Phosphor im Blick: Wasserproben werden aus verschiedenen Tiefen gezogen

Studenten gehen dem Arendsee auf den Grund

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Die Studenten sammelten gestern an der Badestelle unterhalb der Kaskade Daten und installierten Geräte im See. Sie sind noch bis Freitag unterwegs und haben weitere Punkte im Blick. Dazu gehört die Messtelle im Uferbereich unterhalb vom Gustav-Nagel-Weg.

Arendsee. Junge Erwachsene, die mit Wathosen und Gummistiefeln eifrig dabei waren, verschiedene Geräte in Position zu bringen und dabei immer wieder Notizen machten. Dieser Anblick warf gestern bei Passanten unterhalb der Kaskade die Frage auf: Was passiert dort?.

Dr. Jörg Lewandowski zeigt eine Konstruktion, mit der Wasserproben gezogen werden können. 

Die Antwort darauf gab Dr. Jörg Lewandowski. Der Arbeitsgruppenleiter für Ökohydrologie am Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin ist mit seinen Kollegen dabei, Proben zu entnehmen. Ins Blickfeld rückt aber nicht das See-, sondern Grundwasser. Dort, wo sich den Sommer über Badegäste tummeln oder Winterschwimmer die Kälte genießen, wurden seltsam anmutende Gerätschaften, die zum Beispiel aus Röhren bestehen, in den Boden der „blauen Perle“ gesteckt. Ab 50 Zentimeter Tiefe im Sediment wird von Grundwasser gesprochen. Dies hat eine konstante Temperatur von zehn Grad, während das Wasser darüber schwankende Werte aufweist. Derzeit sind es knapp sechs Grad. Dies ist ein Unterscheidungsmerkmal.

Unter diesen Deckeln wurde verschieden tief gebohrt.

Mit am Arendsee sind Studenten der Humboldt-Universität Berlin. Diese können in der Praxis ausüben, was sie bei Vorlesungen theoretisch gelernt haben und wenden gemeinsam verschiedene Methoden an. Dabei wird aber nicht nur der Seeboden genutzt. Auch Proben aus tieferen Schichten sind nötig. Dafür wurde vor Jahren in die Liegewiese unterhalb der Kaskade gebohrt. 9,2; 21,8 und 30,9 Meter waren erreicht worden. Aus den Tiefen wird Grundwasser gepumpt. Zunächst werden die Öffnungen gelehrt, damit das fließende nasse Element nach oben kommt. Denn es gilt, die Untersuchungen nicht zu verfälschen. Die Daten werden jedes halbe Jahr gesammelt und dokumentiert. Damit können ökologische Entwicklungen nachvollzogen werden.

Ein Hintergrund ist der Phosphorgehalt im Arendsee, der Wissenschaftler inzwischen seit Jahrzehnten sorgen bereitet. Phosphor bietet Algen eine Nahrungsgrundlage, die wiederum für Badegäste gesundheitliche Risiken bergen. In der Vergangenheit kam es deshalb zu vom Gesundheitsamt ausgesprochenen Warnungen. Die Experten haben durch das regelmäßige Nutzen der vorhandenen Messstellen herausgefunden, dass Grundwasser mit Phosphorbelastung unterhalb der Stadt in die „blaue Perle“ fließt (AZ berichtete).

Das Land als Eigentümer des Sees plant seit Jahren, den Phosphorgehalt mit chemischen Mitteln zu senken. Doch um dieses Thema ist es ruhig geworden. Der Verein „Arbeitsgemeinschaft Arendsee“ will dies wieder ändern und die Öffentlichkeit mit Informationen versorgen. Und zwar mit einer Tagung am 23. Juni, bei der Fachleute zu Wort kommen.

Von Christian Ziems

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