KiEZ-Arendsee-Geschäftsführerin erwartet für 2018 weniger Übernachtungen von Kindern

Spöttle: Kurtaxe kostet Kundschaft

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Kinder und Jugendliche sind das Hauptbesucherklientel der Arendseer Erholungseinrichtung. Mit der Einführung der Kurtaxe für Besucher bis 16 Jahre wird ein Rückgang der Übernachtungen erwartet. Viele Gruppen können die finanzielle Mehrbelastung nicht aufbringen.

ann Arendsee. „Die Einführung der Kurtaxe für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist für uns als Einrichtung eine riesige Herausforderung“, stellt die Geschäftsführerin des Kinder- und Jugenderholungszentrums (KiEZ) Arendsee, Irmela Spöttle, klar.

60 Cent sollen die Kinder und Jugendlichen pro Tag zahlen, wenn sie in und am Arendsee Urlaub machen. 

Für Erwachsene wird der doppelte Betrag nach dem Stadtratsbeschluss in diesem Jahr verlangt. Die Verwaltung will mit der Einführung der Kurtaxe die klamme Stadtkasse auffüllen. Doch für KiEZ-Chefin Irmela Spöttle ist das der Weg in die verkehrte Richtung. Denn mit der Einführung der Kurtaxe verliere die Stadt und auch das KiEZ in Zukunft Touristen und Besucher, ist sich Spöttle sicher. „Die Einführung der Kurtaxe ist nur kurzzeitig gedacht“, kritisiert sie.

KiEZ-Geschäftsführerin Irmela Spöttle rechnet für 2018 mit weniger Kindergruppen in der Einrichtung am Lindenpark. Erste Auswirkungen seien bereits zu spüren, erklärt sie.

Besonders Kinder und Jugendliche treffe die Zusatzzahlung hart. Die Geschäftsführerin nennt ein Beispiel: Für 2018 haben zwei Reisegruppen mit Kindern, die seit Jahren kommen, nicht wie üblich gleich nach dem Ende ihres jüngsten Arendsee-Aufenthaltes ihre Anmeldungsformulare für das nächste Jahr mitgenommen. „Sie haben diesmal nicht gleich wie sonst für das kommende Jahr gebucht, weil sie mit der Kurtaxe mehr Kosten haben. Das trifft für über 100 Kinder zu und wird wohl kein Einzelfall bleiben“, betont Spöttle. Weniger Einnahmen bedeuteten irgendwann weniger Personal, und damit müsste die Geschäftsführerin ihren Mitarbeiterstamm von derzeit 36 reduzieren. Das wäre für die Betroffenen besonders schmerzvoll, falls sie ihren Job verlieren würden.

Auch wenn sich 60 Cent pro Kind und Übernachtung zunächst gering anhören, müssten die Schulklassen deutlich mehr Geld aufbringen, wenn sie sich mit 30 Personen mehrere Tage im Luftkurort erholen, heißt es weiter. „Für diese Besuchergruppen zählt jeder Cent“, sagt Spöttle und ergänzt, dass die Gruppen auch mit einem Bildungsauftrag nach Arendsee kommen.

Dass die Gespräche mit den Stadtverantwortlichen erfolgreich verlaufen und die Kurtaxe für die Arendsee-Gäste bis 16 Jahre ausgesetzt wird, sieht sie eher skeptisch. Sollten dennoch Gruppen ins KiEZ kommen und überweisen die Zusatzzahlung nicht, sei der Verein „Kinder- und Jugenderholungszentrum Arendsee / Altmark“ gefragt, das Thema zu klären. Doch zusätzliche Kosten eventuell rückläufigen Übernachtungen würde dem Verein finanziell zu schaffen machen. Die Einrichtung auf dem neun Hektar großen Areal könne mit der umfangreichen Angebotspalette für Kinder, Jugendliche und Erwachsene punkten. Mit dem Freizeithaus werde das Angebot nochmals aufgewertet.

Doch falls Auswärtige aufgrund der Einführung der Kurtaxe für Kinder ausbleiben, sei das ein unschöner Aspekt, um weiter Tourismus in Arendsee vorzuhalten. Ohnehin fordert Irmela Spöttle seit langem einen Tourismusfachmann für die Stadt, damit die Branche deutlich besser als bisher und vor allem professioneller funktioniert.

Doch mit Kinderkurtaxe sei das ein Rückschritt. „Die Kinder, die uns heute besuchen, sind die Gäste und Touristen von morgen, und denen sollte man die Kurtaxe als zusätzliches Bonbon ersparen“, rät die Geschäftsführerin den Lokalpolitikern. Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung, um auch den Tourismus im Luftkurort besser als bisher zu vermarkten.

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