Keine Kameraden per Zwang

Verwaltung in Arendsee lehnt weiterhin unfreiwilligen Dienst in der Wehr ab

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In Thielbeer ist das Gerätehaus ein Denkmal aus längst vergangener Zeit.

Arendsee – Den Feuerwehren gehen die Kameraden aus. Das ist seit Jahren ein Problem. Zum einen ist es der demografische Wandel, zum anderen aber auch die fehlende Bereitschaft, in der Wehr freiwillig Dienst zu tun.

Die Schlussfolgerung aus der Tatsache: Kleine Wehren, die nicht mehr aktiviert werden können, zu schließen.

Das, was in Lüchow-Dannenberg vor Jahren unter viel Stress erfolgreich praktiziert wurde, wird in Arendsee nicht thematisiert. Nur, wenn es gar nicht mehr geht, wie im Fall Rademin, erledigt es sich von allein. Oder in Vissum, wo das Wehrsterben noch einmal abgewendet werden kann, weil sich junge Leute bereit erklärt haben, in die Reihen der Wehr einzutreten. Das wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Doch es ist nicht die Regel, dass es junge Leute sind.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit, Menschen zum Dienst in der Feuerwehr zwangszuverpflichten. „Ja, wir wissen das. Die Kommune ist Träger des Brandschutzes. Wenn man nicht klarkommt, könnte man dieses Mittel anwenden“, so Arendsees Haupt- und Ordnungsamtsleiter Andreas Koch auf Nachfrage der AZ. In Arendsee hatte es Mitte der 90-er Jahre kurzzeitig diese Diskussionen gegeben. Und zwar in Thielbeer, erinnert sich Koch.

Damals brach die Wehr auseinander. Es gab keine funktionierende Einsatzgruppe mehr. Was tun, hieß es damals. Es war die Rede von Zwangsverpflichtung, doch man verzichtete darauf und rettete sich, weil die damalige selbstständige Gemeinde ja noch aus einem weiteren Ortsteil – Zühlen – bestand. Und in Zühlen engagierte Kameraden arbeiteten, die den Brandschutz für Thielbeer mit übernahmen. „Wir sind heute auch noch der Ansicht, dass Zwangsverpflichtungen nichts bringen“, so Koch, „wer nicht will, kann der Wehr auch nicht dienlich sein“, sagte er weiter.

Die Ortswehr Arendsee könnte noch sehr gut Leute gebrauchen. Die Wehr mit den meisten Einsätzen ist oft leidgeprüft, doch Dank derer, die dabei sind, klappt es noch immer. Auch Dank des Rondevouz-Systems, dass zu einem Ernstfall immer mehrere Wehren alarmiert werden. Oft sind es auch zu viele – doch besser zu viele, als zu wenige Einsatzkräfte.

In Arendsee konnte sich auch die oft zitierte Idee nicht durchsetzen, dass alle Stadtbediensteten mit ausreichender Gesundheit Feuerwehrmitglieder sein sollten.

Zu den Orten, die zur Ausübung des Brandschutzes Bürger zwangsverpflichteten, gehört Grömitz. Sie hatte acht Männer zum unfreiwilligen Pflichtdienst verdonnert. Doch der dortige Gemeindewehrführer hat Verständnis für die Vorbehalte: „Wenn die Leute Feuerwehr toll fänden, wären sie ja freiwillig da“. Dennoch könne man auf die Männer nicht verzichten: Bei 120 bis 130 Einsätzen pro Jahr wäre sonst die Einsatzbereitschaft nicht mehr garantiert. Berufsfeuerwehren sind weder in Arendsee noch in Grömitz ein Thema: Die gibt es erst bei 80 000 Einwohnern. Also niemals.

VON HARRY GÜSSEFELD

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