Dr. Helmut Rönicke sieht angesichts der neuen Versuchsplattform auf dem See keine Alternativen zur Seesanierung

„Seit ‘94 wissen wir, wie es zu machen ist“

Arendsee. Wissenschaftliche Untersuchungen am Arendsee, mit dem Ziel, eine optimierte Variante für die Phosphorausfällung zu finden, sind laut Dr. Helmut Rönicke vom UFZ Leipzig nicht mehr nötig.

Von 1992 bis 1994 hatte er, damals noch beim Forschungszentrum in Geesthacht unter Vertrag, bereits eine Forschungsstation auf dem Arendsee betrieben. Ähnlich der, die derzeit vom Leibnitz-Institut Berlin eingerichtet wird. Eine Enclosure-Anlage, mit Schläuchen, die jeweils „kleine Arendsees“ bilden, wurden verschiedene Ausfällungmöglichkeiten untersucht. Drei standen zur Auswahl: mit Kalk, mit Seekreide und die Ausfällung mittels Aluminiumverbindungen. Es gab damals, so Dr. Helmut Rönicke gestern vor der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Arendsee, deren Mitglied er ist, eine ganz klare Ansage: Die optimalste Wirkung wurde mit Aluminium erreicht. Warum dann aber die Seekreideaufspülung 1995/96?, wollte die Altmark-Zeitung wissen. Das, so Dr. Rönicke gestern, war eine politische Entscheidung. „Man wollte ein naturnahes Verfahren. Und man hatte sich dann für die zweitbeste Lösung hinsichtlich der Ergebnisse, die Seekreide entscheiden“, so der Wissenschaftler. Auch deshalb, weil die Seekreide nicht erst herangeschafft werden musste, sondern schon auf dem Grund des Arendsees lag. Die Technik dafür, mittels Saugbaggern und Druckrohrleitungen den gesamten Seebereich zu erreichen, wurde in Rostock entwickelt. „Und sie hat sich als außerordentlich geeignet erwiesen“, so Dr. Rönicke. Dass diese Druckrohrleitungen auch für das Ausbringen des Aluminiumsulfates bzw. des Aluminiumchlorids geeignet sind, macht die Sache für den Forscher noch realistischer.

Vorbehalte, Dr. Rönicke setze sich für die Aluminiumlösung ein, weil er damit Geld verdiene, erteilte er eine Absage: Seit 2001 widmet sich der Wissenschaftler aufgrund von Entscheidungen im Ministerium als Limnologe den Tagebauseen.

Doch warum mache er sich dennoch so stark für eine Sanierung des Arendsees? „Ich habe eine lange Zeit für den See gekämpft, die Grundlagen dafür geschaffen, dass gehandelt werden kann“, so Dr. Rönicke. Und außerdem sei er Mitglied der Arbeitsgemeinschaft, die um eine Antwort ringt.

Schadet das Aluminium dem See? Die Antwort gab Rönicke anhand des vorliegenden Ergebnisberichtes. In den Schläuchen der Forschungsanlage wurden damals zunächst drei und vier Milligramm pro Liter Wasser gegeben, später bis zu zehn Milligramm pro Liter. „Erst bei zwölf Milligramm, so viel wird nie eingetragen, änderte sich der pH-Wert der Wassers minimal“, machte Dr. Rönicke klar.

Die Ankündigung des Leibnitz-Institutes, ebenfalls mit einer Enclosure-Anlage im See zu forschen, wertete Dr. Rönicke nicht. Sollte es auch nur in einem Teil der Forschung um Untersuchungen hinsichtlich der Seesanierung gehen, dürften keine anderen Ergebnisse erwartet werden. „Dr. Hupfer (Leibnitz-Institut – d. Red.) war bei Beratungen zum Thema oft dabei. Alle waren sich einig, dass es nur eine Aluminium-Lösung geben kann“, so Dr. Rönicke. Dr. Hupfer wollte sich gestern auf Nachfrage der AZ nicht äußern. Er hatte keine Zeit, weil er die Forschungsanlage auf dem See komplettierte.

Dr. Rönicke versteht nicht, warum die Sanierung des Sees noch nicht begonnen hat. „Der See ist so stark eutrophiert, dass die nächste Stufe eine Kläranlage wäre“, sagte er bei Beginn der Vorstandssitzung gestern. Zwar kenne er die Bedenken, die in Arendsee geäußert werden. Aber schließlich gehe es um Überzeugungsarbeit, die alle leisten müssten, die ein Interesse an dem See hätten – und das seien seiner Ansicht nach alle die, die den Tourismus in Arendsee nicht sterben lassen wollen. Deshalb begrüßte er auch die Idee der Arbeitsgemeinschaft, eine Busfahrt nach Feldberg zu organisieren. Der dortige Haussee ist „chemisch“ – mit Aluminium – behandelt worden. Mitreisen können alle, Befürworter wie auch Gegner des Verfahrens, stellte die Arbeitsgemeinschaft um ihren Vorsitzenden Gert Reckling gestern klar. Los geht es voraussichtlich am 9. Juni.

Dr. Rönicke abschließend: „Wenn wir alle Einläufe, über die Phosphor in den See gelangen, sofort stoppen würden, könnte sich der See dennoch nicht allein sanieren.“

Von Harry Güssefeld

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