Maler Fritz Gentsch vor 75 Jahren gestorben

Seiner Heimat Arendsee ein Denkmal gesetzt

Ein historisches Schwarz-weiß-Foto zeigt eine Frau und einen Mann in zu ihrer Zeit üblichen Bekleidung und Pose.
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Fritz Gentsch mit seiner Ehefrau im Jahr 1936 an seinem 70. Geburtstag.
  • vonStephan Ernst
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Friedrich Louis Albert Gentsch, wie er mit vollen Namen hieß, wurde am 30. August 1866 in Arendsee geboren. Sein Vater Johann Ernst Gentsch wohnte mit seiner Familie in der Koloniestraße und war Lohngerber in einer Arendseer Gerberei, später auch Pferdepfleger im Remontedepot. Seine Mutter Johanne Dorothee Elisabeth, geb. Friedrichs, verstarb bereits, als Friedrich gerade sieben Jahre alt war.

Arendsee – Erst relativ spät, etwa um das Jahr 1926 begann Fritz Gentsch Bilder zu malen und auch zu verkaufen. Er hatte dieses Handwerk nicht erlernt und war reiner Autodidakt, trotzdem brachte er es zu einer relativ hohen Meisterschaft. Sein wohl beliebtestes Motiv war der Arendsee, was ihm bald den Kosenamen „Fritz Amsee“ einbrachte. Besonders die romantischen Bilder mit der Klosterkirche zeugen von einer sehr einfühlsamen Motivwahl und Bildgestaltung.

Da er sehr vielseitig war, kann der Kunstfreund vom stimmungsvollen Stilleben bis zum berühmt berüchtigten röhrenden Hirsch alles entdecken. Er zeichnete, wenn auch oft sehr frei, was bestellt wurde. So entstanden über 50 heute noch nachweisbare Bilder, zumeist mit Motiven rund um den Arendsee. Die Malerei war immer Gentschs große Leidenschaft, doch ist er auch als Heimatdichter und Heimatforscher in der Erinnerung vieler Arendseer geblieben.

Die Klosterruine am Arendsee war auch für Fritz Gentsch ein bevorzugtes Motiv. Unsere Darstellung zeigt ein Ölbild aus dem Jahr 1941.

Obwohl er nicht Mitglied der Schützengilde war und nur vom 16. Januar 1906 bis zum 25. Oktober 1936 als passives Mitglied dem Arendseer Männerchor angehörte, beeinflusste er durch die unterschiedlichsten Aktivitäten das Vereinsleben, der damals beiden größten Vereine der Stadt nachhaltig. So schrieb er unter anderem das erste Arendseer Heimatlied „Wenn am blauen Arendsee leis´ die Wellen rauschen“, zu dem der Kapelleiter Adolf Kamieth den Tonsatz schrieb.

Auch für die jährlichen Schützenfeste der Arendseer Schützengilde hat Fritz Gentsch seit dem Jahre 1932 die Lieder und Texte zur Königstafel geschrieben. Dabei textete er gekonnt lustige Stadtereignisse zum Teil in Plattdeutsch auf bekannte Melodien. Die großen Umzüge zu den Schützenfesten gestaltete er aktiv mit. Sein „Meisterwerk“ hierbei war der Festumzug zum Heimatfest aus Anlass der 100-Jahr-Feier des Stadtbrandes am 26. Juli 1931, den er maßgebend mitgestaltete. Die gelungene Festzeitung zu diesem Anlass ist noch heute eine wichtige Quelle der Heimatgeschichte.

Bereits 1895 gründete Fritz Gentsch seine erste Firma, ein „Atelier für gestickte und gemalte Vereinsfahnen und Banner. Sein eigenes Malergeschäft eröffnet er jedoch erst nach der Meisterprüfung um 1910. Auf seinen Rechnungsköpfen aus jener Zeit bietet er die Ausführung jeder Art von Dekorations- Malereien (Säle, Kirchen, Bühnen, Glasfirmen etc.) an und verweist auf sein großes Lager von Tapeten, Stuck- Rosetten und Borden. Erhalten haben sich Wandbilder in einem Haus in Zühlen sowie in Fleetmark.

Eines der großen Verdienste von Fritz Gentsch für die Stadt Arendsee war die Einrichtung des ersten Heimatmuseums. Es wurde im Juni 1931 im oberen Teil des Kreuzganges nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung eröffnet.

Das kulturelle und künstlerische Lebenswerk von Fritz Gentsch existiert in Arendsee durch seine Bilder und Schriften auch heute noch weiter. In der Fachwelt wird er neben Carl Johann Heinrich Krüger und Carl Albin Wilhelm Müller, genannt C. A. Mülhardt, zu den bedeutenden Künstlern Arendsees gerechnet. Postum erhielt er im Juni 1991 den ersten Kunst- und Kulturpreis der Stadt Arendsee.

Er starb vor 75 Jahren am 25. April 1946 im Alter von 80 Jahren, seine Frau folgte ihm am 28. August 1955. Das Ehepaar ist auf dem Arendseer Stadtfriedhof beigesetzt. (Eckehard Schwarz)

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