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Ukrainische Kriegsflüchtlinge sind bei Baasners in Kläden untergekommen

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Von: Detlef Güssefeld

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Michael (v.r.) und Mandy Baasner aus Kläden haben die ukrainischen Flüchtlinge Peter, Ljuda, Ira und die kleine Katja aufgenommen. Die Osteuropäer sind vor dem Krieg in ihrem Heimatland geflohen.
Michael (v.r.) und Mandy Baasner haben die ukrainischen Flüchtlinge Peter, Ljuda, Ira und die kleine Katja aufgenommen. Die Osteuropäer sind vor dem Krieg in ihrem Heimatland geflohen. © Freier Mitarbeiter

Sie sind glücklich, dem Krieg in der Ukraine entronnen zu sein. Im Gespräch mit der AZ erzählt Ira (36) über ihre Flucht aus der Region Kiew. Gemeinsam mit ihrer Tochter Katja (6) hatte sie sich auf den Weg gemacht – bis Prag mit dem Zug und von dort aus weiter mit dem Bus nach Berlin.

Kläden – Zeitgleich war Michael Baasner in Kläden nach Berlin gefahren. „Ich habe im Fernsehen gesehen, was dort los war. Ich musste einfach etwas machen“, so der Klädener. Und am 7. März traf er in Berlin ein. Er sah das Chaos, sah die vielen Menschen, die nicht wussten, wohin sie sollten. „Da waren Hilfsangebote, aber für die vielen Menschen reichte das nicht aus“, so Michael Baasner. Und so kam es zur zufälligen Begegnung mit Ira und ihrer Tochter.

Er nahm sie mit nach Hause, mit seiner Frau Mandy war alles abgesprochen. „Wir sind so glücklich, hier zu sein. Die Leute haben ein großes Herz“, sagt Ira im Gespräch mit der AZ. Auf Russisch, mit etwas Deutsch. Es klappt. Auch dank eines Übersetzungsprogramms. Ira arbeitete in Kiew als Rechtsanwältin am obersten Gericht, ihren Mann musste sie in der Ukraine lassen. Er ist dort Polizist. Per Internet können sie sich sprechen; die Voraussetzungen für Bildtelefonie gibt es derzeit im Gebiet Kiew nicht. Sie hoffen, dass sie sich irgendwann wiedersehen.

Zur Flucht entschlossen hatte sich die Mutter mit ihrer Tochter, als die Raketen einschlugen. Im Keller mussten sie ausharren, das zerrte an ihren Nerven. Nur raus wollten sie. Und es klappte. Bei Baasners haben sie Ruhe. Räume, in denen sie leben können. Gemeinsam kochen sie, Bortsch und Pelmeni, auch eine Pizza gab es.

Für die Tochter geht es bald in die Schule, in die Grundschule nach Arendsee. Die Absprachen sind getroffen, stundenweise wird die kleine Katja dort anwesend sein. Und Deutsch lernen, gemeinsam mit ihrer Mutter, die die Stunden mit dabei sein kann. „Wir danken allen, die uns unterstützen“, so Michael Baasner. Er nannte dabei die Grundschule, die Stadt Arendsee, die Verantwortlichen in Salzwedel und die DRK-Stelle in Seehausen, wo es viele Sachspenden gab. Denn die Flüchtlinge hatten nur das, was sie am Leib hatten. Und eine Tüte mit dem Wichtigsten.

„Werden Sie wieder nach Hause fahren, wenn der Krieg vorbei ist?“, wollte die AZ wissen. Ira wird nachdenklich. „Wenn es einen Ort gibt, wo wir dann wohnen können und nicht alles kaputt ist, dann ja“, sagt sie. Es scheint, als würden sie sich für länger in Kläden einrichten. Baasners wissen das und unterstützen diese Entscheidung.

Große Freude dann am 13. März. Michael Baasner fuhr noch einmal nach Berlin und holte die Großeltern der kleinen Katja ab. Peter (66) und Ljuda (65) sind nun auch sicher in Kläden. Zu viert leben sie auf dem Hof bei Baasners. Traurig sind sie, aber auch glücklich, dass sie es aus dem Krieg herausgeschafft haben.

In Kürze sollen weitere Flüchtlinge in Kläden eintreffen. Und irgendwie freuen sich die vier, denn dann sind noch weitere Landsleute in ihrer Nähe. „Wir können hier eine Familie sein. Dafür sind wir unendlich dankbar“, sagt Ira. Und ist angesichts der Unterstützung fast sprachlos. Für Michael und Mandy Baasner eine Selbstverständlichkeit, wie sie sagen. Sollte jemand bereit sein, die kleine Familie zu unterstützen, dann könne er oder sie das tun, hieß es.

Hunderttausende sind derzeit auf der Flucht. Im Fernsehen laufen Berichte über den Krieg. Sie haben ihre Heimat erst einmal verloren, aber sie haben sich. Und sie beten für den Vater und Ehemann.

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