Inspektionsfahrt auf der Strecke Salzwedel-Wittenberge: Kurz vor Arendsee war Schluss / Kreistag entscheidet im Februar

Schienenverkehr frühestens ab 2012

Projektleiter Jan Christopher Witt (r.) besprach mit den Anwesenden jeden potenziellen Haltepunkt der Bahnstrecke Salzwedel-Arendsee. Im Januar soll es das nächste Treffen geben. Im Februar entscheidet der Kreistag über die Zukunft des Projekts. Fotos (5): Heymann

Arendsee / Salzwedel. Vertreter von Kreis, Arendsee, Salzwedel sowie vom Betreiber haben gestern die stillgelegte Bahnstrecke Salzwedel-Wittenberge inspiziert. Dabei wurde über eine mögliche Wiederaufnahme des Fahrbetriebs gesprochen.

Auch künftige Haltestellen waren in der Diskussion.

Per Triebwagen startete die Tour gegen 8.30 Uhr vom Salzwedeler Bahnhof. Von dort aus ging es Richtung Arendsee – 1,5 Kilometer vor der Seestadt war Schluss. Dazwischen erfolgten Stopps in Ritze, am ehemaligen Bahnhof des Ortes, in Groß Chüden sowie an den Bahnhöfen in Riebau, Mechau, Binde-Kaulitz und Kläden.

Thomas Franke von der Havelländischen Eisenbahn steuerte den Triebwagen von Salzwedel bis kurz vor Arendsee und zurück.

Ein Haltepunkt kostet rund 100 000 Euro, so Projektleiter Jan Christopher Witt vom Streckenpächter Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) aus Berlin. Bislang sei es noch unklar, ob Ritze (Chüdenstraße) und Groß Chüden (Bohldammweg) jeweils eine Ortsanbindung erhalten oder ob der marode Bahnhof zwischen den Orten wieder auf Vordermann gebracht wird, erklärte Witt gestern. In Riebau könnte der Bahnsteig auf die andere Seite und näher an die Straßenbrücke verlegt werden. „Mehr in die Zivilisation“, gab es dazu einen Kommentar mit Hinblick auf das katastrophale Aussehen des Bahnhofsgeländes.

Weiter ostwärts, in Mechau, gibt es nach Ansicht der Fachleute wenig Probleme. Dort könnte zudem der Busverkehr aus Nachbarorten zusammenlaufen. Beispielsweise aus Binde und Kaulitz, denn am dortigen Bahnhof zwischen den Orten plant die DRE aufgrund der schlechten Zuwege keinen Halt. Dort sollen nur Rufbusse zum Einsatz kommen.

Die Fahrt endete etwa 1,5 Kilometer vor Arendsee.

In Kläden müsse der Bahnhof befestigt werden, ergab die Inspektion. Die Lage sei allerdings in Ordnung. Wie an den meisten der vorherigen Stopps ist in dem Arendseer Ortsteil keine Wendemöglichkeit für Busse ausgebaut worden. Im Sommer 2012 könnte es für die DRE losgehen, blickte Projektleiter Witt voraus. Allerdings müsse zunächst eine positive Entscheidung des Kreistages her. Und die werde frühestens im Februar des nächsten Jahres fallen, so Kreisdezernent Erhard Prehm gestern.

Die DRE ist seit 2004 Pächter der Strecke. In jenem Jahr fuhr auch der letzte reguläre Zug. Vor zwei Jahren nahm die DRE Kontakt zum Altmarkkreis auf, um die Bahnverbindung für Personen- und Güterverkehr zu reaktivieren. In der Folge wurde ein Konzept entwickelt, das 112 000 Zugkilometer pro Jahr vorsieht.

In einer ersten Ausbaustufe könnte eine Fahrgeschwindigkeit von 60 km/h erreicht werden, später sogar 80 km/h. Ein Zug zwischen Salzwedel und Arendsee würde so nur knapp 28 Minuten benötigen, zehn Minuten weniger als ein Bus.

Zunächst soll nur der Abschnitt zwischen Salzwedel und Arendsee in Betrieb genommen werden. Später könnte die Anbindung nach Wittenberge folgen und die 150 Meter fehlenden Gleise bei Harpe ohne Probleme ersetzt werden, so Projektleiter Jan Christopher Witt. Um rentabel zu sein, braucht die Strecke Verkehr. Durch das Einbinden des Bus- und Schülerverkehrs der Personenverkehrsgesellschaft (PVGS) verspricht sich die DRE eine bessere Auslastung der Bahn. 500 Fahrgäste täglich sei die „magische Grenze“, so Witt. Die Finanzierung soll zu einem großen Teil aus Landesmitteln erfolgen, die bislang in den Schienenersatzverkehr gesteckt wurden.

Ein Video von der Inspektionsfahrt gibt es demnächst im Internet unter:

Von Jens Heymann

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