Dritter Anlauf mit großer Mehrheit: Stadt wird in Sachen Strandgaststätte mitbieten

Sieg für Linke mit Land-Stimmen

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Die Strandgaststätte gerät kurz vor einem neuen Termin der Zwangsversteigerung in den Fokus: Die Stadt wird mitbieten. So beschloss es der Stadtrat am Montagabend in Kaulitz. Wie hoch die finanzielle Schmerzgrenze sein wird, ist noch offen.

Kaulitz/Arendsee. Es war eine Sensation am Montagabend: Die große Mehrheit des Stadtrates sprach sich auf Antrag der Fraktion der Linken für einen möglichen Kauf der Strandgaststätte aus. Das bedeutet: Die Stadt wird im Rahmen der anstehenden Zwangsversteigerung am 16. April in Salzwedel für die Immobilie mitbieten.

So wollten es am späten Montagabend (wir berichteten bereits gestern) 17 Stadträte – acht lehnten einen möglichen Kauf ab, einer enthielt sich der Stimme.

Die Linke hatte auch gleich eine Idee, woher das Geld genommen werden soll. Der Betrag, bis zu dem die Stadt im Bieterverfahren aktiv werden soll, soll in Kürze auf Ebene der Fraktionsvorsitzenden festgelegt werden. „Es stehen 220 000 Euro im Eigenbetrieb für Investitionen in der GmbH zur Verfügung. Es handelt sich um Rückstellungen“, so Thomas Schlicke (Linke). Der Kauf der Gaststätte sei deshalb wichtig, um die gastronomische Versorgung am Strand auf ein höheres Niveau zu heben, machte unter anderem Stadtrat Klaus Führ deutlich. „Der Kauf der Gaststätte ist längst überfällig“, sagte er. Die gastronomische Versorgung sei eine Katastrophe – worauf Matthias Goyer ihn im Sommer zu einem Stück Kuchen und einem Kaffee einlud. Die Linke, die einheitlich für den Kauf stimmte, bekam vollste Unterstützung von der Fraktion Arendsee-Land. Hartmut Baier sah die drohende Gefahr eines Rotlichtbetriebes, wenn die Stadt die Immobilie nicht kaufe, und ein anderer, privater Investor sie betreibe.

Die Enttäuschung auf Seiten der Gegner des Kaufes war tief. „Wir lassen uns hier auf ein Abenteuer ein, von dem keiner weiß, wie es ausgeht“, so Bürgermeister Norman Klebe. Und Matthias Goyer will nicht, dass „in ein zweites Waldheim“ investiert wird. Die Saison sei kurz. Die Ankündigung der Linken, dass ein Pächter bereit sei, 4000 Euro pro Saison zu zahlen, erklärte Goyer für nicht machbar. Und weiter: „Viele, die für den Kauf stimmen, wissen ja noch nicht mal, wie es da drinnen aussieht. Die Investitionen kommen zu der Kaufsumme noch dazu.“ Doch die Kauf-Befürworter hielten nicht still. Schlimmer sei es, so Klaus Ahlfeld, wenn „einer die Strandgaststätte kauft, dazwischen funkt und wir den Strand dichtmachen können“.

Man sei sich sicher, dass mit der Immobilie der GmbH mehr Planungssicherheit gegeben werde. GmbH-Chef Michael Meyer wollte sich gestern zunächst nicht äußern. Machte aber dann klar, dass eine gastronomische Bewirtschaftung durch seinen Betrieb nicht in Frage kommt. „Noch ist die Gaststätte nicht ersteigert, warten wir ab, was passiert“, sagte er gegenüber der AZ.

Dem Argument der Verwaltung, mit dem Kauf würde der Haushalt aus den Fugen geraten und wichtige Investitionen wie Kindertagesstätte und Feuerwehrgerätehaus in Frage gestellt werden, erteilte Thomas Schlicke eine Absage. „Wir wollen das Geld aus der Rücklage des Eigenbetriebes nehmen, alles andere bleibt unangetastet“, machte er deutlich.

Die Abstimmung war ein erdrutschartiger Sieg für die Befürworter des Kaufs. Bürgermeister Norman Klebe verstand die Welt nicht mehr. „Es waren diejenigen, die bereits zweimal den Kauf abgelehnt und nun aber zugestimmt hatten“, sagte Klebe und war angesichts der Geschlossenheit der Linken und der Fraktion Arendsee-Land sichtlich beeindruckt. Auch er wolle nun die weiteren Schritte abwarten. Zu der finanziellen Schmerzgrenze im Rahmen der Versteigerung konnte er gestern nichts sagen. Dennoch schwebt eine Summe im Raum. Beim letzten Termin im Spätherbst hätten rund 80 000 Euro gereicht, die Gläubigerin, die Volksbank Osterburg, zu überzeugen.

Wer nach dem 16. April die Strandgaststätte sein Eigen nennen kann, ist offen. Der Stadtrat vermutet, dass auch der aktuelle Besitzer mitbieten wird. War er es doch auch, der bereits in den Tageszeitungen eine Anzeige geschaltet hatte. „Eröffnung der Strandgaststätte im Frühjahr 2014“, erfuhren die Zeitungsleser. Nun geht die Stadt mit in die Offensive – mit dem Beschluss vom Montag.

Von Harry Güssefeld

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