Zwei Gutachten – ein Ergebnis

„Waldheim“: Untere Naturschutzbehörde spricht weiterhin von Kahlschlag

Am Seeufer unterhalb des Waldheimgeländes wurden keine Bäume gefällt, sondern nur Unterholz, Gestrüpp, Unrat und Müll entfernt, sagt die CDU/SPD-Fraktion des Stadtrats Arendsee. 
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Am Seeufer unterhalb des Waldheimgeländes wurden keine Bäume gefällt, sondern nur Unterholz, Gestrüpp, Unrat und Müll entfernt, heißt es. Gutachten sprechen allerdings von Kahlschlag.

Die Proteste gegen die Untersuchungen der Vorgänge unterhalb des Waldheimes dauern an: Kritiker der Nachprüfungen und Ermittlungen erklären den Investoren des „Waldheim“-Projektes uneingeschränkte Loyalität. Die Tasache, dass es sich um illegale Fällungen handelt, wird offenbar ignoriert. Stadträte, die darauf aufmerksam machen, werden auf eine „Kaulitzer Erklärung“ hingewiesen. Dort war während einer Stadtratssitzung einstimmig das Handeln der Investoren abgesegnet worden.

Arendsee (von Harry Güssefeld) – Die Untere Naturschutzbehörde hatte zwischenzeitlich erklärt, dass die Fällungen unterhalb des „Waldheimes“ als Kahlschlag deklariert werden (wir berichteten). Nun hatte der Vorhabenträger mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises abgesprochen, ein eigenes Gutachten hinsichtlich des Baumbestandes am Seeufer in Auftrag zu geben.

Das Gutachten eines Vermessungsbüros bzw. das Aufmaß der betroffenen Fläche wurde vor Ostern dem Landkreis zur Verfügung gestellt. „Laut der übersandten Unterlagen weichen die ermittelten Daten nicht wesentlich von denen der Unteren Forstbehörde (UFB) bzw. Unteren Naturschutzbehörde ab. Es bleibt somit ein Kahlhieb, wie es die UFB auch ermittelt hat“, heißt es in der Antwort auf eine AZ-Anfrage. Somit wäre die Fläche laut Landeswaldgesetz innerhalb von drei Jahren wieder aufzuforsten. Die erhöhte Dringlichkeit der Wiederaufforstung ergibt sich allerdings aus dem Artenschutz, da mit der Holzung Leitstrukturen für Fledermäuse zerstört wurden, welche zeitnah wieder hergestellt werden müssen.

Also geht es nachweislich nicht allein um die Abholzungen, sondern auch um die Zerstörung von Lebensraum der Fledermäuse. Die Fronten im Stadtrat verschärfen sich. Tino Zachhuber (CDU) hatte gar den Rücktritt des Wirtschaftsausschussvorsitzenden Jens Reichardt gefordert. Reichardt reagierte darauf nicht. Als Kreistagsmitglied der Freien Liste hat er in dieser Sache Akteneinsicht bei der Kreisverwaltung beantragt – und sich den Grünen im Kreistag angeschlossen. Ziel der Akteneinsicht sei nicht die Kritik an dem Vorhaben „Waldheim-Resort“, sondern die Klärung, wer offenbar gegen Gesetze verstoßen habe.

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