Trotzdem ist Müllvermeiden bei der Stadt Arendsee kein Thema

In Arendsee: Tausende Euro für die Tonne

Müllbehälter am Schramper Eck: Wegwerfplastik wie dieses belastet nicht nur die Umwelt, sondern zunehmend auch die Kasse der Stadt Arendsee.
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Müllbehälter am Schramper Eck: Wegwerfplastik wie dieses belastet nicht nur die Umwelt, sondern zunehmend auch die Kasse der Stadt Arendsee.

Arendsee – Als die Luftkurort Arendsee GmbH in der letzten Novemberwoche ihre Finanzplanung 2021 vorstellte, klagte die kommissarische Geschäftsführerin Sonja Nowak unter anderem über stark gestiegene Kosten für die Müllentsorgung.

Im Jahr 2016 lagen diese noch bei rund 8000 Euro, zwei Jahre später bezahlte das Unternehmen mehr als 13.000 Euro für Müll – und 2019 waren es schließlich knapp 12.000 Euro.

Der Müll ist damit ein erheblicher Posten bei einem Betrieb, der seine Geschäftsjahre schon mehr als einmal mit fünfstelligen Verlusten abgeschlossen hat. Da das Unternehmen eine 100-prozentige Tochter der Stadt Arendsee ist, muss diese die Finanzlöcher aus der Stadtkasse stopfen. Das Geld fehlt dann für andere Projekte.

Müll zu vermeiden und dadurch die Entsorgungskosten zu senken, wurde im Rathaus dennoch bislang nie diskutiert. Bürgermeister Norman Klebe jedenfalls verneint die Frage, ob er gemeinsam mit der aktuellen oder der früheren Geschäftsführung der Luftkurort Arendsee GmbH jemals überlegt habe, wie das Müllaufkommen im Strandbad und auf dem Campingplatz verringert werden könnte.

Dort wurde bisher laut Geschäftsführerin Nowak von Pächtern, die kleine Imbisse verkauften, Wegwerfgeschirr aus Plastik verwendet. Das landete hinterher zumindest teilweise in den Müllcontainern des städtischen Unternehmens und belastete somit neben der Umwelt auch die Stadtkasse.

Er halte die Müllkosten im Haushalt der Stadt Arendsee insgesamt für vernachlässigenswert, sagt Bürgermeister Klebe dazu, der immerhin in einer Stadtratssitzung im Oktober 2019 wegen der Verschuldung noch vor einer drohenden Zwangsverwaltung der Stadt gewarnt hatte.

Eine Zahl, was die Stadt Arendsee jährlich insgesamt für Müllentsorgung ausgibt, konnten auf Nachfrage der AZ jedoch weder er noch seine Kämmerin nennen – das herauszufinden sei zu kompliziert, hieß es. Eine Strategie zur Müllvermeidung fehlt nicht nur für die Luftkurort Arendsee GmbH, sondern auch für die Stadt Arendsee selbst. Das sei bislang noch nie ein Thema gewesen, so der Bürgermeister.

Anders etwa in Tübingen. Diese Stadt weiß, dass sie allein für die Beseitigung von Verpackungsmüll jährlich mehr als 700 000 Euro bezahlt und hat deshalb beschlossen, zukünftig eine Steuer auf Einwegverpackungen zu erheben. Daran hält sie fest, obwohl ab dem nächsten Sommer Strohhalme, Besteck, Teller, Tassen und Becher aus Einwegplastik bundesweit verboten sein werden. „Dieses Verbot betrifft leider nur einen kleinen Teil des Verpackungsmülls. Burger-Schachteln, Nudelboxen, fast alle To-go-Becher und vieles mehr sind weiterhin nicht betroffen. Die Verschwendung von Ressourcen und die Vermüllung durch diese Einwegverpackungen bleiben bundesweit erlaubt“, stellt die Pressestelle der Tübinger Stadtverwaltung klar. Dagegen brauche es weiterhin ihre kommunale Verpackungssteuer.

In Arendsee sehen die politischen Entscheidungsträger dafür bislang keine Notwendigkeit. Bei Sonja Nowak flatterte unterdessen die nächste Preiserhöhung ins Haus: 2021 wird der Müll um sieben Prozent teurer. (Von Beate Achilles)

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