Siegfried Wiechert aus Kläden

Faszinierende Arbeit mit Holz

Ein weißbärtiger alter Mann hält in seinen Händen geschnitzte Figuren.
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Siegfried Wiechert in seiner Werkstatt: Besonders sehenswert sind die geschnitzten Wanderstöcke mit ihren kunstvoll gestalteten Griffen.
  • Detlef Güssefeld
    VonDetlef Güssefeld
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Es ist schon etwas ungewöhnlich, wenn Siegfried Wiechert aus Kläden allein oder mit seiner Frau Ute durch das altmärkische Dorf spaziert – mit einem Wanderstock in der Hand. Doch bei diesem handelt es sich um ein selbst gestaltetes kleines Kunstwerk, wie er der AZ erzählt. „Vor rund 20 Jahren war ich aus Kläden nach Bayern gezogen, der Arbeit wegen. Aber ich wusste, dass ich wiederkomme“, beginnt Siegfried Wiechert das Gespräch.

Kläden – Es fehlten dort in Bayern die Bekannten, Freunde. Nach acht Stunden Arbeit hatte er Freizeit. Und die begann er zu nutzen, indem er zum Schnitzmesser griff und erste kleine Arbeiten schuf. „Die Leidenschaft, Dinge aus Holz zu etwas Besonderem werden zu lassen, ließ mich nicht mehr los“, macht der Klädener deutlich. Er besuchte Flohmärkte, suchte gezielt nach Werkzeug. Denn auch heute kommt ihm ein Schnitzmesser aus dem Baumarkt nicht ins Haus. Die Werkzeuge, die er sich beschaffte, waren alle schon einmal in den Händen von schaffenden Menschen. Sie erzählen Geschichten, und genau mit diesen Werkzeugen wollte er arbeiten. Heute bezeichnet sich Siegfried Wiechert als „Bester Schnitzer von Kläden.“ Das mag zunächst etwas anmaßend klingen. Aber, wie er sagt, gebe es ja neben ihm keinen anderen. „Und wenn jemand doch mit dem Schnitzen beginnt, dann ist er kein Konkurrent, sondern eine Bereicherung“, sagt Siegfried Wiechert. Dass er nie ein Riemenschneider wird, der einst den Blutaltar in der Nähe von Rothenburg (Tauber) fertigte, das sei ihm klar, lächelt er. Seine Werke sind alles Unikate, versteht sich. Verkaufen will er sie nicht. Wenn sie in andere Hände gelangen, dann gibt er sie als Geschenk an Freunde und Bekannte.

Konzentriert: Siegfried Wiechert bei der Arbeit, hier bei der Fertigstellung einer Hand.

Einen Stock hatte er jüngst dem Klädener Andreas Döpelheuer für seine Wanderung auf dem Jakobsweg zur Verfügung gestellt. Auf Wunsch war dieser zuvor noch mit der Muschel versehen worden, die als Zeichen für den Weg gilt. Der Wanderstock wird im Hause Wiechert natürlich durch seine jüngere Geschichte einen besonderen Platz haben. Für einen derartigen Wanderstock – und davon gibt es viele in der Werkstatt an der Klädener Dorfstraße – braucht der Künstler nach eigenen Angaben zwischen 30 und 50 Stunden. Kaum zu glauben, denn die filigranen Arbeiten sind sehr aufwendig. Auch Figuren sind manchmal dabei. Für seine Frau hatte er einen Siegfried geschnitzt, der einen Drachen bekämpft. Als Zeichen, dass er als Siegfried die Familie immer beschützen werde. Dem Kommandanten der Feuerwehr in Mindelheim im Unterallgäu, Klemens Müller, schnitzte er einen Wanderstock zum 80. Geburtstag. Ihn verband eine gute Freundschaft in der Zeit, in der Siegfried Wiechert zunächst allein, später mit seiner Frau in Mindelheim lebte. Auch eine Kinderwiege entstand, in der einst sein Enkel träumte und aktuell das kleine Kind der Nachbarschaft schläft. Und ein sogenanntes Lüsterweibchen, das einen besonderen Leuchter beschreibt, fertigte er für ein junges Brautpaar. Entstanden sind auch Firmenschilder, und Stenze, die kurzen Stöcke für Wandergesellen auf der Walz. Welches Holz benutzt ein Schnitzer? Also Haselnuss sei sehr bleibt, Eiche, aber auch Buche und Birke. Ein Blick in das Atelier lohnt sich. Man kann Siegfried Wiechert bei der Arbeit zusehen, wenn man es mal will. Beim Besuch der AZ schnitzte er an einer Hand. Seine Idee: Zwei Hände tragen später dann eine Glasplatte, oder auch etwas anderes.

Kunstvoll: Siegfried, der Drachentöter. Diese Figur schnitzte Siegfried Wiechert für seine Frau.

Die Ideen gehen dem Klädener nicht aus. So entstand etwa ein Bilderrahmen, verziert mit Weintrauben, der ein Bild des kleinen Hauses in Kläden hält. Das war auch ein Geschenk an seine Frau, weil in Bayern auch manchmal eine Art Heimweh aufkam. Klar war aber auch, dass man wieder zurück nach Kläden kommen wollte. 2016 war es dann soweit. Den Bergen in Bayern wurde „Tschüss“ gesagt, die Altmark ist seitdem wieder ihr Wohnsitz. Vor dem Ende des Gesprächs erinnert Siegfried Wiechert noch an Albrecht Scotland in Dähre. „Der Mann war ein großartiger Schnitzer“, sagt Siegfried Wiechert und blättert in einem eigens angelegten Archiv mit Bildern und Zeitungsausschnitten. Und so hat der Klädener auch manchmal seine Meister gefunden. Aber in Kläden, so lacht er wieder, ist er berühmt.

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