Schließzeiten freiwillig: Ausschuss setzte sich durch

Fabian Moosmann aus Thielbeer (v.l.), Lennard Kunze aus Kleinau und der Arendseer Mads Braunsdorf beim Spielen in der Tagesstätte „Gänseblümchen“ in Kleinau. Sie müssen nicht in den Sommerurlaub gehen. Die Tagesstätte kann selbst entscheiden. Foto: Güssefeld

Arendsee. Das Interesse an der Sozialausschusssitzung am Mittwoch in Arendsee war groß: Vor allem Mütter aus Mechau wollten bei der Abstimmung des Gremiums über mögliche Schließzeiten der Einrichtungen dabei sein. Diese waren im Entwurf der Nutzungsordnung festgeschrieben worden – um Kosten zu sparen. Und weil die Argumente der Verwaltung überhaupt nicht fruchteten, ging die Abstimmung auch anders aus, als im Entwurf vorgesehen – Schließzeiten kann es geben, muss es aber nicht. Jede Tagesstätte kann entscheiden, ob sie einen vierzehntägigen Betriebsurlaub wollen.

Die Gegner der Schließzeiten griffen sofort die Verwaltung an, als diese ein Papier auf den Tisch legte, um die Kosteneinsparungen zu definieren. „Wenn jede Erzieherin zwölf Monate bezahlt wird, dann frage ich mich, wie eingespart werden soll“, fragte Mechaus Ortsbürgermeister Hartmut Baier in die Runde. Die Zahlen, die auf dem Tisch lägen, seien Augenwischerei – allein die Einsparungen an Wasser, Heizung und Strom seien für ihn fassbar, aber auch nicht richtig begründet. Denn: Wenn ein Kind für Wochen in einer anderen Einrichtung betreut werden muss, benötigt es dort beispielsweise Wasser. Die ausgewiesenen Einsparungen von rund 2 000 Euro an Betriebskosten, wenn alle Einrichtungen zwei Wochen geschlossen bleiben, bezeichnete Baier deshalb als Peanuts.

Olaf Ollendorf, Ortsbürgermeister von Vissum, brachte seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass es „in der Diskussion nur um die Erzieherinnen“, nicht aber um die Kinder gehe. „Wir sind verantwortlich für das Wohl der Kinder, dem hat sich alles unterzuordnen“, so Ollendorf. Unterstützt wurde er dabei von Stadträtin Dr. Annett Schützel. Sie machte darauf aufmerksam, dass vor allem kleine Kinder Schwierigkeiten hätten, sich umzugewöhnen, wenn es auch nur für zwei Wochen seien.

Die Frauen aus Mechau, zumeist aus dem Kuratorium, machten sich bemerkbar, mussten aber zur Kenntnis nehmen, dass die Öffentlichkeit nicht hergestellt wurde. „Wir wollen keine Diskussionen wie vor einigen Wochen. Wir wollen zu einem Ergebnis kommen“, so Ausschussvorsitzender Thomas Schlicke. Unterstützung bekam er von Hauptamtsleiter Andreas Koch, der anmerkte, dass auch bei Herstellung der Öffentlichkeit über das aktuelle Thema nicht gesprochen werden dürfe.

Koch hatte vor der Abstimmung noch einmal betont, dass Betriebsferien die Frauen in den Einrichtungen entlasten würden. Und: Oftmals sei der Schlüssel Erzieher/Kinder nicht einzuhalten, so dass man damit gegen Gesetzlichkeiten verstoße. „Wir haben keine Spielräume. Die Personalzahlen sind so eng bemessen, dass die Zeiten für Urlaub oder auch Krankheit keine Berücksichtigung finden. Wird mehr Personal eingestellt, erhalte die Einheitsgemeinde keinen Cent Fördermittel dafür“, argumentierte Koch.

Die Abstimmung war dann doch eindeutig. Mit überwiegender Mehrheit plädierten die Ausschussmitglieder für die Freiwilligkeit beim Thema Schließzeiten. Die Mechauer Frauen feierten das als Erfolg – waren sie doch von Anfang an gegen Schließzeiten. Wie auch in der Einrichtung Binde. Der Entwurf wird neu auf den Weg gebracht – diskutiert werden müssen noch die Gebühren.

Von Harry Güssefeld

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