschaftsräten fand die Idee wenig Anklang. Sanne-Kerkuhn lehnte ab, ebenso Mechau, Rademin, Kleinau, Vissum, Kerkau und Thielbeer.

Bedenken gegen Mitfahrbänke wegen Versicherung und Unterhaltungskosten

Auch in Fleetmark geht die Tendenz Richtung „nein“, wie Ortschef Jörg Kratz der AZ berichtete. Dort sei zwar noch nicht formell darüber abgestimmt worden, ein Stimmungsbild gebe es aber bereits. „Bei uns bestehen Bedenken wegen der Versicherung und der Unterhaltungskosten.“ Denn eine Holzbank müsse jährlich gestrichen werden, so die Auffassung. Auch hielten die Leute das System noch nicht für ausgereift. Denn damit Nutzer auch wieder zurückkommen, müssten Bänke zusätzlich in Salzwedel und Arendsee stehen. Ein Fahrer wisse zudem mitunter nicht, wer da auf der Bank sitzt. Auch sei die Frage aufgekommen, ob den örtlichen Taxiunternehmen dadurch nicht noch mehr Arbeit weggenommen würde. All diese Punkte führten derzeit zu einer eher ablehnenden Haltung, zumal Fleetmark mit öffentlichem Nahverkehr gut angebunden sei.

In Kläden werden Mitfahrbänke ebenfalls eher nicht für erforderlich gehalten, wie Ortsbürgermeister Jörg Benecke der AZ sagte: „Wir haben hier einen gut funktionierenden Rufbus, deshalb besteht kein Bedarf.“ Aus seiner Sicht sollten Mitfahrbänke wenn überhaupt, dann mit Fördermitteln für die gesamte Einheitsgemeinde angeschafft werden.

Mitfahrbänke unterschiedlich erfolgreich

Mitfahrbänke gibt es bundesweit bereits in mehreren Kommunen. Beispielsweise im Wendland werden sie bislang nicht so angenommen, wie es beabsichtigt war.

Gut läuft es dagegen in der baden-württembergischen Gemeinde Schuttertal (3 200 Einwohner). Dort war nach Auskunft von Stefanie Fischer aus dem Bürgerbüro die Versorgung mit öffentlichem Nahverkehr schlecht. Die Wartezeiten auf Mitfahrbänken seien – vor Corona – kurz gewesen. Über 500 Autofahrer hätten sich inzwischen bei der Gemeinde registriert, um Leute von Mitfahrbänken mitzunehmen. Hauptsächlich werde das Angebot von Schülern und älteren Menschen genutzt – bislang ohne jegliche negative Zwischenfälle. Es gebe 20 Mitfahrbänke aus Holz. 16 500 Euro hätte die Gemeinde Anfang 2019 dafür bezahlt. Jedes Jahr neu lackiert würden die Bänke nicht.

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