Woanders geht es mit Vertrauen

Versorgungskisten wie in der Sächsischen Schweiz in Arendsee kaum denkbar

Eine Versorgungskiste mit Getränken und Süßigkeiten auf Vertrauensbasis in der Sächsischen Schweiz.
+
Eine Versorgungskiste mit Getränken und Süßigkeiten auf Vertrauensbasis in der Sächsischen Schweiz. Ein Angebot der Einheimischen an ihre Gäste.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
    schließen

„Im wunderschönen Wald der Sächsischen Schweiz taucht völlig unvermittelt eine nette und vertrauenswürdige Geste der Einheimischen auf“, erzählt der Ex-Arendseer und heute bei Winsen / Luhe lebende Paul Deuschle gegenüber der AZ. „Ein liebevoll gestalteter Ort mit Getränken und Snacks, die vorgehalten werden. Auch an Schachspieler und Hunde sei gedacht worden. Man vertraut darauf, dass alle die, die sich bedienen, auch in die vorgesehene Dose einwerfen.

Arendsee – „Diese Vertrauensbasis wirkt aus der Zeit gefallen. Und das sagt mehr über die Menschen aus, die zu Besuch kommen, als jene, die die Idee zu diesem Ort hatten“, sinniert Paul Deuschle. Die Einheimischen nennen diese Aktion dort „Buschbank mit Durstlöscher“, und im Gespräch mit Wanderern vor Ort habe man nur Gutes darüber erfahren.

Es scheint zu funktionieren, denn einige der Anlagen haben schon einige Tage hinter sich und sind dennoch in einem noch guten und funktionierenden Zustand.

Paul Deuschle liebt auch den Arendsee. Oft kommt er an das Gewässer, umrundet es und erlebt so seine Heimat immer wieder neu. Er ist Realist, wenn er gefragt wird, ob er sich diese Art der kleinen Versorgung auch rund um den Arendsee oder auch an Radwegen in der Region vorstellen könnte.

Dass sie unbedingt hilfreich sind, auch angesichts der fehlenden Versorgungseinrichtungen auf den Dörfern, sei unbestritten. Doch diese Art, den Wanderern einen Gefallen zu tun und selbst vielleicht einige Cent daran zu verdienen, kann er sich leider nicht in Arendsee vorstellen. Was in der Sächsischen Schweiz erfolgreich läuft, dürften einige Zeitgenossen in der Altmark nicht so sehen.

Der Versuch, Menschen mit Erfrischungen zu versorgen, schlug bereits nicht nur einmal fehl. Kühlautomaten waren aufgestellt worden, nahe der Kaskade und am Arendseer Regattaverein. Beide wurden demoliert (wir berichteten). Initiator Tom Klein sah sich enttäuscht angesichts der Aktionen, für die Wanderer und Spaziergänger ein Angebot zu schaffen.

Und so bleiben Erfahrungen aus anderen Tourismusgebieten schöne Erinnerungen. Und die Frage, warum es anderswo funktioniert und in Arendsee nicht, wird keiner beantworten können oder wollen. „Eine Region muss ihre Gäste uneingeschränkt willkommen heißen, dann werden auch solche Dinge akzeptiert“, so Paul Deuschle.

Ideen für den See gibt es noch mehr. Manche wurden umgesetzt, manche stecken im Papierkram fest, und andere werden wohl Wunschgedanke bleiben.

Stadträtin Vilja Hanke beispielsweise hat eine klare Meinung: „Arendsee braucht Attraktionen.“ Diese Aussage kombinierte sie mit Fotos von Eis-Rikschas. Diese könnten auf dem Seeweg nach hungrigen Gästen Ausschau halten. Dazu müsste sich freilich ein Anbieter finden. Genauso übrigens für die Strandgaststätte.

Mit anderen, selbst angetriebenen Vorhaben hing die Arendseerin bislang fest: So berichtete sie der AZ von der Möglichkeit, Igluhäuser in Seenähe zu errichten. Was bislang dagegen spricht: der örtliche Bebauungsplan, der die Gegend als Grünland ausweist. Entsprechend dick ist der Briefwechsel mit den zuständigen Behörden.

Immerhin: Das Kettensägenkünstlerwochenende hat stattgefunden – und die am Seeweg stehenden Figuren sind bislang vom Vandalismus verschont geblieben. Dafür war vor einigen Wochen das Holzschutzstreichkommando Nadine Schütte und Philipp Fölsch da.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare