Vor 180 Jahren begann der Bau des späteren Arendseer Rathauses / Seit 1998 in der heutigen Form

Wahrzeichen der Innenstadt

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Das Arendseer Rathaus ist der zentrale Punkt in der Stadt und als Amtssitz des Bürgermeisters und der Verwaltung zugleich Machtzentrum der Einheitsgemeinde. Im Laufe der Jahre hat sich das Aussehen des Areals immer wieder verändert.

Arendsee. Neben der Klosterkirche und dem Arendsee ist das heutige Rathaus mit seinem Marktplatz eines der meist fotografierten Motive der Seestadt und auf fast allen Postkarten zu finden. Die Geschichte des Rathauses scheint nur auf den ersten Blick gradlinig zu sein.

Denn das Rathaus ist eigentlich gar kein Rathaus, sondern ein Schulhaus – das Arendseer Rathaus war bis 1939 in der Friedensstraße 77. Nur der Marktplatz war schon immer an derselben Stelle.

Vor dem großen Stadtbrand am 26. Juli 1831 war im Bereich des heutigen Marktplatzes eine Straßeneinengung, die „Enge Brüke“ genannt wurde. Diese bildete mit der Rosarien-Gasse ein Viereck aus kleinen Handelsständen. Die Form des Vierecks aus Marktständen entsprach weitgehend der des heutigen Marktplatzes.

Das erste urkundlich erwähnte Rathaus in der Seestadt stammt aus dem Jahre 1289 und stand in der Neustadt, was dem Bereich zwischen dem Horning und dem Stiefelknecht entspricht. Der damalige Flecken Arendsee wurde bis zur Verleihung des Stadtrechts um 1455 von drei Bürgermeistern (Altstadt, Neustadt und Haworth) regiert.

Im Jahre 1576 begann der Bau eines repräsentativeren Rathauses für die Stadt mit zwei Türmen. 1652 wurden diese Türme restauriert und erneuert. Doch am 22. Juli 1707 schlug der Blitz in einem der Rathaustürme ein. 1738 wurde dann das gesamte Gebäude abgebrochen.

Der ursprüngliche Sitz des Bürgermeisters war bis 1939 das Gebäude Friedensstraße 77.

Ab 1738 wurde eine der fünf festen Marktbuden am Markt als Ratsgebäude genutzt. Das Gebäude wurde jedoch 1802 von der Stadt verkauft. Diese Bauten einschließlich der dahinter liegenden Johanniskirche und Stadtschule fielen dem Großbrand vom 26. Juli 1831 zum Opfer. Die Stadtbehörden befanden sich danach in angemieteten Stadträumen in mehreren Häusern, da das Geld für einen Rathausneubau fehlte. Mit dem Bau des heute als Rathaus genutzten Gebäudes als Schulgebäude wurde vor 180 Jahren, 1837, begonnen. Am 1. Oktober 1838 wurde die für damalige Bedürfnisse großzügige und moderne Weiße Schule von Superintendent Oldekop aus Salzwedel eingeweiht. Der klassizistische Bau ist für mehr als 1400 Taler errichtet worden. Da in dem Gebäude auch die Polizeistation untergebracht war, sind auf älteren Postkarten noch die Schildhäuschen der Polizeiwache zu sehen.

Nachdem am 14. Oktober 1938 die jetzige Sekundarschule an der Schulstraße in Anwesenheit zahlreicher Honoratioren mit einem großen Appell vor der Schule feierlich eingeweiht worden war, wurde die Weiße Schule zum Rathaus umgebaut. Östlich und westlich entstanden eingeschossige Nebenbauten, wobei der östliche Teil in Fachwerkbauweise erbaut und lange Zeit als Wohnung genutzt wurde.

Die Nebenbauten waren nicht durchgängig mit dem Hauptgebäude verbunden, sondern durch einen Hof, der von einer Mauer und großen Toren umgeben war, vom Hauptgebäude getrennt. Die Verbindung mit dem Hauptgebäude folgte erst später. Die heutige Form und Aussehen erhielt das Rathaus durch die Sanierung des Gebäudes sowie durch den Umbau des Marktplatzes, was im Dezember 1998 abgeschlossen wurde.

Die Postkarte von 1894 zeigt die damalige Weiße Schule mit dem Kriegerdenkmal. Letzteres wurde 1960 abgerissen.

1841 war die erste Bepflanzung des Marktplatzes mit Linden erfolgt, und bis 1959 bildete das Denkmal für die Gefallenen der Kriege von 1864, 1866 und 1871 / 1872 den Mittelpunkt des Platzes. Da es einigen Stadtvätern nicht in das sozialistische Stadtbild passte, wurde dieses 1960 abgerissen und im abseits gelegenen Rondell der Parkanlagen am Birkenhain gelagert.
Als Mittelpunkt des Platzes dient stattdessen seit 1988 der sogenannte Gänsebrunnen des Magdeburger Bildhauers Dieter Borchardt. Am 8. Juli 1998 erfolgte dann im Zuge der Neugestaltung der Friedensstraße auch der erneute Umbau des Marktplatzes in seine heutige Form.

1998 wurde der Marktplatz umgebaut. Die sieben alten Linden fielen dieser Maßnahme zum Opfer. 

Zum Bedauern vieler Arendseer wurden am 12. August 1998 die im Jahre 1878 gepflanzten sieben alten Linden auf dem Marktplatz gefällt und durch Neupflanzungen ersetzt. Am 18. November wurde das Glockenspiel mit 14 Glocken von Uhrmachermeister Rolf Klietz aus Berkau aufgebaut und der gesamte Markt und die mittlere Friedensstraße am 12. Dezember 1998 während eines Volksfestes eingeweiht.

Von Eckehard Schwarz

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