Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg: Aufsichtsräte und Ex-Vorstände im Visier der Prüfer

Vorwürfe trüben positive Bilanz

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Volles Festzelt in Lüchow: Zur Generalversammlung der Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg kamen über 600 Frauen und Männer, die auch über die Verwendung des Überschusses 2012 abstimmten. Getrübt wurde der Abend durch die Anschuldigungen gegen Aufsichtsräte und Ex-Vorstände.

Lüchow. Die „Neuen“ in der Vorstandsetage der Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg hätten sich am Montag angesichts blendender Zahlen für 2012 zurücklehnen können. Wenn da nicht die Ergebnisse der Sonderprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht wären.

Die Teilnehmer an der Generalversammlung im Lüchower Festzelt erfuhren aus dem Mund des Prüfers Hartmut Bödecker vom Genossenschaftsverband, dass es bei Auslagen und Zuwendungen für die Aufsichtsräte Jürgen Wilkens und Konrad Wernecke sowie die Ex-Vorstände Bernd Weill, Volker Mahnke und Dieter Schulz Auffälligkeiten gab. Es geht im Fall der Aufsichtsratsmitglieder um Sitzungsgelder, die über der Empfehlungsgrenze gelegen haben sollen und bei den Ex-Vorständen um Abfindungszahlungen, die „kaum noch vertretbar“ sind. Bei Dieter Schulz seien die Ansprüche überhöht. Sogar von Kompetenzüberschreitung war die Rede.

Die Fakten lagen nach Ansicht einiger Genossenschaftler zwar auf dem Tisch, aber nicht ausreichend genug, wie beispielsweise Zuhörer Karl Behrens erklärte. Dass Bödecker die Diskussion im Zelt abbrechen wollte, machte ihn wütend. Ebenso reagierte Volker Gries aus Lübbow. Gries wollte es nicht glauben, was die Ergebnisse hergaben, und sah in der geplanten Entlastung des Aufsichtsrates eine Farce. Bödecker nicht – die Sache mit der Sonderprüfung sei nicht Gegenstand der Entlastung für 2012, weil die Untersuchungen nicht abgeschlossen seien. „Man soll also tun, als sei nichts geschehen?“, fragte Gries.

Der Aufsichtsrat wurde mehrheitlich entlastet. Gries selbst wird ab sofort auch in dem Gremium sitzen. Er entschied eine Kampfabstimmung mit Volker Düsing aus Osterburg für sich. 289 Stimmen für Gries, 281 für Düsing. Damit ist der Osterburger raus, Gries bekam aus dem Stand heraus das Vertrauen der Genossenschaftler. Minuten zuvor hatte er den Aufsichtsrat wegen der Vorwürfe enorm in die Kritik genommen.

Der vom Vorstand und Aufsichtsrat bestimmte Rechtsanwalt Dr. Bernd Richter erklärte zu den Vorwürfen, dass „sich niemand Geld in die Tasche gesteckt habe“. Er sehe derzeit keine strafrechtliche Relevanz, die Staatsanwaltschaft sei seiner Ansicht nach noch nicht tätig geworden. Warum erst jetzt diese überdurchschnittlichen Sitzungsgelder im Aufsichtsrat zur Sprache kommen, wollte die AZ wissen. Der Rechtsanwalt dazu: „Die Prüfungen erfolgten jahrelang stichpunktartig. Jetzt wurde es bemerkt.“

Berthold Hilmer, Vorstand der Volksbank, erklärte auf Nachfrage der AZ, inwieweit die Vorwürfe das neue Vorstandsteam treffen: „Für uns ist es ein denkbar schlechter Start.“ Gemeinsam mit Grit Worsch und Hanno Jahn bildet er das Dreigestirn, das angesichts der Zahlen am Montag erfreut sein könnte. Mit einem Bilanzgewinn von 4,922 Millionen Euro sei das Unternehmen weiterhin gut aufgestellt, eine Dividende von 6,5 Prozent (real 407 734 Euro) wird ausgezahlt. Die Investitionen in Höhe von 6,5 Millionen Euro in Thüritz und Goldbeck haben sich dem Geschäftsbericht nach ausgezahlt. Die Annahmemengen von Getreide haben sich demnach in Thüritz mit 25 000 Tonnen verdoppelt. Zudem konnten fünf Arbeitsstellen und zwei Ausbildungsstellen in Goldbeck neu geschaffen werden, in Thüritz sind es sechs neue Stellen und zwei Azubi-Plätze.

Inzwischen ist auch die ehemalige Filiale des Dachdeckereinkaufs Braunschweig in Osterburg/Schilddorf gekauft und zu einem modernen „Bau- und Dachdeckerzentrum Osterburg“ ausgebaut worden, erklärte Vorstand Grit Worsch.

Die Bankfiliale in Seehausen ist umgebaut. Für 450 000 Euro, hauptsächlich durch Firmen aus der Region. Für Woltersdorf dagegen gibt es einige Veränderungen. Nur noch zwei Tage in der Woche wird das bisherige Servicegeschäft organisiert, was einen Genossenschaftler am Montag erregte. „Vergessen sie nicht die ländliche Region“. Er kritisierte die mangelnden Investitionen in Woltersdorf, was auch die Landwirte schon über Jahre bemerkten.

Von Harry Güssefeld

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