Eine Woche vor oder hinter der Kamera

Saison im Jugendfilmcamp Arendsee geht langsam zu Ende

Am Drehort von „New World“: Links und rechts die beiden Regisseure – Martha Schöffl und Jona Eisenblätter, dazwischen die Technikcrew samt Dozent.
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Am Drehort von „New World“: Links und rechts die beiden Regisseure – Martha Schöffl und Jona Eisenblätter, dazwischen die Technikcrew samt Dozent.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Es sei das erste Mal in diesem Sommer, dass er morgens zu spät zum Arendseer Jugendfilmcamp-Gelände gekommen ist, entschuldigt sich Norman Schenk gleich zu Beginn. Jeden Tag ist dort, ganz am Ende der Lindenstraße, Betrieb, und Schenk als Leiter entsprechend gefordert. Nun, kurz vor Ende der diesjährigen Saison, scheinen sich die langen Abende und Nächte langsam bemerkbar zu machen.

Arendsee – Zwischen den Bäumen, Zelten und Gebäuden herrscht auch ohne ihn bereits reger Betrieb. In Hochzeiten leben bis zu 60 Jugendliche den einwöchigen Traum einer Filmkarriere – je nach Kurs in Regie, Kamera, Schauspiel oder anderes. Aktuell arbeiten fünf Teams an ihren Projekten. Viel Zeit zum Trödeln bleibt da nicht – montags wird angereist, dienstags sind die Grundlagen dran, mittwochs wird der Dreh vorbereitet, donnerstags und freitags dann gedreht, sonnabends geschnitten und präsentiert. Sonntags ist schon wieder Schluss. Nach einer arbeitsreichen gemeinsamen Woche fließt bei den Teilnehmern zum Abschied so manche Träne, erzählt Norman Schenk. Einige versprechen untereinander, im nächsten Jahr wiederzukommen.

An diesem Tag stehen Dreharbeiten an. Die Jugendlichen sind in Teams unterwegs. Einige drehen auf dem Gelände, andere am Strand oder in der Stadt.

„New World“ heißt der Film, für den Szenen in einem Teil eines Gebäudes auf dem Campgelände aufgenommen werden. Die beiden 13-jährigen Jona Eisenblätter und Martha Schöffl teilen sich die Regie. Daneben wuseln vier weitere hinter der Kamera herum, vier spielen davor. Ein Dozent und eine Betreuerin unterstützen die jungen Filmemacher.

Ein neuer Planet werde gesucht, fasst Jona den Inhalt kurz zusammen. Dafür ist ein Raumschiffset in der Art von „Raumpatrouille Orion“ aufgebaut worden. Klobürsten dienen als Steuerhebel. Die nächste Szene steht an.

Der 13-Jährige spricht mit selbstbewusster Stimme. Kein Wunder: Jona Eisenblätter ist Profischauspieler; in seiner Vita finden sich Produktionen von „Polizeiruf 110“ bis „Babylon Berlin“. Regiekollegin Martha hat Vorkenntnisse vom Theater.

Unter den Teilnehmern gebe es eine gute Mischung aus denjenigen mit und ohne Vorerfahrung, erläutert Norman Schenk. Der Schauspieler, der aus Osterburg stammt, hat immer wieder Kinder von Filmschaffenden dabei. Und die Eltern können oftmals als Dozenten gewonnen werden.

Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland. Auch aus dem Ausland sind immer wieder welche mit dabei. Dieses Jahr war mit Mauretanien das 24. Land am Start, zählt der Campleiter auf. Die Dialekte sind bei den Jugendlichen gut herauszuhören. Da ist der Filmdreh zu „New World“ keine Ausnahme.

Die überregionale Aufmerksamkeit hat seine Gründe. Es gebe in diesem Umfang nichts Vergleichbares, sagt Norman Schenk. Wohl auch deshalb, weil der Aufwand an Technik und Ehrenamt groß sei, wie er sagt. Rund 600 Teilnehmer sollen es über den Sommer gewesen sein.

Vor gut zehn Jahren ist die Idee eines Camps für Nachwuchsfilmschaffende entstanden, seit 2016 residiert es auf dem Gelände eines ehemaligen Ferienlagers. Norman Schenk zeigt einige Errungenschaften – das kleine Kino, die neuen sanitären Anlagen. Mit der Stadt Arendsee wurden zuletzt erneut vertragliche Dinge geregelt.

Wenn in Deutschland die Sommerferien bald zu Ende sind, geht auch das Jugendfilmcamp in die finale Phase. Am Sonnabend, 11. September, werden die besten Produktionen gezeigt (Link dazu auf filmfestival-arendsee.de). Es folgen noch Projekte mit Schulklassen und am Sonntag, 19. September, eine Ausstellung im Kloster Arendsee.

Dann kann Norman Schenk durchatmen, bevor im Januar die neuen Kursangebote online gehen.

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