Grüne fordern Kontrollen / Landesverwaltungsamt sorgt für Überraschung

„Wasmerslage darf kein zweites Binde werden“

In den Ställen in Wasmerslage (Foto) drohen ähnliche Zustände wie in Binde. Ein Bündnis zwischen dem Landkreis Stendal und der Stadt Osterburg sowie dem Altmarkkreis Salzwedel und der Stadt Arendsee soll ein zweites Binde verhindern. Foto: Archiv/cz

Binde. Scharfe Geschütze hat Dorothea Frederking, Abgeordnete der Grünen im Magdeburger Landtag, gegen Adrian Straathof aufgefahren. Der Holländer betreibt die Schweinemastanlage in Binde, plant aber in der Altmark auch noch die Erweiterung der Anlage in Wasmerslage.

„Es zeigt sich einmal mehr, dass der holländische Schweinezüchter Adrian Straathof alles andere als ein seriöser Betreiber ist. Straathof setzt in seinen Ställen auf Masse statt Klasse und verstößt nachweislich gegen Gesetze, Auflagen und den Tierschutz“, sagt Fredrking. Verhängte Bußgelder würden nicht bezahlt, Anlagen mit Mängeln betrieben. So stehen mehr Schweine als erlaubt in den Ställen und die Silos seien teilweise undicht.

Frederking hatte in einer Pressemitteilung erklärt, die Gerichte würden schnell über die vom Landesverwaltungsamt angeordnete Schließung entscheiden. Die Landtagsabgeordnete hatte bereits im Vorfeld die Behörden dafür kritisiert, dass sie Straathofs Nutzung der Schwarzbauten trotz bestehender Nutzungsuntersagung dulden. Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion fordert weiter unangekündigte Überprüfungen aller Tieranlagen von Straathof in Sachsen-Anhalt. „Die Ereignisse von Binde muss das Landesverwaltungsamt nun zum Anlass nehmen, um auch alle anderen Anlagen des Holländers auf den Prüfstand zu setzen“, forderte Frederking. Dies bezieht sich auf betriebene oder geplante Anlage in Klein Demsin (Jerichower Land, 10 700 Plätze beantragt), Gladau (Jerichower Land, derzeit 50 000 Schweine), Hübitz (Mansfeld Südharz, derzeit 5500 Schweine) und die Erweiterung der Anlage in Wasmerslage auf rund 30 000 Tiere.

Im Fall Wasmerslage, so schlug die Grünen-Politikerin vor, sollten der Landkreis Stendal und die Osterburg mit dem Altmarkkreis Salzwedel und der Stadt Arendsee zusammenarbeiten. „Die Erfahrungen aus Binde sollten für Wasmerslage genutzt werden. Wasmerslage darf kein zweites Binde werden“, hieß es.

Eine Überraschung gab es gestern Abend aus Halle: Auf Nachfrage der AZ erklärte das Landesverwaltungsamt, dass es, wie am 7. November in Binde erklärt, keine Nutzungsuntersagung für die gesamte Anlage, sondern nur für Teile gäbe – für entscheidende Anlagen wie auch Futterküche und Silos. Petra Hennigs von der BI Binde zeigte sich in einer ersten Reaktion verwundert. „Wir haben uns doch am 7. November vor Ort nicht verhört“, so die engagierte Schweinemastgegnerin. Sie vermutet ein Zurückrudern der Behörden.

Von Harry Güssefeld

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