1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Arendsee

Die Stasi und kein Ende

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Gisbert Matuczozak (r.) fasste sich ein Herz und beantragte seine Stasiakte. Dr. Wolfgang Laßleben von der Stasiunterlagenbehörde unterstützte ihn während der Sprechstunde.
Gisbert Matuczozak (r.) fasste sich ein Herz und beantragte seine Stasiakte. Dr. Wolfgang Laßleben von der Stasiunterlagenbehörde unterstützte ihn während der Sprechstunde. © Güssefeld

gü Arendsee. Es war gestern gegen 10. 30 Uhr. Dr. Wolfgang Laßleben machte seinen zwölften Strich ins Protokoll – so viele Arendseer waren schon bei ihm, um Akteneinsicht zu beantragen.

Der Mann von der Stasi-Unterlagenbehörde Sachsen-Anhalt spricht von einem Trend, der andauert. Auch 25 Jahre nach der Wende gibt es noch immer Bürger, die wissen wollen, wer was über sie gesammelt und wer sie verpfiffen hat.

Zu den Arendseern, die sich erst jetzt dazu durchgerungen haben, ihre Akten zu sehen, gehört Gisbert Matuczozak. „In Gesprächen hat man mir immer Mut gemacht, das zu tun. Nun mach ich es“, sagte er gestern der AZ, bevor er sich von Dr. Laßleben den Antrag aushändigen ließ. Nur wenig ist auszufüllen, bei dem Punkt, alle Wohnanschriften vor 1990 aufzuzählen, kommen manche schon ins Schwitzen. Doch das ist für die Unterlagenbehörde dringend notwendig, um erfolgreich suchen zu können.

Denn jede Kreisdienststelle der Stasi sammelte selbst. Und der Vorgang, alles aufzuarbeiten, sei noch längst nicht abgeschlossen, hieß es gestern. „Es geht insbesondere um vorvernichtetes Material, was nach und nach aufgearbeitet wird“, so Dr. Laßleben. Und weil immer wieder neues Material dazukommen kann, gibt es auch die Möglichkeit, einen zweiten Antrag zu stellen. Derzeit sind es rund 10 bis 15 Prozent aller Antragsteller, die davon Gebrauch machen.

Dass auch ältere Menschen zu ihm kommen, kann er nur dadurch erklären, dass sie nun Zeit haben, sich ihrer Geschichte zu widmen. „Oft sind es die Enkel, die Fragen stellen. Und die Großeltern wollen sie ihnen beantworten“, hieß es gestern.

Nach der Antragstellung bekommen die Menschen rund ein halbes Jahr später Informationen, ob Material über sie vorhanden ist. „Dann dauert es noch gut drei Jahre, bis man seine Akten nach Hause geschickt bekommt“, erklärt Dr. Laßleben. Bei einer Akte über 85 Seiten wird der Bürger zur Einsichtnahme eingeladen.

Auch interessant

Kommentare