Austritte nun doch öffentlich begründet: Extra-Budget wird geschaffen

Stadt will Gleichheit bei Vereinshilfe

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Die Altmark-Classic-Rallye gehört zu den Besuchermagneten in Arendsee. Sie wird vom Tourismusverein Arendsee und Umgebung organisiert. Dies sei für die Kommunalpolitiker zu wenig, um einen Jahresmitgliedsbeitrag von 1800 Euro zu rechtfertigen.

Arendsee. Es sei nicht das Ziel, die Arbeit des Ehrenamtes zu schmälern und Geld zu sparen: Bürgermeister Norman Klebe reagierte gestern auf den Artikel über Kündigungen von Mitgliedschaften. Die Kommune will aus sechs Vereinen austreten (AZ berichtete).

Diese Entscheidung fiel ohne Öffentlichkeit. Das Stadtoberhaupt begründete nun aber offen jeden einzelnen Austritt. Mit dem eingesparten Geld von rund 2400 Euro soll ein Budget aufgestellt werden. Aus diesem können Vereine alljährlich profitieren. Aber nur, wenn sie einen Antrag stellen. Dann entscheiden die Kommunalpolitiker, wer wie viel erhält.

Unzufriedenheit

Größter Posten war bisher der Tourismusverein Arendsee und Umgebung. Die Kommune bezahlte als Mitglied alljährlich 1800 Euro. Damit ist nun Schluss. Norman Klebe machte keinen Hehl daraus, dass er mit dem Umfang der Aktivitäten der Ehrenamtlichen unzufrieden ist. Der Verein habe sich aus dem Erstellen des Gastgeberverzeichnisses genauso wie vom Betreuen der Arendseer Internetseite zurückgezogen. Beides wurde von der kommunalen Luftkurort Arendsee GmbH übernommen. Bleibt noch die beliebte Veranstaltungsreihe Altmark-Classic-Rallye. Dies sei für den Mitgliedsbeitrag aber zu wenig, wie Norman Klebe betonte. Zudem habe es Unklarheiten mit Blick auf Wahlen und finanzielle Berichte gegeben. All dies führte zum Ergebnis: Die Stadt will raus aus dem Tourismusverein, bleibt aber weiterhin im altmarkweit aktiven Tourismusverband.

Der Rückzug aus dem Trägerverein des Kinder- und Jugenderholungsheims (250 Euro pro Jahr) habe damit zu tun, dass die Einrichtung in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr wirtschaftlich ausgerichtet wurde und das Ehrenamt nicht die Hauptrolle spiele. Ein weiteres Argument des Stadtrates: Wenn die Kommune Mitglied bleibe, müsse sie sich auch beim DRK (Kurklinik) und dem Paritäter (Integrationsdorf) einklinken.

Das Gleichbehandeln von Vereinen spielt zudem bei den übrigen Betroffenen die zentrale Rolle. Dazu gehört der Förderverein der Feuerwehr Kläden (250 Euro). „Wie soll ich den Arendseern erklären, dass wir bei ihnen nicht mitmachen?“, so Norman Klebe. Das Geld für Kläden floss in den Bereichsausscheid, der immer wieder im Dorf organisiert wird. Doch dafür gibt es nun eine eigene Kostenstelle im Haushalt der Gemeinde.

Keine Ausnahmen mehr

Bei „De Dörpstroat“ Neulingen (30 Euro pro Jahr) und dem Förderverein „Kloster Arendsee“ (20 Euro pro Jahr) gelte ebenfalls dieses Prinzip, so Klebe. Sonst müsste der Luftkurort bei allen Ehrenamtlichen mitmachen. Unberührt bleiben 6000 Euro. Dieses Geld bekommt der Klosterverein alljährlich, weil er das städtische Grundstück mit Heimatmuseum betreibt.

Verein wird aufgelöst

Eine Besonderheit gibt es bei der Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“. Der Vorsitzende Gert Reckling will nicht weitermachen, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Darum steht das Auflösen des Vereins kurz bevor, Arendsee muss darum auch keine 50 Euro mehr pro Jahr zahlen.

Die beiden Vereinsvorsitzenden Christel Tiemann („De Dörpstroat“) und Uwe Walter (Förderverein Kloster), die auch Stadträte sind, durften am Montag nicht mit abstimmen. Sie mussten während dieser Sitzungsphase auf dem Flur warten, wie der Bürgermeister erklärte.

Zudem betonte Norman Klebe gestern ausdrücklich, dass er und auch Stadträte persönlich weiterhin an vorhandenen Mitgliedschaften festhalten wollen. Dies seien private Entscheidungen, die im Haushalt der Einheitsgemeinde keine Rolle spielen.

Von Christian Ziems

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