Verlust von landwirtschaftlichen Flächen

„Zu viel Ackerland wird überbaut“

Roland Karsch, Stadtrat in Salzwedel
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Roland Karsch, Stadtrat in Salzwedel

Nach Auffassung von Salzwedels Stadtrat Roland Karsch (AfD) wird zu viel Ackerland für andere Nutzungen zweckentfremdet. Er will Auswüchse stoppen.

Wer durch die Altmark fährt, der findet nicht nur eine große Anzahl von Windkraftanlagen, sondern auch Solarparks. Größere, wie bei Hassel (bei Stendal), oder auch kleinere, wie in Arendsee am Wasserwerk oder wie aktuell geplant in Lüge. Die Euphorie der alternativen Energieerzeugung treibt seltsame Früchte, ist sich Salzwedels Stadtrat Roland Karsch (AfD) sicher. „Es sei mir gestattet, eine Meinung dazu zu haben, auch wenn ich Stadtrat in Salzwedel bin“, so Karsch. Das Überbauen von landwirtschaftlichen Flächen, immer mehr, das nervt den Kommunalpolitiker, der bei der Thematik auch über den Tellerrand hinausschauen will.

Die Zahlen, so Karsch, sprechen für sich. Demnach ist der Flächenhunger derart groß, dass jedes Jahr rund 50000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche an andere Nutzarten verloren gehen, erklärte jüngst Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Und in dem Zusammenhang erklärte sie auch, dass Flächen immer mehr zu Spekulationsobjekten werden. Was für Anleger ein gutes Geschäft sei, sei eine Gefahr für die Landwirtschaft. „Man weiß es in der Regierung, aber man tut seit Jahren nichts dagegen“, so Karsch im Gespräch mit der AZ. Die Aussage von Klöckner, dass die Landbesitzer die Landwirte verdrängen, sei ein Alarmzeichen für ihn.

Immer mehr fehlende Ackerflächen würden dazu führen, dass Deutschland immer mehr die Möglichkeit verliere, seine Menschen ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. „Alle wissen, dass Kartoffeln auch aus Ägypten oder Marokko kommen“, sagte Karsch. Und es ist kaum zu verstehen, dass die Landwirte hierzulande Geld für Brachflächen bekommen und wir uns irgendwann von Lebensmittelimporten abhängig machen könnten“, erklärte Roland Karsch.

Flächen würden nicht nur für alternative Energien, sondern auch als Bauland missbraucht. Wohngebäude wachsen auf einstigen landwirtschaftlichen Flächen. Und das täglich. „Landwirtschaftliche Flächen nehmen täglich ab. Dagegen muss die Politik einschreiten und nicht nur diskutieren“, sagt Karsch. Menschen, die sich gegen die Zupflasterung von landwirtschaftlichen Flächen wehren wollen, werden schnell abgestempelt. Weisen sie auf die Auswirkung auf die Natur hin, werden sie oft nur durch die Begründung, es stünden auch wirtschaftliche Interessen im Raum, mundtot gemacht.

Roland Karsch sieht die Entwicklung im Altmarkkreis kritisch. Immer wieder wird die Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen gestellt. Es gibt keine Beispiele, wo Gegner derartige Anlagen verhindern konnten. Jüngstes Beispiel Lüge: Auf 15 Hektar werden zwölf Hektar landwirtschaftlicher Fläche überbaut. Ein ortsansässiges Agrarunternehmen hat die Fläche zur Verfügung gestellt – das hatte für Proteste bei der Vorstellung des Vorhabens im Ortschaftsrat Fleetmark gesorgt. Und es geht weiter: In Schernikau wird eine weitere Anlage geplant. „Wir müssen das regeln, sonst wird hier ringsum alles zugebaut“, meint Karsch.

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