Risikoanalyse für Einheitsgemeinde Arendsee vom Stadtrat beschlossen

Wackelnden Wehren droht in zwei Jahren das Aus

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Das Klädener Gerätehaus mit angegliedertem Mehrgenerationenhaus an der B 190. In der Risikoanalyse ist es nicht bewertet worden – das sei aber ein Versehen, so Arendsees Stadtwehrleiter Hans-Joachim Hinze auf Nachfrage.

Arendsee. Das Fachleutegremium, welches die Risikoanalyse für die Einheitsgemeinde Arendsee erarbeitet hat, wurde am Montag während der Stadtratssitzung in Sanne gelobt.

Unentgeltlich fleißig sei die Gruppe gewesen – doch schon in der ersten Diskussion wurde deutlich, dass Details fehlerhaft dargestellt sind oder ganz fehlen. Rademins Bürgermeister Lutz Schermer bemängelte, dass die Grundstücke im Außenbereich Rademins nicht berücksichtigt sind, außerdem habe Ortwinkel im Gegensatz zu den Aussagen in der Analyse eine Löschwasserentnahmestelle in Form eines Großteiches. Und: Die Reifen eines Fahrzeuges seien abgefahren. Auch Kerkaus Ortschef Michael Wrana bemängelte falsche Adressen und das Fehlen der Biogasanlage in dem Papier. „Die Risikoanalyse ist kein Dogma, sie wird weitergeführt und dient als Arbeitsgrundlage“, erklärt Horst Bretschneider, Stadtrat und Vorsitzender des Brandschutzausschusses.

Wer die Auflösung von Wehren erwartet hat, die kaum noch Anforderungen an eine Wehr entsprechen, der sucht vergeblich. Dennoch heißt es: „In den Ortsfeuerwehren, wo die Führungspositionen Leiter und Stellvertreter nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre besetzt werden können, hat die Angliederung als Löschgruppe an eine benachbarte und funktionierende Feuerwehr zu erfolgen“.

Die Wackel-Wehren selbst sind nicht benannt worden. Wohl aber Angaben zur Einsatzbereitschaft (innerhalb von 12 Minuten an der Einsatzstelle, zwischen 6 bis 18 Uhr wochentags). So seien die Ortswehren in Fleetmark, Harpe, Rademin, Sanne-Kerkuhn, Schrampe, Vissum, Zießau in diesem Zeitraum zu 0% einsatzbereit, in den Nachtstunden dann aber wieder – wenn auch mit unterschiedlichen Prozentzahlen. „Große Probleme zur Sicherstellung der Tageseinsatzbereitschaft mit Maschinisten bestehen zurzeit bei der Ortsfeuerwehr Fleetmark“, heißt es in der Analyse. Und weiter: „Um dem entgegenzuwirken wird der Gemeindearbeiter und aktive Feuerwehrkamerad aus der Ortswehr Kerkau-Lübbars eingewiesen und eingesetzt“.

Wasser ist das Löschmedium Nummer 1 einer Wehr. Eine Wasserentnahme ist aber in den Ortsteilen Dessau, Molitz Höwisch, Harpe und Lübbars nicht ausreichend, aber gar nicht möglich in Kaulitz (am Bahnhof), in Fleetmark an der Kallehner Straße vor dem Bahnhof, In Binde am ersten Wohnhaus aus Richtung Kläden sowie in Kraatz (Grundstück Benecke) und in Leppin an der Werkstatt in Richtung Neulingen.

Auch die Gerätehäuser sind unter die Lupe genommen worden. Als tadellos wurden Binde, Kaulitz, Leppin, Lüge, Mechau, Rademin und Vissum sowie Zühlen bewertet. Alle anderen sind nicht DIN-gerecht und wurden von der Unfallkasse beanstandet. In der Aufstellung fehlt das Gerätehaus in Kläden, das nicht bewertet wurde.

Ein weiterer Problembereich ist die Gemarkung Rademin. Durch Führungsprobleme und fehlende Ausbildung erwächst aus der Analyse die Forderung, mit der angrenzenden Gemeinde Stadt Kalbe über die Absicherung in der Tagesalarmbereitschaft bei Bränden und Unfällen in dem Bereich zu sprechen. Bei Einigung werden Vereinbarungen abgeschlossen.

Die Risikoanalyse wurde schließlich vom Rat mehrheitlich beschlossen.

Von Harry Güssefeld

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