„Sauberer See ohne chemische Keule“

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Hans-Henning Schindler berichtete über die bisherigen Versuche und Ideen zur Seesanierung. Der Tenor der Diskussionsrunde: „Wir wollen einen sauberen See, jedoch ohne chemische Keule“.

swz Arendsee. Mit Arendsee-Bildern aus den 60er Jahren begann am Wochenende die Diskussionsrunde über die Zukunft des Arendsees im Kaffeegarten ein. Ein Einblick in das Strandleben zu DDR-Zeiten stimmte die Besucher auf das Thema „Braucht unser See Chemie?“ ein.

Zu Beginn erläuterte Hans-Henning Schindler, Chef des Tauchclubs, die verschiedenen Versuche der Wissenschaftler, den Nährstoffgehalt des Sees und damit das Blaualgenwachstum zu verringern. Die Palette reichte dabei von der Tiefenwasserableitung bis hin zur Seekreideaufspülung. Schindler demonstrierte dabei auch, dass die Wissenschaftler im Vorfeld der jeweiligen Versuche diese immer wieder als „optimal für den See“ darstellten. Nunmehr sehen sich sowohl Hans-Henning Schindler als auch viele der Besucher von den wissenschaftlichen Beratern getäuscht.

Eine junge Frau fragte in der Diskussionsrunde erstaunt: „Sind das nicht immer die gleichen Wissenschaftler, die diese Versuche am Arendsee durchführen und keine befriedigenden Ergebnisse erreichen?“ Sie und viele andere brachten zum Ausdruck, dass sie sich nach einem Scheitern der Versuche mit dem See allein gelassen sehen.

Mit Hilfe der chemischen Verbindung Polyaluminiumchlorid sollte der Phosphor im See gebunden und damit den Blaualgen die Nahrungsgrundlage entzogen werden. Denn je nach Jahreszeit ist das Wasser klar mit Sichttiefen bis zu vier Metern oder aber getrübt bzw. infolge der Blaualgenblüte von Schieren durchzogen.

Arendsee Bürgermeister Norman Klebe kann die Ängste der Bürger verstehen. Er betonte: „Kommt die Chemie in den See, bleiben für Jahre die Urlauber weg.“ Er sieht bei der Behandlung mit chemischen Mitteln einen Imageverlust für die Stadt. „Wer will heute schon in einen See steigen, in den tausende Tonnen Chemie gepumpt wurden?“, fragte auch Hans-Henning Schindler in die Runde.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“, Gerd Reckling, betonte, dass man auch Klarheit über die Vorgehensweise sowie die neuesten Ergebnisse der durchgeführten Messungen während der Frühjahrstagung seiner Arbeitsgemeinschaft am 16. April erwarte, zu der auch die jeweiligen verantwortlichen Wissenschaftler, die das Seeprojekt betreuen, eingeladen sind. Er brachte zum Ausdruck, dass es erst eine Verminderung des Nährstoffeintrages geben muss, bevor weitere Maßnahmen zur Seesanierung ergriffen werden können.

Fischer Wilfried Kagel gab zu bedenken, dass es bereits zu DDR-Zeiten durch die Überdüngung in der Landwirtschaft einen starken Nährstoffeintrag gegeben habe. Er hält die Seewasserregulierung für nicht optimal, da zurzeit nur das saubere Oberflächenwasser abgeleitet werde, und sieht auch in fehlenden Toiletten an den Badestellen außerhalb des Strandes sowie in der Pferdebadestelle Gründe für einen erhöhten Nährstoffeintrag. Kagel sprach einen weiteren Punkt an, der nicht nur die Arendseer, sondern auch die Wissenschaftler aufhören ließ: Im vergangenen Jahr betrug die Wassertemperatur des Sees an vielen Tagen über 24 Grad, und obwohl mit der heftigen Sonneneinstrahlung optimale Wachstumsbedingungen für die Blaualgen vorhanden waren, blieb das Blühen des Sees aus. Viele Arendseer sehen dies als ein Zeichen dafür, dass sich der See auch auf natürliche Weise regenerieren kann. Sie fordern daher die Wiederinbetriebnahme der Tiefenwasserableitung, die bis zur Wende mit Erfolg gelaufen war.

Bürgermeister Norman Klebe und Gerd Reckling wurden beauftragt, den Fachleuten auf der Frühjahrstagung am 16. April die Stimmung und Meinungen der Bürger darzulegen: „Wir wollen einen sauberen See, jedoch ohne chemische Keule“, so der allgemeine Tenor.

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